Warum nicht einfach die schiefe Brücke wieder für den Autoverkehr öffnen? Das wäre viel günstiger, als eine neue Brücke zu bauen», schreibt ein Leser auf dem Online-Portal der «Aargauer Zeitung». Derselben Meinung ist eine Leserin: «Man müsste sie nur wieder öffnen. Wenigstens während der Bauphase des Schulhausplatzes.» Sie, die schiefe Brücke, die Baden mit Ennetbaden verbindet und seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr (MIV) gesperrt ist. Hintergrund dieser Kommentare: Die kürzlich aufgeworfene Diskussion um den Bau einer Casinobrücke, von der Haselstrasse über die Limmat hin zur Sonnenbergkreuzung.

Die Idee, beim Stadtcasino einen neuen Übergang zu bauen, stösst nicht nur bei einigen az-Lesern auf taube Ohren: Die Stadtratskandidaten Jürg Caflisch (SP) und Erich Obrist (parteilos) sprachen sich anlässlich einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Montagabend ebenfalls dagegen aus. Dabei erwähnte Obrist sein im Jahr 2014 eingereichtes Postulat «In Baden einkaufen trotz Baustelle Schulhausplatz». Dieses verlangte, eine temporäre Öffnung der schiefen Brücke für den MIV zu prüfen. Obwohl der Vorstoss als erledigt abgeschrieben wurde, erntete der Parteilose vonseiten des Publikums viel Applaus.

Ein taktischer Schachzug sei es nicht gewesen, sagt Obrist im Nachhinein. Vielmehr sei ihm das Postulat spontan in den Sinn gekommen. «Warum eine neue Brücke über die Limmat schlagen, wenn 200 Meter weiter bereits eine steht?», so der Stadtratskandidat.

Was halten andere Badener Exponenten von der Idee, die schiefe Brücke wieder freizugeben? Der Handels- und Gewerbeverein Citycom teilt Obrists Meinung. Dies, seit klar war, dass der Schulhausplatz umgebaut wird. «Wir müssen sicherstellen, dass die Leute in die Stadt und wieder raus kommen», sagt Geschäftsführer Michael Wicki. Der Verkehr rolle teilweise miserabel durch das Nadelöhr und viele Kunden würden gar nicht mehr in die Stadt kommen. Die Geschäfte in der Innenstadt «darben vor sich hin». Von markanten Umsatzeinbussen sei die Rede. Auch die Tatsache, dass man alles auf den öV setze, funktioniere nicht: «Die Busse bleiben genauso im Stau stecken wie die Autos.» Der Stadtrat sei nun gefordert, Lösungen zu finden. Eine wäre die Öffnung der schiefen Brücke während des Umbaus, so Wicki.

Für Olivier Funk, Co-Präsident des Teams Baden, wäre dies «ein gangbarer Weg». Im Sinne des Gewerbes und damit der Erhaltung der Attraktivität der Stadt Baden könnte sich das lohnen, sagt Funk. «Aber hier auch wirklich nur temporär», also für die Dauer der Baustelle am Schulhausplatz. Funk ist der Meinung, dass künftig die Mobilität sowohl in die Stadt als auch innerhalb anders zu lösen sei. «Langfristig müssen die Parkhäuser im Zentrum verschwinden.» Zudem müsse die Innenstadt besser mit dem öV und anderen Einrichtungen wie beispielsweise Velowege erschlossen werden, so der Co-Präsident.

Ähnlich sieht es die Co-Präsidentin der SP Baden, Selena Rhinisperger: «Unser Anliegen ist, dass der öV und der Langsamverkehr gefördert werden.» Deshalb sei man dagegen, die schiefe Brücke zu öffnen. Würde sie freigegeben und nach dem Umbau des Schulhausplatzes wieder geschlossen, könnte das zu Unsicherheiten führen – und die öV-, Fuss- und Veloachse beeinträchtigen, sagt sie. Der Verkehr rolle auch so auf den Verkehrsachsen, etwa durch den Goldwandtunnel und auf der Siggenthalerbrücke, in deren Zusammenhang die Schliessung der schiefen Brücke zu sehen sei.

Dagegen und doch dafür ist Serge Demuth, Präsident der SVP-Ortspartei: «Eine temporäre Öffnung während des Schulhausplatz-Umbaus wäre offensichtlich kontraproduktiv.» Abklärungen der kantonalen Projektleitung hätten ergeben, dass eine Öffnung unerwünschte Verlagerungseffekte zur Folge hätte, die letztendlich die Lage sogar verschlimmern würden. Handkehrum sei er aber für eine permanente Öffnung der schiefen Brücke nach dem Umbau. Denn wer vom Bäderquartier aus die Stadt verlassen möchte, müsse entweder über die Hochbrücke oder die Siggenthalerbrücke. «Genau diejenigen Verkehrsachsen, die bereits überlastet sind», sagt Demuth. Ohnehin sei ihm nicht ganz klar, warum die definitive Schliessung der schiefen Brücke sakrosankt sein soll.

Vonseiten der SVP-Ortspartei seien keine Vorstösse geplant. Doch würde sich jemand für die Öffnung einsetzen, würde man dies unterstützen, sagt Demuth. Für Erich Obrist hat sich die Idee der temporären Öffnung der schiefen Brücke vorläufig erledigt – obwohl das Postulat seiner Meinung nach «etwas oberflächlich» behandelt worden sei.