In der vor kurzem zu Ende gegangenen Saison schaffte das Frauenteam des FC Baden den Aufstieg in die 1. Liga.

Doch dazu wird es nicht kommen: Nach einer Umfrage bei den Spielerinnen und einer Situationsanalyse entschieden Trainerstaff, Frauenobfrau Patrizia Meier und der Sportliche Leiter Marco Bonadei, dass das Team in der 2. Liga verbleiben soll.

«Es kann kein genügend grosses und breites Kader, das mit allen Konsequenzen in der 1. Liga spielen möchte, gestellt werden», schreibt der Verein in einer Mitteilung.

Marco Bonadei erklärt: «Das Problem ist, dass in der 1. Liga die Trainingsfrequenz zunimmt und auch die Spiele am Wochenende teilweise weiter entfernt stattfinden.»

Statt zwei wären es in der 1. Liga drei Trainings pro Woche. Aber: «Die Spielerinnen arbeiten, befinden sich in einer Ausbildung, haben Kinder oder andere Verpflichtungen und können diesen Mehraufwand nicht betreiben», erklärt Bonadei.

«Mit ihrem jährlichen Mitgliederbeitrag von 500 Franken zahlen sie zudem auch noch drauf.» Er verstehe, dass da manchen Frauen einfach auch die letzte Konsequenz fehle: «Natürlich spielen sie gerne Fussball, aber mehrmals pro Woche zu trainieren und am Wochenende noch an die Spiele zu fahren; dieser Aufwand ist für die meisten einfach zu gross.»

Zusammenarbeit angestrebt

Gerne würde man in höheren Ligen spielen, weshalb der Vorstand des FC Baden im letzten Jahr einiges unternommen hat, um die drei Frauen- und Juniorinnenteams zu stärken. «Wir haben zum Beispiel mit GC, dessen Frauen in der Nationalliga A spielen, Kontakt aufgenommen, damit Spielerinnen bei uns hätten platziert werden können, um Spielpraxis zu erhalten», so Bonadei, «doch die meisten wohnen in Richtung Winterthur und konnten sich nicht vorstellen, nach Baden zu kommen.»

Auch mit dem FC Aarau hat der Vorstand Gespräche geführt: «Die haben aber ein ähnliches Problem wie wir, einfach auf Stufe NLB.»

Eine Zusammenarbeit mit GC und dem FC Aarau werde weiterhin angestrebt, wobei man mit GC schon etwas weiter sei, um in Zukunft Spielerinnen ausleihen zu können. «Da wurde aber noch nichts umgesetzt», sagt Bonadei.

Eines der Probleme sei Geld: «Die Situation der Frauen ist vergleichbar mit Männerteams in der 3. Liga», erklärt Bonadei. Diese spielen ebenfalls, ohne Geld dafür zu erhalten. In manchen Vereinen sehe es aber für die Männer bereits in der 2. Liga besser aus: «Dort gibt es Geld, zum Beispiel für Spesen, während nach meinem Kenntnisstand noch in der NLB nur ganz wenige Frauen Geld erhalten.» Bei der ersten Mannschaft der Männer des FC Baden, die in der 1. Liga spielt, gibt es zum Beispiel Punkteprämien. Davon können die Frauen nur träumen. Für deren Spiele wird auch kein Eintritt verlangt.

Hilft die Frauen-WM?

Auch wenn es für den FC Baden ohnehin schwierig sei, Sponsoren zu finden, ist das für die Frauenteams aktuell ein Ding der Unmöglichkeit. Trotz der laufenden Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich, die in den Medien präsenter ist als auch schon: «Da braucht es noch ein paar solcher Weltmeisterschaften, bis sich das auch finanziell niederschlägt», so Bonadei.

Bei vielen Funktionären und möglichen Sponsoren bleibe es zumeist beim Lippenbekenntnis: «Es gibt einfach noch zu wenige Firmen, die tatsächlich in den Frauenfussball investieren möchten.» Eine Ausnahme sei aber zum Beispiel der Energiekonzern Axpo, der auch Frauenteams finanziell unterstütze.

Höheres Niveau

Um auch mehr Mädchen für Fussball zu begeistern, dafür reiche auch die Frauen-WM in Frankreich nicht aus: «Es hilft natürlich, dass die auf hohem Niveau spielenden Fussballerinnen im Fokus der Öffentlichkeit stehen und in den Medien eine Plattform erhalten.» Wenn die nächsten Weltmeisterschaften ebenfalls so erfolgreich werden, reize das vielleicht doch mehr Mädchen, in einem Klub Fussball zu spielen.

«Das Niveau des Frauenfussballs in der Schweiz hat sich in den letzten 20 Jahren auf jeden Fall stark verbessert», sagt Bonadei. Es gibt inzwischen mehr Spielerinnen, die sich am Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) in Biel ausbilden lassen: Hier werden pro Jahr rund zehn talentierte Spielerinnen gezielt auf ihre spätere Fussballerinnen-Karriere vorbereitet.

In diesen Genuss kam auch die 19-jährige Malin Gut aus Niederrohrdorf, die beim FC Däniken anfing, danach vom FC Fislisbach zum FC Baden wechselte und die Ausbildung in Biel machte. Inzwischen spielt sie beim FC Zürich in der NLA und kann auf mehrere Einsätze in der Schweizer Nationalmannschaft zurückblicken. Sie wurde mit dem FCZ bereits zweimal Schweizer Meisterin und zweimal Cup-Siegerin. «Glücksfälle wie Gut sind aber leider noch eine Seltenheit», bedauert Bonadei.