Wettingen
Samariterverein Lägern Wettingen distanziert sich von Bettelbrief des Dachverbands

Der Schweizer Samariterbund ruft in der Coronakrise zum Spenden auf. Dies stösst dem Samariterverein Lägern Wettingen sauer auf.

Martin Rupf
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Der Spendenaufrus des SSB ist beim Samariterverein Lägern Wettingen gar nicht gut angekommen.

Der Spendenaufrus des SSB ist beim Samariterverein Lägern Wettingen gar nicht gut angekommen.

Letzte Woche erhielten alle Schweizer Haushaltungen ein Schreiben des Schweizerischen Samariterbundes (SSB), in dem die Zentralpräsidentin Ingrid Oehen persönlich die Einsätze der Samariter zu Zeiten der Coronaepidemie darstellt und die Bevölkerung zu Spenden aufruft. «Wir benötigen jetzt Ihre Unterstützung... gemeinsam mit Ihnen stellen wir sicher, dass noch mehr Samariterinnen und Samariter zum Einsatz kommen», heisst es etwa.

Diese Zeilen sind beim Samariterverein Lägern Wettingen gar nicht gut angekommen. Er distanziert sich «in aller Form von diesem Bettelbrief der Dachorganisation und der damit verbundenen verwerflichen Art und Weise der Beschaffung finanzieller Mittel». Der Verein hat auf Facebook eine entsprechende Entschuldigung veröffentlicht. «Im Namen des Samaritervereins Lägern Wettingen bitten wir um Entschuldigung für diesen unangebrachten Aufruf unserer Dachorga­nisation.» Man sei nicht der einzige lokale Samariterverein, der sich am Spendenbrief stösst», sagt Christian Bassler, seit drei Jahren Präsident des Samaritervereins Lägern Wettingen. Er habe von Partnern und Sponsoren viele kritische Rückmeldungen erhalten.

Falscher Zeitpunkt für Spendenaufruf

«Natürlich leisten wir, wie ganz viele andere Berufsgruppen, Institutionen und Freiwillige, auch in diesen Zeiten einen wertvollen Einsatz und es ist auch in Ordnung, dass man auch darüber spricht», sagt Bassler. «Aber wir sind ganz sicher auch nicht die, welche jetzt alleine die Welt retten, wie man den Bettelbrief auch interpretieren könnte. Wir Samariter verstehen unseren Einsatz als Selbstverständlichkeit», so Bassler. «Wir tun es, weil es eine Herzenssache ist und nicht aus monetären Gründen.» Deshalb sei man der Meinung, dass es der falsche Zeitpunkt und die falsche Art und Weise sei, die Ertragsausfälle des Schweizerischen Samariterbundes zu kompensieren. SSB-Direktor Peter Lack bestätigt auf Anfrage: «Ja, wir haben grosse Ertragseinbussen, weil die lokalen Samaritervereine derzeit keine Kurse erteilen können und somit wichtige Einnahmen fehlen.» Doch das sei nicht der Hauptgrund, weshalb sich der SSB zum Spendenaufruf entschieden habe. «In der Coronakrise standen viele der schweizweit aktiven Samariter von der ersten Minute auf der Matte und haben Spitäler und Pflegeinstitutionen unterstützt.»

Die aktuelle Situation zeige den grossen Nutzen dieses Milizsystems mit gut ausgebildeten Laien auf. «Deshalb, und weil es in der Schweiz viele Menschen gibt, die sich jetzt mit den Helfern – das sind natürlich nicht nur die Samariter! – solidarisch zeigen wollen, haben wir uns für den Aufruf entschieden», sagt Lack. Der SSB nehme die Kritik einzelner Vereine natürlich ernst. «Aber letztlich sammeln wir ja gerade für diese, weil auch die finanzielle Belastung an der Basis in den letzten Jahren immer grösser geworden ist.»