Frau Müri, konnten Sie gut schlafen nach dem ereignisreichen Sonntag?

Ruth Müri: Ja, ich habe gut geschlafen; obschon mich der Nachmittag sehr aufgewühlt hat. Wir haben ab 15 Uhr eine tolle Party in der «Unvermeidbar» gefeiert. Spät wurde es aber nicht.

Wie hat ihre Familie auf Ihre Wahl reagiert?

Meine Familie hat von Anfang an mitgefiebert. Sie haben sich gefreut und sind stolz und glücklich, dass ich es geschafft habe.

Mit Ihrer Wahl sind zum ersten Mal in der Geschichte Badens drei Frauen im Stadtrat. Wie fühlen Sie sich dabei?

Ich find es toll – der Frauenanteil im Stadtrat war mir auch ein wichtiges Anliegen. Man sagt doch immer, es braucht mehr Frauen in der Politik, deshalb freue mich sehr, dass ich gewählt wurde. Damit haben die Wählerinnen und Wähler auch gezeigt, dass sie mehr Frauen in der Stadtregierung haben wollen. Es ist wichtig, dass Frauen mit ihrem spezifischen Erfahrungshintergrund in der Politik mitmachen und mitbestimmen.

Wird sich der Frauenanteil auf den Stadtrat auswirken?

Das kann ich mir vorstellen. Es gibt sicher Fragen, die eine Frau anders als ein Mann beurteilt. Ich hoffe auf jeden Fall, dass man den höheren Frauenanteil in der Politik spürt.

Mit Ihrer Wahl dominiert Links-Grün, wird die Politik Badens damit blockiert, weil der Einwohnerrat bürgerlich dominiert ist?

Nein, im Stadtrat werden weiterhin Sachfragen im Vordergrund stehen. Klar wird es Akzente geben, die etwas anders ausfallen als bisher. Ich möchte mich beispielsweise dafür einsetzen, dass Fragestellungen im Bereich Planung und Verkehr auch aus Augenhöhe 120 Zentimeter, also aus der Perspektive von Kindern beurteilt werden. Wir haben einen bürgerlichen Einwohnerrat, deshalb muss man Sachvorlagen bringen, die mehrheitsfähig sind. Jetzt wird sicher nicht alles auf den Kopf gestellt.

Bis zur Erneuerungswahl sind es noch sechs Monate – wie wollen Sie den Badenern beweisen, dass Sie die richtige Wahl waren?

Ich möchte den Schwung vom Wahlkampf mitnehmen und voller Elan in die neue Arbeit starten. Ich werde mir Mühe geben, zu zeigen, dass die Badenerinnen und Badener die richtige Wahl getroffen haben. Ich werde mich in meinem neuen Amt mit aller Kraft engagieren.

Sechs Monate sind aber eine kurze Zeit. Werden Sie in der Zeit etwas bewirken können?

Es wird vielleicht schwierig, in dieser Zeit etwas konkret zu bewirken. Ich werde versuchen, meine Anliegen für eine nachhaltige Stadtentwicklung einzubringen. Es wird sicher Auftritte in der Öffentlichkeit geben, bei denen man mich als Stadträtin wahrnehmen kann. Der Kontakt mit den Badenerinnen und Badenern ist mir wichtig.

Übernehmen Sie das Ressort Bildung von Geri Müller?

Das ist ein Entscheid, welcher der Stadtrat im Gesamtgremium fällt. Diese Sitzung findet am 18. März statt. Daher kann ich zu dieser Frage noch nicht Stellung nehmen. Bildung ist sicherlich ein Ressort, das mir gefallen würde. Ich wäre aber auch bereit, ein anderes Ressort zu übernehmen. Kandidiert man als Stadtrat oder Stadträtin, sollte man dahingehend offen sein.

Ihr Wunschressort?

Ich habe verschiedene Wunschressorts. Neben dem Ressort Bildung würde mich vom beruflichen Hintergrund her auch das Ressort Planung und Bau interessieren. Aber wie gesagt, ich bin da offen.

Sie arbeiten seit Anfang Jahr mit einem 60-Prozent-Pensum bei Fahrländer Partner Raumentwicklung in Zürich. Werden Sie reduzieren?

Geplant ist, dass ich auf ein 20-Prozent-Pensum reduziere. Da ich bereits bei der Anstellung für das Amt des Stadtrats kandidierte, habe ich das von Anfang an mit meinem Chef so besprochen.

Ein Stadtrat hat ein Pensum von 40 bis 50 Prozent. Bringen Sie Ihre Tätigkeiten unter einen Hut mit der Familie?

Mein Mann arbeitet 80 Prozent. Er wird weiterhin einen Tag unter der Woche Zuhause sein und übernimmt auch sonst eine grosse Verantwortung in der Betreuung unserer Kinder. Ich gehe davon aus, dass es so funktioniert. Ansonsten müsste ich mein berufliches Engagement überdenken.

Bereiten Sie sich bereits jetzt für Ihre Tätigkeit im Stadtrat vor?

Wenn klar ist, welches Ressort ich übernehmen werde, versuche ich, mich möglichst schnell einzuarbeiten. Die Arbeit wird schon vor dem 1. April beginnen.