Mägenwil/Hunzenschwil

«Saga-Khan»-Räuber wehren sich vor Bundesgericht gegen hohe Gefängnisstrafen

Der 34-jähriger Italiener (im Bild) und der Mittäter standen wegen des Überfalls auf das "Saga Khan" und weiterer Delikte im Mai vor dem Obergericht.

Der 34-jähriger Italiener (im Bild) und der Mittäter standen wegen des Überfalls auf das "Saga Khan" und weiterer Delikte im Mai vor dem Obergericht.

Im März 2012 überfielen zwei Männer das weitherum bekannte Mägenwiler Restaurant Saga Khan und mit einem Dritten die Shell-Tankstelle in Hunzenschwil. Beide Mal verfehlte ein Schuss einen Mitarbeiter respektive eine Verkäuferin nur knapp. Die Umstände entscheiden über die Höhe der Strafe.

Mehr als acht Jahre sind seit dem Überfall auf das Mägenwiler Restaurant Saga Khan vergangen. Noch immer ist der Fall aus rechtlicher Sicht nicht abgeschlossen. Denn nun steht fest: Ein 34-jähriger Italiener und ein 29-jähriger Schweizer wehren sich vor Bundesgericht gegen die hohen Gefängnisstrafen, zu denen sie das Aargauer Obergericht im Mai verurteilt hat. Das bestätigt Sprecherin Corina Trevisan Fischer: 

Die beiden Männer überfielen maskiert und Handschuhe tragend das mongolische Restaurant an einem Mittwochabend im März 2012, kurz vor 23.30 Uhr. Der Italiener stand als Aufpasser mit einer Schreckschusspistole beim Eingang. Der Schweizer bedrohte einen Angestellten mit einer Pistole vom Typ Sigg Sauer P228. 

10 Zentimeter am Kopf vorbei

Allerdings wehrten sich mehrere Mitarbeiter. Er sei mit Gabel und Messer «angegriffen» worden, sagte der Italiener vor Obergericht. Es kam zum Gerangel. Ein Schuss fiel. Das Projektil verfehlte den Kopf eines Mitarbeiters um zirka zehn Zentimeter. Es schlug in die Holzdecke ein, durchschlug einen Dachbalken und flog weiter durch die Wandöffnung in den Esssaal. Gäste und Angestellte seien in unmittelbare Lebensgefahr gebracht worden, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Der Italiener riss sich los, das Räuberduo flüchtete ohne Beute. Verletzt wurde niemand. 

Das Projektil schlug nach der Schussabgabe im Restaurant Saga Khan in der Decke ein.

Das Projektil schlug nach der Schussabgabe im Restaurant Saga Khan in der Decke ein.

Das Aargauer Obergericht verurteilte den Italiener zu 12,5 und den Schweizer zu 8,5 Jahren Freiheitsstrafe. Es reduzierte diese im Vergleich zum Bezirksgericht Lenzburg jeweils um ein halbes Jahr. Es berücksichtigte dabei den schwerer wiegenden Überfall auf die Shell-Tankstelle in Hunzenschwil im März 2012. Die Anwälte der beiden Männer hatten 3 respektive 2 Jahre gefordert. 

Nach bewaffnetem Überfall auf Saga Khan stehen Räuber erneut vor Gericht

21. Juni 2020: Die "Saga Khan"-Räuber werden vom Aargauer Obergericht verurteilt – so berichtet TeleM1

   

Räuber bestreitet, dass Lebensgefahr bestand

Kenad Melunovic ist der Verteidiger des Italieners. Er begründet die Beschwerde damit, es habe sich jeweils um einfache und nicht um qualifizierte Raubüberfälle gehandelt. Das Obergericht habe das falsch beurteilt. Dies führte zu massiv höheren Freiheitsstrafen. Sein Mandant habe in Mägenwil den Schuss abgefeuert, um beim Gerangel flüchten zu können, nicht um Beute zu machen. Der Italiener bestritt vor Obergericht die Lebensgefahr für Angestellte und Gäste. Er habe gezielt in die Decke geschossen.

Die Shell-Tankstelle in Hunzenschwil

Die Shell-Tankstelle in Hunzenschwil

Bei der Shell-Tankstelle – die Beute betrug 1331.45 Franken – sei der dritte Beteiligte der Haupttäter gewesen. «Wir verneinen den Mittäter-Exzess im Fall Hunzenschwil», begründet Melunovic die Beschwerde weiter. Der Haupttäter habe entgegen der Abmachung uter den drei Männern nicht eine Schreckschusspistole, sondern eine echte Waffe mitgenommen und geschossen. Dabei verfehlte das Geschoss eine Verkäuferin nur knapp. Dieser Alleingang könne den anderen nicht angelastet werden.

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