Baden

Rohr-Skulpturen fürs Bäderquartier – Jury befürchtet wegen «Overspill» Diskussionen

Ein Kunstwettbewerb hat Ilona Rueggs Installation «Overspill» zur Realisation auserkoren. Doch laut Jury könnte es zu Diskussionen kommen.

Wenn das neue Botta-Bad im Spätherbst kommenden Jahres eröffnet, soll zudem ein zeitgenössisches Kunstwerk das Gelände bereichern. Mitte des Jahres wurde ein Wettbewerb für ein Kunstwerk im öffentlichen Raum der Bäder ausgerufen, an dem sich sechs Künstler und Kunstkollektive beteiligt haben. Die Josef-und-Margrit-Killer-Schmidli-Stiftung finanzierte den Wettbewerb mit 50'000 und die Realisierung des Kunstwerks mit bis zu 250'000 Franken.

Eine siebenköpfige Jury aus städtischen Vertretern, Künstlern und Kunsthistorikern hat nun die Gewinnerin des Projekts bekanntgegeben. Die Entscheidung fiel auf Ilona Ruegg und ihre Projektidee «Overspill». Die 1949 geborene Konzeptkünstlerin lebte 27 Jahre im Ausland und ist seit 2012 in Zürich ansässig.

Die eingereichten Projekte:

Skulpturen 60 Zentimeter bis zu drei Meter gross

Ihr Werk setzte sich gegen Ideen durch, die von acht Meter hohen «Landmarks» in Blitzform (Beat Zoderer, «Zack») bis hin zu Alu-Badeschlappen entlang der Promenade (Vincent Kohler, «Flip Plap Flop») reichten. Bei «Overspill» handelt es sich um zehn Edelstahl-Skulpturen mit Grössenordnungen von 60 Zentimetern bis zu drei Metern, die entlang der Promenade situativ platziert werden sollen. Gestalterisch erinnern die Skulpturen an Rohre, die um Glas- und Kunststoffelemente ergänzt wurden.

Metaphorisch spielt die Künstlerin damit laut Eigenaussage auf «die unsichtbare Unterwelt des Thermalwassers und auf das System der verschiedenen Quellen in den Bädern». Denn während früher Geysire und römische Quellfassungen sichtbare und rituelle Austrittsorte des Thermalwassers aufzeigten, verschwindet dieses heute in Rohrsystemen. Die Arbeit von Ilona Ruegg will also gleichsam an die Vergangenheit erinnern und das Verborgene von heute vor Augen führen.

Neue und zeitgenössische Arbeit

Aber: «Es könnten auch Körpertrainingseinheiten sein», wird Ruegg in einem Begleitschreiben zitiert. Die Skulpturen laden also zum Sitzen, Anlehnen und Klettern ein, die Interaktion des Rezipienten mit dem Kunstwerk ist also offensichtlich erwünscht. Die Jury liess sich von dieser Argumentation überzeugen. Die Arbeit hebe sich ästhetisch völlig vom Botta-Bad ab und wirkt deshalb neu und zeitgenössisch. Gleichzeitig ergebe sich durch den industriellen Look eine historische Aufladung.

Dass sich die Künstlerin im Detail mit dem Ort auseinandergesetzt hat (sie recherchierte zu Geologie, Archäologie und Wassertechnik), war für die Jury besonders stark zu gewichten. Denn Baden sei stolz auf seine Bäderkultur und Industriegeschichte. Auch die Aufteilung des Kunstwerks entlang der Promenade wird von der Jury priorisiert – sie verstehen das als «Stärkung des öffentlichen Raums».

Bei der Bevölkerung an Qualität gewinnen

Bereits jetzt ist klar: Die Skulpturen dürften – und sollen! – polarisieren. In Erinnerung bleiben die Debatten über die orange «Spaghetti» am Landvogteischloss:

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Ebenso die Diskussionen über den Gummiturm «Stack» auf dem Schulhausplatz:

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Auch die Jury schreibt, sie habe kontrovers diskutiert, ob die Objekte «beim Betrachter auch auf Widerstand stossen könnten, weil sie nicht unmittelbar verstanden werden». Sie ist jedoch überzeugt, dass «Overspill» mit zunehmender Betrachtung und Nutzung auch bei der Bevölkerung an Qualität gewinnt. Und: Wem zeitgenössische Kunst nicht zusagt, dem bleiben noch immer die nackten Bronze-Frauen, die ebenfalls im Bäderquartier ausgestellt werden.

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