Baden
Romandebüt: Slam-Poet Simon Libsig geht unter die Schriftsteller

Der Geschichtenerzähler, Dichter und Slam-Poet Simon Libsig hat sich einen Traum erfüllt. «Leichtes Kribbeln», heisst sein erster eigener Roman. Ein «realistisches» Abenteuermärchen soll den Leser ab Mitte September in seinen Bann ziehen.

Leonie Voelkin
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Simon Lipsig: «Die Geschichte handelt von einem 11-Jährigen, der eine Ameise aus dem Wald verschleppt. Das Buch richtet sich an das Kind in uns.»

Simon Lipsig: «Die Geschichte handelt von einem 11-Jährigen, der eine Ameise aus dem Wald verschleppt. Das Buch richtet sich an das Kind in uns.»

Leonie Voelkin

Nach einem Kinderbuch wagt sich Simon Libsig an die Erwachsenenliteratur. Der 37-jährige Badener hat ein Buch geschrieben. Dieses neue Werk unterscheidet sich von seinen bisherigen Projekten, hat er sich doch bisher als Slam-Poet und Geschichtenerzähler einen Namen gemacht. «Nun war es für mich an der Zeit, mir den lang ersehnten Wunsch, selbst einen Roman zu schreiben, zu erfüllen». «Leichtes Kribbeln» nennt sich das 147 Seiten umfassende «realistische» Abenteuermärchen.

Allzu viel will Libsig nicht verraten: «Die Geschichte handelt von einem 11-Jährigen, der eine Ameise aus dem Wald verschleppt. Das Buch richtet sich an das Kind in uns», sagt Libsig. Er habe immer wieder Ideen gewälzt und es habe ihn viel Energie gekostet, «denn es sollte etwas Eigenes sein, kein Abklatsch, kein Wiederkäuen nach Rezept. Die Grundidee zum Buch kam mir nach einem Spaziergang im Wald. Ich sah eine Ameise an meinem Hosenbein rumkrabbeln, und erkannte, dass ich sie aus Versehen verschleppt, ihrer Umgebung entrissen hatte. Sie würde den Weg nach Hause nie mehr finden. Das Thema des Sich-Verlierens und Sich-Wiederfindens liess mich dann nicht mehr los.»

Der frischgebackene Schriftsteller Simon Libsig im Innenhof des Merker-Areals, wo sich auch sein Büro befindet.

Der frischgebackene Schriftsteller Simon Libsig im Innenhof des Merker-Areals, wo sich auch sein Büro befindet.

Leonie Voelkin

Beim Poetry-Slam auf der Bühne bekomme er immer gleich Feedback von den Zuhörern. «Beim Buchschreiben ist man einsamer, es gibt auch mehr Raum für Zweifel. Die Geschichte fing aber an sich selbst zu schreiben, wenn ich mal meine Angst überwand und Vertrauen fasste», erzählt Simon Libsig. «Es hat mich manchmal selbst überrascht, welche Wendungen die Geschichte nahm und wie schnell die Zeit beim Schreiben verging. Plötzlich war es dunkel draussen.»

Ein alter Traum

Schon seit zwanzig Jahren träume er von einem eigenen Buch. Diesem Traum kam er letztes Jahr einen grossen Schritt näher, als nach einem Auftritt in Olten Thomas Knapp aus dem Publikum auf ihn zuging und ihm ein Angebot machte: Falls Libsig jemals ein Buch schreiben sollte, würde Knapp es verlegen. Zu dem Zeitpunkt hatte Libsig schon mit dem Schreiben begonnen, wollte sich aber noch nicht auf einen Verlag festlegen. Schliesslich entschied er sich für den Knapp-Verlag.

Im Verfassen von Poetry-Slams hat er jahrelange Erfahrung. «Ein Buch zu schreiben, war für mich hingegen eine völlig neue Disziplin. Es braucht extrem viel Zeit und Musse.» Rund ein Jahr dauerte es, die Geschichte zu vollenden. Libsig sagt: «Ich musste beim Schreiben taktischer vorgehen; die Geschichte sozusagen Satz für Satz aufbauen.»

Nachdem die erste Fassung festgehalten war, legte er die Geschichte für vier Monate zur Seite und ging auf Reisen. Danach überarbeitete er die Geschichte und nahm einige Änderungen in der Handlung vor.

Und wie ist er auf den Titel gekommen? Er habe eine Liste mit möglichen Titeln geführt, «Leichtes Kribbeln» habe sich dann mit der Zeit herauskristallisiert. «An einigen Stellen im Buch erlebt man ein leichtes Kribbeln, mal erotisch, mal aus Spannung, mal aus Vorahnung, mal aus Schmerz.» Mit dem Roman will Libsig eine möglichst breite Leserschaft anziehen. «Eigentlich ist es Erwachsenenliteratur, aber es kann auch ein Jugendlicher Gefallen daran finden», schätzt Libsig sein Werk ein. Auf die Vernissage freut er sich bereits und als Slam-Poet hat er gewisse Vorteile: «Auf der Bühne habe ich viel gelernt, ich bin es gewohnt an das Publikum zu denken, ich werde es nicht langweilen!»

Hofft er auf den grossen Durchbruch? «Natürlich», lacht er. Dass bald weitere Romane folgen, kann er sich gut vorstellen.

Ab dem 13. September ist «Leichtes Kribbeln» im Buchhandel erhältlich. Die Buchvernissage findet am Freitag, 3. Oktober im Royal in Baden statt.