Schallplatten stehen in den Regalen, in den Schaufenstern liegen alte Haarschneidemaschinen und an der Wand tickt eine alte Uhr mit römischen Ziffern. Im Coiffeurgeschäft Salon No. 54 an der Mittleren Gasse könnte man sich fast in einem Brockenhaus wähnen. «Wir lieben es, auf dem Flohmarkt oder in Brockis zu stöbern», sagt Tina Lüscher. Und Martina Schmid ergänzt: «Das ist unser gemeinsames Hobby.» In ihrem eigenen Coiffeurgeschäft, das sie vor einem Jahr eröffneten, können sie dieses Hobby mit ihrer anderen Leidenschaft verbinden: dem Haareschneiden.

Seit fast zehn Jahren sind die beiden 26-Jährigen beste Freundinnen. Sie lernten sich in der Berufsschule kennen und nach dem erfolgreichen Lehrabschluss leiteten sie fünf Jahre lang gemeinsam die damals neu eröffnete, zweite Filiale des Coiffeurs de Simone. «Wir lernten viel in dieser Zeit, hatten unserer Freiheiten und konnten uns ausleben», sagt Tina Lüscher. «Es machte extrem Spass.» Mit der Zeit entwickelten sie immer mehr Ideen, wie sie ihr eigenes Coiffeurgeschäft einrichten würden.

Der Wunsch, ihre Kreativität noch mehr ausleben zu können, wurde immer stärker. «Wir wollten etwas Eigenes aufbauen, etwas Neues ausprobieren», sagt Martina Schmid. Und als 2016 der Blumenladen «Badenblüht!» aus der Mittleren Gasse an den Theaterplatz zog, ergriffen sie die Chance und bewarben sich als Nachmieter. Dass sie den Zuschlag erhielten, war für sie ein Glücksfall: «Das Geschäft entsprach genau unseren Vorstellungen», sagt Martina Schmid. Die Lage in der Mittleren Gasse sei nicht zu versteckt und passe zu ihrem Retro-Stil: «Man fühlt sich hier in der Zeit zurückversetzt.» Zudem sei die Miete bezahlbar. «Viele Vermieter hier sind Private und deshalb nicht auf Profit aus.»

Turbulente Zeit vor der Eröffnung

Bis die beiden Freundinnen am 8. November aber zum ersten Mal in ihrem eigenen Laden Haare schneiden konnten, hatten sie noch einige Höhen und Tiefen zu bewältigen. Ihre grösste Sorge: dass ihr Traum am knappen Budget scheitern könnte. Insbesondere, da sie einen grossen Teil der Einbauten ihrer Vorgängerin übernahmen. Oder, ob Leitungen vorhanden sind, um das Waschbecken anschliessen zu können. Den Salon einzurichten war eine weitere Herausforderung: Sie hatten gerade mal vier Tage Zeit.

Und ausgerechnet an jenem Tag, an dem die gesamte Coiffeureinrichtung wie die ledernen Barberstühle, die Waschmaschine oder der Tumbler geliefert werden sollte, fand der Jahrmarkt statt. Es gab kein Durchkommen und die Lieferanten mussten am nächsten Tag wieder kommen. «Sie hatten Verständnis, aber wir verloren dadurch fast einen ganzen Tag», sagt Tina Lüscher. «Aber schlussendlich klappte alles. Und als wir dann endlich starten konnten, fiel uns eine Last von den Schultern.»

Da sie sich in den Jahren zuvor bereits einen Namen als Coiffeusen erarbeiten konnten, lief ihr Geschäft von Anfang an gut. Auch der kleine Vintage-Kleiderladen im zweiten Raum kommt bei den Kunden gut an. Dort verkaufen sie Kleider, die sie auf Flohmärkten in ganz Europa gesammelt haben. Zum Beispiel in London, wo sie einmal jährlich hinreisen und wo sie sich auch für den Namen ihres Geschäftes inspirieren liessen: «Viele Cafés, Coiffeursalons oder Läden haben Zahlen im Namen», sagt Martina Schmid.

Neukunden dank Schulhausplatz

Wer unterdessen im «Salon No. 54» die Haare schneiden und färben möchte, muss zum Teil bis zu zwei Wochen auf einen Termin warten. Nicht zuletzt auch dank der Baustelle auf dem Schulhausplatz: «Da die Manorgarage zu ist, laufen jetzt viele an uns vorbei an den Bahnhof», sagt Martina Schmid. «Das hat die Mittlere Gasse belebt, und wir konnten dadurch neue Kunden gewinnen.»