Scrum! Tackle! Maul! So tönt es jede Woche zweimal auf dem Würenloser Sportplatz. Vielen Menschen sagen diese Ausdrücke nichts. Das liegt daran, dass sie zu einer Sportart gehören, die in der Deutschschweiz ein Nischendasein fristet: zum Rugby. Seit gestern läuft in England die Weltmeisterschaft – ein Turnier, das die Schweizer Rugbyszene nur aus dem Fernsehen kennt. Diese ist insbesondere in der Deutschschweiz sehr überschaubar, im Aargau gibt es in der Spielart Union mit 15 Spielern lediglich einen Verein – den Rugby-Club Würenlos (RCW). Kommt man an einem Trainingsabend an der Schule im Ort vorbei, sieht man, wie schon die Kleinsten um das eiförmige Spielgerät kämpfen. «Das Einzugsgebiet ist riesig. Aus dem ganzen Kanton kommen Kinder nach Würenlos», erzählt eine Mutter, die ihren Sohn zum Training gebracht hat. Dass auf dem Platz meist englisch gesprochen wird, sei dabei kein Hindernis. «Die Kinder lernen die Sprache, ohne es zu merken.»

Die Jugendlichen standen vor über 20 Jahren auch am Ursprung des RCW. Urs Hoessly sah sich damals als Lehrer mit dem Wunsch der Schüler konfrontiert, Rugby zu spielen. «Ich hatte keine Ahnung von dieser Sportart, also schaute ich in einem alten Lehrbuch nach und lernte die Regeln», erzählt Hoessly. Das Spiel faszinierte ihn selber so sehr, dass er es bald als Schulsport anbot, was schliesslich 1994 zur Gründung des Clubs führte.

Platzprobleme in Würenlos

Ein Schüler aus dieser Zeit ist heute Präsident. Oliver Wolf bestätigt den schweren Stand des Rugbysports im Aargau. Er sieht allerdings auch Positives: «In den letzten zwei Jahren hatten wir eine massive Zunahme bei den Mitgliederzahlen.» Und auch sportlich zeigt die Entwicklung nach oben. Zum zweiten Mal in Folge spielen die Würenloser in der laufenden Spielzeit in der Nationalliga B Elite – das Ziel ist ein Playoff-Platz. Damit würde man zu den besten Deutschschweizer Teams gehören. Die NLA wird von Mannschaften aus der Romandie dominiert.

Der sportliche Aufstieg bringt jedoch auch Nachteile mit sich. So fehlen beispielsweise Sponsoren für die teuren Auswärtsspiele. Doch auch zu Hause ist man nicht gänzlich mit der Situation zufrieden. «Die Vereine in Würenlos benötigen neue Sportplätze», sagt Oliver Wolf. Gerade der RCW, der das ganze Jahr draussen trainiert, wünschte sich eine bessere Infrastruktur. Ein positiver Entscheid der Gemeindeversammlung für neue Sportanlagen wurde jedoch letztes Jahr in einem Referendum deutlich gekippt. Der RCW versucht indes, den Sport in der Schweiz bekannter zu machen. Was gefällt denn an Rugby im Vergleich zum hierzulande populären Fussball? Oliver Wolf überlegt kurz und sagt dann bestimmt: «Es ist ehrlicher.» Im Rugby gehe es zwar hart zur Sache, Gegner und Schiedsrichter würden jedoch stets respektiert, und nach dem Spiel sei der Kampf vorbei. Ein britisches Sprichwort besagt denn auch: «Fussball ist eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart und Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart.»