Amerikas «Route 66», die Mutter aller Strassen, ist nicht nur um einiges berühmter als die «Route 66» von «Schweiz Mobil», die von Baden nach Rapperswil führt. Sie ist auch um 3879 Kilometer länger. Doch während die amerikanische 66 allmählich zerfällt, soll der Veloweg 66 zwischen Baden und Zürich zum Umweltveloweg aufgewertet werden.

Simone Hochstrasser kam auf einer Velotour in Österreich auf die Idee, in der Schweiz Umweltvelowege zu lancieren. «In Österreich habe ich diese Themenwege erlebt und fand das eine gute Idee», erzählt die 45-jährige Mutter und Umweltfachfrau. «So etwas wollte ich auch für die Velowege in der Schweiz.»

Umweltveloweg Baden

Umweltveloweg Baden

Sie ist der Meinung, dass die Menschen zunehmend den Bezug zur Natur und ihrer Umwelt verlieren. «Unsere Kinder wachsen in einer digitalisierten Welt auf, aber dass die Geräte viel Energie verbrauchen, vergessen sie allzu schnell.» Überhaupt – und vor allem bei Kindern – müsse das Bewusstsein für natürliche Ressourcen geweckt werden. Kurzum gründete sie 2013 den Verein «Umweltvelowege Schweiz».

Ein Mal spielen bitte

Ist der Umweltveloweg einmal umgesetzt, soll es auf der 28 Kilometer langen Route von Baden nach Zürich verschiedene Stationen geben, ähnlich wie bei einem Vitaparcours. An jeder «Erlebnisstation» wartet ein wetterfestes Bilderbuch auf die Kinder (und Eltern). Darin erklärt Maskottchen Cosmo das Eichhörnchen, wie Recycling funktioniert, wie aus Sonnenlicht Energie wird, wie man ressourcenschonend einkauft und kocht oder warum auch der Strom im Elektroauto aus erneuerbarer Energie kommen sollte. «Die Bilderbücher sollen den Kindern auf einfache Weise die Verbindungen zwischen ihrem Alltag, der Technik und der Natur erklären», sagt Hochstrasser. Bei jeder Erlebnisstation können die Kinder ein Experiment oder ein Spiel zum Thema machen. Wie dies aussehen könnte, zeigt der Veloweg von Zürich nach Chur: Auf dem 130 Kilometer langen Veloweg, der entlang verschiedener Routen von «Schweiz Mobil» führt, wird heute die erste Station zum Thema Recyceln eingeweiht. Hier können die Kinder mit PET-Flaschen kegeln, die mit recyceltem Kunststoff-Granulat gefüllt sind.

Bis es die Erlebnisstationen auch auf dem Veloweg durchs Limmattal geben wird, braucht es allerdings noch Geduld. «Ideen für Stationen habe ich schon viele. Jetzt muss ich die verschiedenen Firmen noch überzeugen», sagt Hochstrasser. Damit eine Station überhaupt gebaut wird, braucht der Verein Firmen als Stationspartner. Sie finanzieren und betreiben jeweils eine Station. «Für die Route zwischen Baden und Zürich würde ich gerne mit der Umweltarena zum Thema Energie und dem Kulturpark in Zürich zum nachhaltigen Wohnen eine Station machen», sagt Hochstrasser.

Doch sind die Stationen demnach nicht einfach günstige Werbeplattformen für Firmen, die sich ein grünes Image verpassen wollen? Hochstrasser verneint: «Erstens können auch Städte und Vereine Stationspartner werden, und zweitens werden diese nur an Firmen vergeben, die tatsächlich ressourcenschonend arbeiten.» Und es würden ja keine Werbeplakate der Firmen aufgehängt, sondern lediglich der Sponsor vermerkt.

Hochstrasser ist sich durchaus bewusst, dass sie mit ihrer Idee vom Umweltveloweg keine Revolution im Verhalten der Menschen anzettelt. «Aber wir können eine Alternative zum Auto, zum Fernseher und zum Smartphone bieten, und die Kinder lernen etwas.» Und wenn Familien statt weit weg in die Ferien zu fahren, dereinst mit ihren Velos von Olten nach Chur fahren und auf einem Campingplatz oder Bauernhof übernachten, dann sei das Ziel erreicht.

Mehr Infos zum Umweltveloweg finden Sie hier.