Es ist dunkel im Royal, die Aufmerksamkeit der Besucher liegt voll und ganz auf der Leinwand. Einem Mann mit Musketier-Schnäuzer wird soeben eine unbekleidete Frau auf einem Tablett serviert. Diese leicht verstörend anmutende Szene wird untermalt von knackigen Rhythmen und weichen Saxofon-Klängen, welche das frivole Lustspiel gekonnt ergänzen.

Wir befinden uns mitten im «Royal Erotica», einer Live-Vertonung von nicht ganz jugendfreien Stummfilmen aus den 20er-Jahren, organisiert vom «Institut für incohärente Cinematographie».

Wenig Story, viel Haut

Wer an dieser Stelle denkt, dass es sich bei den Damen und Herren zu Beginn des 20. Jahrhunderts um prüde Menschen gehandelt haben muss, der hat weit gefehlt. So steht der eigentliche Geschlechtsakt bei allen Filmchen im Zentrum, für das Vorspiel oder eine narrativ wertvolle Handlung bleibt selten Zeit.

Die umgangssprachliche Terminologie der «französischen Liebe machen» macht plötzlich viel mehr Sinn, wenn man die Herkunft der zahlreichen Filme genauer betrachtet. Zudem schienen die Franzosen dazumal keine allzu gute Beziehung zur Kirche gehabt zu haben. So zeigen sich Nonnen während einer Orgie im Kloster von einer eher ungewohnten Seite und bei einer Reinszenierung einer «Schwarzen Messe» stehen überaus viele entkleidete Jungfrauen im Mittelpunkt des Geschehens.

Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz. Kein Film vergeht, ohne dass es im Publikum nicht zu Gelächter kommt. Gerade die einzige amerikanische Produktion des Abends, ein Trickfilm namens «Buried Treasure», nimmt sich selbst nicht allzu ernst. So benutzt der porträtierte Lüstling sein übergrosses Stück mal als Fechtwaffe oder chauffiert es per Schubkarre in der Weltgeschichte herum. Auch die Musiker zeigen Humor - so wird ein elektronischer Dildo kurzerhand als Instrument verwendet.

Alte Schönheitsideale

Nebst einigen seltsam bis verstörend anmutenden Sexualpraktiken, auf welche an dieser Stelle nicht genauer eingegangen werden soll, fällt dem geneigten Zuschauer in erster Linie die damalige Auffassung von Erotik und Schönheit ins Auge.

Nebst der weiblichen Achsel sind auch ausnahmslos alle Schambereiche behaart. Zudem schien der Magerwahn, wie dieser in der heutigen Zeit von Modezeitschriften propagiert wird, damals glücklicherweise noch ein Fremdwort zu sein.