Rohrdorferberg
Viel Kritik an Schulhausneubau: Jetzt wurde «Jim Knopf» erneut überprüft

Die zuständige Baukommission hat das Projekt nach intensiver Überarbeitung abermals vorgestellt. Gemeinderätin Martina Egger erklärt, weshalb es bei den Kosten wenig Spielraum gibt und weshalb diese Variante nun bewilligt werden sollte.

Sarah Kunz
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So sahen die ersten Visualisierungen des Schulhauses «Jim Knopf» aus. Mittlerweile wurde das Projekt angepasst – aus zwei Kuben wurde einer.

So sahen die ersten Visualisierungen des Schulhauses «Jim Knopf» aus. Mittlerweile wurde das Projekt angepasst – aus zwei Kuben wurde einer.

Visualisierung: zvg

Seit Jahren steigen die Schülerzahlen in den Gemeinden rund um den Rohrdorferberg rasant an. Die Primarschule in Niederrohrdorf ist deshalb bereits seit 2015 in Pavillons untergebracht. Seit diesem Sommer wird nun auch ein Teil der Kreisschule in Provisorien unterrichtet. Abhilfe schaffen soll der Erweiterungsbau «Jim Knopf» der Schulanlage Rüsler: Der Vorschlag der Zürcher Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Müller Mantel Architekten und Dario Wohler Architekt ging 2017 als Sieger eines Projektwettbewerbs hervor.

Ursprünglich sollte der Neubau ausschliesslich den Bedarf der Primarschule decken. Mittlerweile wurde das Projekt aber so angepasst, dass auch das Oberstufenzentrum entlastet werden soll. Weil zudem einige Kostentreiber wie etwa die Lüftung- und Kälteregulierung Fragen bei der Bevölkerung aufgeworfen haben, wurde die geplante Schulraumerweiterung nun am Dienstagabend erneut vorgestellt.

Klassen der Primar- und Oberstufe werden räumlich getrennt

Wie Martina Egger, Gemeinderätin von Niederrohrdorf und Vorsitzende der zuständigen Baukommission, sagt, soll das Projekt «Jim Knopf» nun als einzelner Kubus auf dem heutigen roten Allwetterplatz südlich der Rüslerstrasse und westlich des Oberstufenzentrums zu stehen kommen. Sobald das neue Schulhaus steht, werden die bestehenden Pavillons rückgebaut. An der Stelle des Primarschule-Provisoriums neben der Turnhalle kommt dann der neue Allwetterplatz hin.

Das vorliegende Projekt soll künftig sowohl der Primarschule als auch der Kreisschule neue Räumlichkeiten bieten: So sind für die Oberstufe eine Schulküche mit Funktionsraum und Unterrichtsraum, zwei Fachzimmer für Natur und Technik, drei Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und ein Essraum geplant. Die Primarschule erhält eine Aula, sechs Klassenzimmer, drei Sprachenzimmer, ein Spezialzimmer sowie ein Lehrerzimmer. Im Erdgeschoss soll zudem eine Tagesstruktur entstehen.

Indem die beiden Schulen mittels separaten Stockwerken, Eingängen und Pausenplätzen räumlich getrennt werden, werde das Projekt den unterschiedlichen pädagogischen Bedürfnissen beider Schulen gerecht. Als Kostenpunkt des gesamten Neubaus werden 16,5 Millionen Franken aufgeführt.

Bedarf beider Schulen mit geringem Fussabdruck decken

Martina Egger, Gemeinderätin und Baukommissions-Vorsitzende.

Martina Egger, Gemeinderätin und Baukommissions-Vorsitzende.

Archivbild: Sandra Ardizzone

Da stutzt so manch einer. Ursprünglich hiess es nämlich, dass der Neubau mit rund 9 Millionen Franken realisiert werden kann. Nun gilt es jedoch zu unterscheiden: Denn als das Projekt das erste Mal vorgestellt wurde, handelte es sich einzig um eine Lösung für die Primarschule. Mittlerweile wurde es praktisch verdoppelt, damit die Kreisschule ebenfalls neue Räumlichkeiten gewinnt.

Bei einer genaueren Betrachtung der Kosten sind sie denn auch auf die beiden Schulen aufgeteilt. So betragen sie für die Erweiterung der Primarschule tatsächlich 9 Millionen Franken, die Kosten für die Erweiterung der Oberstufe schlagen mit weiteren 7,5 Millionen Franken zu Buche. «Im Vergleich zu anderen Schulhäusern bewegen wir uns damit im unteren Bereich», sagt Egger.

Einen Punkt dieser Kosten hat die zuständige Baukommission speziell begutachtet: die Haustechnik. «Wir haben in der Zwischenzeit die Möglichkeit einer dezentralen Lösung zur Lüftung und Kühlung geprüft», sagt die Gemeinderätin. Weil aber nur eine gewisse Anzahl Geräte auf einer gewissen Fläche erlaubt sind und der Neubau diese Vorgaben massiv überschritten hätte, musste diese Variante verworfen werden. Es bleibt also beim ursprünglichen Heizsystem mittels Wärmeverbund sowie der Lüftung und Kühlung mittels Kältemaschine und zentraler Lüftungsanlage.

Auch was den Standort des Neubaus angeht, habe die Baukommission wenig Spielraum. «Das Projekt ‹Jim Knopf› bestach mit einem überzeugenden und den Vorgaben entsprechenden Raumprogramm», sagt Egger. Ihrer Meinung nach ist die vorliegende Variante optimal:

«Durch den relativ schmalen Baukörper beanspruchen wir wenig Platz und können den Bedarf der beiden Schulen mit einem geringen Fussabdruck decken. »

Ein Scheitern des Projekts wäre katastrophal

Das sehen jedoch nicht alle so: An der Informationsveranstaltung, die rund 70 Personen, hauptsächlich aus Niederrohrdorf, besuchten, wurden einige Stimmen laut, die vor allem den Standort sowie die Kosten kritisierten. «Das hat uns aufgezeigt, dass wir vor allem den Kostenpunkt an den kommenden Winter-Gemeindeversammlungen verständlicher ausführen müssen», sagt Egger. Denn letztlich liegt es am Souverän, den Kredit zu bewilligen. Scheitert dies in einer der vier Gemeinden Niederrohrdorf, Oberrohrdorf, Bellikon und Remetschwil, muss das Projekt auf Eis gelegt werden.

Gemäss den neusten Plänen soll der Kubus auf dem heutigen roten Allwetterplatz zu stehen kommen.

Gemäss den neusten Plänen soll der Kubus auf dem heutigen roten Allwetterplatz zu stehen kommen.

Bild: zvg

«Das wäre katastrophal», sagt Egger. «Wir benötigen den Schulraum.» Die Provisorien könnten keine langfristige Entlastung bieten, da sie nur für das Nötigste eingerichtet seien und ein Neubau als langfristige Lösung unumgänglich sei. Egger sagt:

«Ich hoffe, wir können die Stimmbevölkerung davon überzeugen, dass wir mit dem vorliegendem Projekt eine Schule erhalten, die langfristig die nötige Flexibilität bietet.»

Die Gemeinderätin weiss aber auch: Damit steht ihr keine einfache Aufgabe bevor.

Läuft hingegen alles wie geplant, wird der Neubau voraussichtlich im Jahr 2025 realisiert – ein Jahr später als ursprünglich geplant. Um alle Abklärungen seriös vornehmen zu können, habe sich eine Verzögerung nicht vermeiden lassen.

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