Baden
Sander Mallien: «Viele Probleme kann Baden nicht isoliert lösen»

Sander Mallien (GLP) möchte als möglicher Stadtammann die Eigenständigkeit der Badener Quartiere fördern. Im Interview erklärt der frischgebackene Grosssrat, wieso er Stadtammann werden will.

Roman Huber und Martin Rupf
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Sander Mallien, Stadtammannkandidat der GLP: «Der Markt ist Symbol für meine gesellschaftliche und politische Heimat.»Emanuel Freudiger

Sander Mallien, Stadtammannkandidat der GLP: «Der Markt ist Symbol für meine gesellschaftliche und politische Heimat.»Emanuel Freudiger

Sein Wunschort für das Foto war der Wochenmarkt. Für Sander Mallien stellt er ein Stück Heimat und Lebensqualität dar. Das Interview fand dann bei ihm zu Hause an der Burghaldestrasse statt. An bester Lage hatte er dort für seine Familie ein Eigenheim erstellt, als seine Bankerkarriere noch steil nach oben zeigte.

Sie sind ein umtriebiger Politiker, neu im Grossen Rat, Ihre Kandidatur überrascht eigentlich nicht.

Sander Mallien: Eine Möglichkeit, als Stadtammann von Baden zu kandidieren, ergibt sich nicht oft. Ich muss diese für mich einmalige Gelegenheit nutzen.

Ist das der einzige Grund?

Sicher nicht. Die neue Herausforderung reizt mich. Ich bin in Baden aufgewachsen, hier ist meine Heimat. Mit der Kandidatur kann ich beweisen, dass ich mich für die Stadt einsetzen und helfen möchte, deren hohe Lebensqualität zu erhalten.

Wo haben Sie sich für die Stadt eingesetzt, ausser im Einwohnerrat?

Seit fünf Jahren engagiere ich mich als Präsident für die Spitex Baden Ennetbaden und in Baden Regio. Ich war als Richter tätig und aktives Mitglied in vielen lokalen Vereinigungen wie Pfadi Hochwacht, LC vom Stein, SAC Lägern, Kirchenchor, habe die grünliberale Partei Baden gegründet und bin noch heute deren Präsident.

Sie verfügen aber nicht über politische Exekutiverfahrung.

Im Stadtrat wäre ich vermutlich der Quereinsteiger mit der reichsten Exekutiverfahrung aus verschiedensten Arbeits- und Lebensbereichen.

Konkret?

Meine Erfahrungen stammen aus zudienenden, ausführenden, leitenden und strategischen Funktionen. Ich sammelte Führungserfahrung im Militär, in der Privatwirtschaft, wo ich die Verantwortung hatte für 300 Angestellte und ein Budget in dreistelliger Millionenhöhe, bei Non-Profit- und Nicht-Regierungs-Organisationen und in den letzten Jahren vermehrt als Verwaltungs- und Stiftungsrat.

Was würden Sie besser machen?

In vielen Bereichen steht Baden sehr gut da. Denken wir an unseren Wald, was unter der Regie von Georg Schoop in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten für Mensch und Natur geleistet worden ist. Wir sind im Bildungsbereich vorne dabei, für die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung haben wir diese Woche im Einwohnerrat einen fortschrittlichen Entscheid getroffen. Wir haben gut ausgestattete Gesundheits- und Sozialnetze und eine reichhaltige Kulturszene. Dies alles sind Standortvorteile.

Der Exekutive ist nicht alles gelungen, siehe Fusion mit Neuenhof.

Selbst der Fusionsversuch mit Neuenhof war ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen. Vor lauter Euphorie von Behördenseite hat man den Bedenken, die auf der Strasse geäussert wurden, zu wenig Gehör geschenkt. Mich hatte das Abstimmungsergebnis nicht überrascht.

Was würden Sie denn besser machen als Stadtammann?

Viele Aufgaben kann die Regionalstadt Baden nicht isoliert innerhalb der Gemeinden lösen. Wir müssen noch verstärkt auf die regionale Zusammenarbeit setzen.

In welchen Bereichen?

Nehmen wir als Beispiel den Verkehr. Gerade Projekte wie der Baldeggtunnel zeigen exemplarisch, dass gewisse Probleme regional überdacht werden müssen und nur gemeinsam gelöst werden können. Oder ein ganz anderes Beispiel: Eine Wettkampfsporthalle mit nationalem Niveau. Es ist doch egal, ob diese in Baden, Wettingen oder Fislisbach steht. Aber sie entspricht einem regionalen Bedürfnis.

Es heisst oft, das Schulhausplatz-Projekt löse die Probleme nicht?

Unser Problem liegt auf der Achse Mellinger-/Bruggerstrasse, und zwar beim Quell-/Zielverkehr. Es sind relativ wenige, die durch die Klus hindurch fahren.

Sie waren mit der GLP gegen das Schulhausplatzprojekt. Jetzt müssten Sie solidarisch dahinterstehen.

Ich persönlich hätte gerne eine Lösung gehabt, bei der die Fussgänger oben und der motorisierte Verkehr unten durch gegangen wären. Nach unseren demokratischen Regeln bestimmen die Stimmbürger und deren Entscheid muss durch die Exekutive umgesetzt werden.

Was löst denn das Verkehrsproblem? City-Tax? Limmattalbahn?

Die Option Limmattalbahn bis Baden muss sicher weiterverfolgt werden.

Wo soll sie über die Limmat?

Das sollen Fachleute klären. Als Stadtammann würde ich den öffentlichen Verkehr generell noch mehr fördern, was indirekt auch den wenigen hilft, die auf die Benutzung eines Auto angewiesen sind. Anders lassen sich die Probleme in unserer Topografie nicht lösen.

Anderes Thema. Baden braucht mehr günstigen Wohnraum.

Der billige Wohnraum wird aus dem Zentrum verdrängt. Das ist leider überall in den Städten der Trend. Man kann es kaum ändern, ausser mit staatlichen Eingriffen.

Mit aktiver Liegenschaftspolitik?

Indem die Stadt sich engagiert und den Konsens mit Investoren sucht. Allenfalls könnte die öffentliche Hand sich überlegen, selber Liegenschaften zu kaufen und damit der Spekulation zu entziehen. Zurzeit wäre ein solches Ansinnen wohl nicht mehrheitsfähig. Für mich gibt es auch noch einen andern Ansatz. Indem man die Quartiere fördert und stärkt und bessere Strukturen für deren eigenständiges Leben schafft, inklusive Läden.

Wohnraum fehlt aber primär im Zentrum.

Wo die Stadtverwaltung selber an bester Lage die meisten Häuser mit Büros besetzt! Diese anderswohin zu verlegen, wäre ein Lösungsansatz.

Der Wohlstand Badens ist sicherlich auf den wirtschaftlichen Kurs zurückzuführen. Würden Sie diesen beibehalten?

Der jährliche Steuerertrag der Firmen ist höher als derjenige der natürlichen Personen; darum beneiden uns viele Nachbargemeinden. Wir pflegen unsere KMU, wir stärken ihre Innovationskraft und stützen ihre Konkurrenzfähigkeit. Bürokratische Auflagen müssen wir auf das Minimum reduzieren. Der wirtschaftsfreundliche Kurs hat sich für die Stadt bewährt. Je grösser die Anzahl und Diversität der Firmen ist, desto geringer ist die Gefahr für die öffentliche Hand, einer einzelnen Firma grosse Zugeständnisse machen zu müssen.

Hat man das früher gemacht?

Im Bemühen, Arbeitsplätze zu sichern musste der Stadtrat zu früheren Zeiten gewisse Zugeständnisse machen. Mit der heutigen Diversifizierung stärkte sich die Verhandlungsposition der Stadt.

Es stehen viele Investitionen an. Wäre für Sie eine Erhöhung des Steuerfusses denkbar?

Ich glaube zurzeit nicht, dass eine Erhöhung notwendig sein wird; und wenn doch, dann eher wegen der Zunahme der gebundenen Ausgaben.

Wir haben einen weiteren Trumpf: die Bäder. Kommt es dort gut?

Weil dort private Initiative gefragt ist, kann der Stadtrat nur beschränkt Einfluss nehmen. Für Baden ist es wichtig, dass im Bäderquartier wieder etwas läuft.

Gefällt Ihnen das Botta-Bad?

Das ist eine reine Geschmacksfrage. Springender Punkt ist auch bei diesem Projekt die Topografie. An einer Lösung für das absehbare Verkehrsproblem muss noch weiter gearbeitet werden.

Wie sieht es beim Kurtheater aus?

Viel Geld für einen grossen Knorz. Ich hätte mir auch eine Neubau-Lösung an einem andern Ort vorstellen können; zum Beispiel auf dem Trafo-Areal.

Sie sind im Einwohnerrat schwierig einzuordnen. Sie wären als Stadtammann für links wie rechts quasi ein Dauerrisiko.

Wir definieren uns mit der GLP als Mittepartei, die pragmatisch sowohl linke wie rechte Anliegen vertreten kann. Ich habe auf Smartvote die Profile der National- und Grossratskandidaten studiert und festgestellt, dass Geri Müller deutlich links und Markus Schneider deutlich rechts politisiert. Mein Profil ist ziemlich ausgewogen und in der Mitte, fast identisch ist mit demjenigen von Stephan Attiger. Ich wäre also ein Stadtammann für alle.

Würden Sie auch gerne nur Stadtrat sein?

Mein Ziel ist es natürlich, Stadtammann zu werden. Selbstverständlich würde ich mich auf eine Wahl in den Stadtrat ebenfalls freuen.

Ihre Kandidatur schadet Geri Müller am meisten.

Meine Kandidatur richtet sich weder gegen eine Partei noch gegen eine Person. Eine Kandidatur steht jedermann offen.

Rechnen Sie sich eine Chance aus?

Sonst würde ich nicht kandidieren.

Es wird einen zweiten Wahlgang geben. Werden Sie dann zugunsten von links oder rechts verzichten?

Warten wir den ersten einmal ab.

Geri Müller hatte Arafat die Hand geschüttelt. Sie haben Kontakt mit Gorbatschow. Was nützt dieses Netzwerk einem Stadtammann?

Eines der Ziele der Stadt Baden ist es, Kongressstadt zu werden. Dafür sind mannigfaltige Beziehungen sicher hilfreich. Zu meinem Erfahrungsschatz gehört auch der Umgang mit internationalen Gästen.

Sie waren einst Bänkler. Was tun Sie heute beruflich?

Heute habe ich eine eigene Beratungsfirma und verkaufe Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Gründung, dem Auf- oder Umbau oder bei der Auflösung von Firmen. Zeit brauche ich auch für meine Verwaltungs- und Stiftungsratsmandate. Momentan bin ich gerade daran, für ein amerikanisch/englisches Jointventure eine Tochtergesellschaft in der Schweiz aufzusetzen. Dieser gesamte Arbeitsbereich umfasst rund 70 Prozent meiner Zeit, daneben bin ich Präsident von Green Cross Schweiz und von der Spitex Baden Ennetbaden.

Sie würden im Falle der Wahl diese Mandate abgeben?

Das wäre gemäss meiner Erfahrung anders kaum machbar. Aber das Grossratsmandat würde ich behalten; das nützt auch der Stadt Baden.

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