Birmenstorf
Rund 600 Militär-Oldtimer: «Diese Erinnerung hat einen sehr grossen Stellenwert»

Am Wochenende findet der «Convoy to Remember» statt, das grösste Militär-Oldtimer-Treffen der Schweiz. Dabei werden neben den Autos auch Panzer auffahren und sogar die Patrouille Suisse losfliegen.

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Organisator Adrian Gerwer: «Die Amerikaner brachten mit der Normandie-Invasion eine hochstehende Fahrzeugflotte nach Europa. Mich fasziniert die Technik.»

Organisator Adrian Gerwer: «Die Amerikaner brachten mit der Normandie-Invasion eine hochstehende Fahrzeugflotte nach Europa. Mich fasziniert die Technik.»

Sandra Ardizzone

Birmenstorf verwandelt sich nächste Woche in ein historisches Militärmuseum: Von Freitag bis Sonntag findet der «Convoy to Remember» statt, das grösste Militär-Oldtimer-Treffen der Schweiz, das auch viele Fans aus dem Ausland anlockt. Höhepunkt: Die 35 Kilometer lange Rundfahrt von ausgedienten Jeeps, Motorrädern und Lastwagen von Birmenstorf (Start: 10 Uhr) durch das Fricktal und die Brugger Altstadt am Samstag. An den drei Tagen werden zudem alte Militärflugzeuge landen, die Patrouille Suisse fliegen und in der Kiesgrube Panzer herumkurven.

Die wichtigsten Infos zur Show

Die Militär-Oldtimer-Show (www.convoytoremember.com) findet vom 12. bis 14. August bei der Kiesgrube in Birmenstorf statt. Eintrittspreise: Freitag und Sonntag 10 Franken, Samstag 20 Franken. Kinder bis 16 Jahre gratis. Parkgebühr: 10 Franken pro Auto (Autos werden eingewiesen). Anfahrt mit Bus: Ab Baden fährt die RVBW-Linie 7 jede halbe Stunde direkt zum Festgelände. Ab Brugg fährt das Postauto 362 bis zur Haltestelle Birmenstorf-Schinebüel, die beim Festgelände liegt. (AZ)

Die Organisatoren erwarten rund 25 000 Schaulustige zum Convoy, der vor zwanzig Jahren erstmals stattfand und nun zum siebten Mal durchgeführt wird. Gründer und OK-Präsident Adrian Gerwer (53): «Wir hätten bei der ersten Durchführung nie geglaubt, dass wir den Convoy so oft ausrichten würden.» 1996 trafen sich einige Dutzend Oldtimer-Freunde in einem Birmenstorfer Hinterhof. «Inzwischen beträgt das Budget eine halbe Million Franken, der Convoy ist zu einem Anlass von europäischer Bedeutung gewachsen.» Rund 600 Oldtimer werden in Birmenstorf zu bestaunen sein. Viele Teilnehmer der Parade wohnen in Deutschland und Frankreich, aber auch in Tschechien, Finnland und England. Manche von ihnen werden auf dem Festgelände in Original-Militärzelten übernachten.

Regelmässig wird der Convoy-Gründer und Berufsmilitär mit dem Vorwurf konfrontiert, der Anlass verharmlose beziehungsweise verherrliche Krieg. Dagegen wehrt er sich mit Vehemenz. «Der Convoy soll der Landung der Alliierten in der Normandie im Jahr 1944 gedenken, die letzten Endes die Befreiung vom nationalsozialistischen Joch zur Folge hatte.» Die Organisatoren erachten die Militär-Oldtimer in diesem Zusammenhang sozusagen als industrielles Kulturgut, das an die Schrecken des 2. Weltkrieges erinnert. Vom Treffen in Birmenstorf erhoffen sie sich somit auch einen Beitrag an die Erinnerungskultur. «In den europäischen Ländern, die den Krieg damals erlebt hatten, hat diese Erinnerung einen sehr grossen Stellenwert.»

Aber selbstverständlich gehe es beim Convoy vor allem auch darum, die «Nostalgie zu pflegen», sagt Gerwer. Für eine Ausfahrt mit der Presse setzt er sich in US-Uniform, Mütze und Handschuhen hinters Steuer seines Dodge CC (Baujahr 1942), in der amerikanische Generäle in der Normandie im 2. Weltkrieg transportiert wurden. «Die Amerikaner brachten mit der Normandie-Invasion eine hochstehende Fahrzeugflotte nach Europa. Mich fasziniert die Technik, die Fahrzeuge waren für die damalige Zeit regelrechte Wunderwerke.» Mit 16 kaufte und restaurierte der gelernte Maschinenschlosser seinen ersten Militäroldtimer. Mehr als ein Dutzend weiterer Fahrzeuge kam bis heute hinzu.

25 000 Schaulustige werden an den drei Convoy-Tagen erwartet. Wie hier 2004 werden die Militär-Oldtimer wieder eine Rundfahrt durch die Region machen.

25 000 Schaulustige werden an den drei Convoy-Tagen erwartet. Wie hier 2004 werden die Militär-Oldtimer wieder eine Rundfahrt durch die Region machen.

AZ-Archiv/Felber

Die Passion für alte Militärfahrzeuge hat Gerwer von seinem Vater übernommen, und er gab sie weiter an seine drei Töchter. Als sie noch klein waren, liess er bei der Birmenstorfer Dorfschneiderin gar Kampfanzüge für seine Kinder nähen. Offenbar mit nachhaltiger Wirkung: «Meine Töchter sind begeistert vom Convoy und gehören alle dem Organisationskomitee an.»

Man habe alles in der Macht stehende getan, um einen gelungenen Convoy durchführen zu können. «Ein Grund für unseren Erfolg in den vergangenen Jahren ist die perfekte Planung», sagt Gerwer nicht ohne Stolz. «Das Programm steht auf die Minute genau fest.» Höhepunkte gebe es neben der Rundfahrt aus militärnostalgischer Sicht viele. Neu im Vergleich mit anderen Jahren: Erstmals wird ein US-Flugplatz «wie im Jahr 1944 im kriegsmässigen Echtbetrieb» gezeigt und originalgetreu von mobilen Abwehrgeschützen verteidigt.

Entsprechend haben Flugzeuge am diesjährigen Convoy grosse Bedeutung: Insgesamt sechs Mal wird eine Dakota C-47 das Festgelände überfliegen, wobei einmal pro Tag Fallschirmjäger abspringen werden. Das Besondere: Es handelt sich um ein Flugzeug, das am 6. Juni 1944 bei der Invasion in der Normandie eingesetzt und dabei auch beschossen wurde. Ein Einschussloch im Rumpf erinnert bis heute an den Kriegseinsatz. Landen auf dem Areal auf einem improvisierten Air-Field nach dem Vorbild von 1944 wird mehrmals auch ein «Stinson»-Beobachtungsflugzeug – ebenfalls ein Original aus dem 2. Weltkrieg. Einen Auftritt in Birmenstorf hat ausserdem die Schweizer Kavallerie Schwadron 1972, und auch Diensthundeführer der Militärpolizei sind vor Ort.

Damit der dreitägige Anlass ein Erfolg wird, brauche es jetzt vor allem noch etwas, das man nicht beeinflussen könne, sagt Gerwer: «Gutes Wetter.»

Aktuelle Nachrichten