Was Sander Mallien gegenüber den Ammannkandidaten Roger Huber, Geri Müller und Markus Schneider fehlt, ist die politische Führungserfahrung. Darum lässt sich über seine Fähigkeiten in einer politischen Exekutive auch nichts sagen. In der Öffentlichkeit wie in politischen Kreisen wird Mallien unterschiedlich wahrgenommen und eingeordnet. Im Wahlkampf gibt er sich volksnah und engagiert. Die Grösse seiner Fangemeinde ist nicht zu unterschätzen.

Spät in die Politik gekommen

Politisch stieg Mallien bei der FDP erst 2004 ein. Er engagierte sich sogar in der Geschäftsleitung der Partei. Für die FDP wurde er als Ersatzrichter ans Bezirksgericht Baden gewählt. Dann kam sein Übertritt zur Grünliberalen Partei, deren Ortssektion er selber ins Leben gerufen hat.

Auf seiner Homepage datiert Maillien zwar seinen Einstieg in die Politik auf 1992 (Finanzkommission Würenlingen), als Parteiloser. Über seine Zeit in der FDP, für die er im Jahr 2005 sogar auch auf der Grossratsliste erschien, verliert der 54-jährige Badener Ortsbürger jedoch kein Wort.

Mallien kann auf einen kometenhaften Aufstieg zurückblicken, wie es Reto Caprez, SVP-Einwohnerrat schildert: 2009 mit seiner neu gegründeten GLP in Doppelvertretung auf Anhieb in den Einwohnerrat, nach einem engagierten Nationalratswahlkampf (2011) wurde Sander Mallien ein Jahr später überraschend in den Grossen Rat gewählt. Caprez spricht dem GLP-Kandidaten zwar Führungserfahrung aus seinen beruflichen und gemeinnützigen Engagements nicht ab. Er zweifelt aber daran, dass es als Stadtammann ohne Stadtratserfahrung geht. «Seine Voten im Einwohnerrat waren bis jetzt nicht überragend beziehungsweise strategisch nicht von Relevanz», gibt Caprez zu bedenken.

Schwierig einzuordnen

Der Badener FDP-Präsident Matthias Bernhard will dem verlorenen Sohn keine Steine nachwerfen. Er stützt sich primär auf Malliens Auftritt am Podium: «Ich habe über Malliens politische Ansichten wenig gehört», so Bernhard. Ähnlich sieht es SP-Stadträtin Daniela Oehrli, Gesundheits- und Sozialvorsteherin der Stadt, die Mallien als Präsident der Spitex Baden-Ennetbaden kennt.

«Ich habe ihn als sehr umgänglich erlebt, doch braucht er in seiner Führungsfunktion starke Leute um sich herum», sagt Oehrli. Wenn es politisch werde, so wirft sie ein, sei Mallien nicht klar einzuordnen. Diesen Eindruck hinterliess Sander Mallien nach Meinung einiger Badener Politiker bis jetzt auch im Einwohnerrat. Wiederholt überrascht er bei Abstimmungen einmal links, ein ander Mal rechts. Seine bislang eingereichten Vorstösse zu Themen wie «Schulterschluss Historisches Museum und Langmatt», Dringliche Motion betreffend Projekt Schulhausplatz und zuletzt die Motion der Unvereinbarkeit eines Stadtammann- und Nationalratmandats fanden unterschiedliche Aufnahme.

Als Führungsperson anerkannt

Im beruflichen Feld wird Mallien als Führungsperson von nahen Mitarbeitenden mit guten Noten ausgestattet. Ein langjähriger Weggefährte aus der Banken-Zeit beschreibt Mallien als «sehr intelligente und vife Persönlichkeit, die sich in exekutiver Funktion als führungsstark und kooperativ» erwiesen habe. Christine Egli, die als Geschäftsführerin der Spitex Baden-Ennetbaden viel mit ihrem Präsidenten zu tun hat, schreibt ihm einen «ausgeprägten Scharfsinn» zu. «Mit seinen kritischen Fragen gibt er immer wieder Anstösse für Verbesserungen», so Egli, die Mallien auch als menschlich angenehme Führungsperson erlebt.

Sein Engagement bei Green Cross, KMU Swiss, bei der Spitex wird allseits geschätzt. Dennoch kommt Mallien beim Volk unterschiedlich an. Mit seiner nachhaltigen und liberalen Haltung, Schwerpunkten in Umwelt-, Energie-, Gesundheits- und Bildungspolitik vertritt er das grünliberale Gedankengut eines klassischen Legislativ-Politikers. Der Gesinnungswandel des erfolgreichen Bänklers, der in der Finanzkrise von 2002 auf die Strasse gestellt wurde und sich danach als Welt- und Gesellschaftsverbesserer auftritt, ist für manche Leute beeindruckend. Bei andern, so bei vielen Podiumsgästen, lässt Mallien aber Fragen offen.