Stadtamman-Wahlen Baden

Sandra Kohler als Überraschungs-Kandidatin: «Wer Neuanfang will, wählt mich»

© Sandra Ardizzone

Mit der 36-jährigen Sandra Kohler kandidiert zum ersten Mal eine Frau für das Amt des Badener Stadtammanns.

Sandra Kohler will im Herbst ins Rennen um das Amt des Badener Stadtammanns steigen. Damit dürfte die Badener Kommunikationsfachfrau wohl tout Baden überraschen. Die 36-Jährige macht gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich, dass es ihr mit der Kandidatur absolut ernst ist. Im Juli will sie diese einreichen, wodurch aus dem Dreikampf zwischen Geri Müller (team), Markus Schneider (CVP) und Erich Obrist (parteilos) ein Vierkampf wird (die Anmeldefrist läuft am 11. August ab).

«Nach einer dreiwöchigen Auszeit habe ich mich zur Kandidatur entschieden – Einflüsterer von aussen gab es keine», stellt Sandra Kohler klar. «Ich bin stark mit Baden verbunden; diese Stadt ist mein Zuhause. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass es mit der Stadt wieder aufwärtsgeht.» Denn eine spürbare Blockade mache sich in Baden seit längerem bemerkbar. «Als Frau Stadtammann werde ich eine stolze Botschafterin für die Stadt und eine hoch motivierte Gastgeberin sein.»

Sandra Kohler kandidiert für die  Badener Stadtammannswahlen: «Dass ich nicht aus dem politischen Knäuel komme, sehe ich als Vorteil»

«Dass ich nicht aus dem politischen Knäuel komme, sehe ich als Vorteil»

Sandra Kohler ist in Baden auf der Baldegg auf einem Bauernhof mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen. Ihr Vater Ueli Kohler (†) sass von 1997 bis 2009 für die SVP im Grossen Rat, von 1989 bis 2009 war er Einwohnerrat. Kohler hat in Baden die Schulen besucht. In der Freizeit war sie in der Jugendriege des STV Baden und spielte für den Verein auch Handball.

Nach der Kanti Wettingen und einer angefangenen Ausbildung als Lehrerin studierte sie Journalismus und Kommunikation. Nach verschiedenen Stationen im Journalismus machte sie sich 2011 als Kommunikationsberaterin selbstständig. 2014 kaufte sie sich in die Werbeagentur «Schaerer und Partner» ein, seit zwei Jahren ist sie mit ihrem Geschäftspartner Andi Schaerer auch privat liiert. «Weil zwei Chefs einer zu viel ist, haben wir uns – unabhängig von meiner Kandidatur – entschieden, dass ich die Agentur Ende September verlasse.»

Kohler: «Komme nicht aus Chlüngel»

Dass sie über keinerlei politische Erfahrung verfüge, erachtet Kohler nicht als Nachteil, sondern als Vorteil: «Genau deshalb glaube ich an meine Wahlchance. Baden wartet auf jemanden, der nicht konform ist. Wenn Baden den Neuanfang will, bin ich die richtige Wahl. Ich bin überzeugt, mit Geri Müller, Markus Schneider oder Erich Obrist als Stadtammann ist kein Neuanfang möglich in Baden.» Sie sei frech, mutig und direkt, spreche eine einfache Sprache und bediene sich nicht gängiger Politfloskeln. Und vor allem: Sie komme nicht aus dem «Chlüngel, sie würde sich auch nicht scheuen, hin und wieder jemandem auf die Füsse zu treten, so Kohler, die sich selber als sehr gut vernetzt beschreibt. So ist sie als Ortsbürgerin Mitglied der Finanz- und Forstkommission und auch Teil des Badenfahrt-OKs.

Quereinsteigerin will Geri Müller ablösen

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Sie ist 36 Jahre alt, hat keinerlei politische Erfahrung und will Frau Stadtammann von Baden werden. Kein Witz: Die PR-Frau Sandra Kohler meint es damit todernst.

Sie traut sich trotz mangelnder politischer Erfahrung zu, 300 Stadt-Angestellte zu führen und einer Exekutive vorzustehen, die aus lauter erfahreneren Stadträten besteht. «Führen heisst kommunizieren. In die politischen Spielregeln werde ich mich einarbeiten.» Sie habe schon früh im Berufsleben gelernt, mit Männern zusammenzuarbeiten, die älter sind als sie und sich nötigenfalls gegen diese durchzusetzen. Als eine ihrer grossen Stärken bezeichnet sie, dass sie sehr entscheidungsfreudig sei und auch die unbequemen Themen nicht auslasse.

Sie trete bewusst als Parteilose an. «Dadurch bin ich unabhängig von lähmenden Partei-Leitplanken.» Doch wo würde sie – Kohler hat schon politische Kommunikation für Martin Keller (SVP) oder Jürg Braga (FDP) gemacht – sich selber politisch einordnen? «Das geht nicht. Nehmen wir das Beispiel Finanzen, die derzeit grösste Herausforderung in der Stadt. Ich schliesse eine Steuerfusserhöhung nicht per se aus, aber zuerst muss schonungslos aufgezeigt werden, dass man auch bereit ist, zu sparen.» Entscheidend sei doch, alle Lösungen anzuschauen, ganz egal, aus welcher politischen Ecke sie kommen. «Hauptsache sie führen zu einer Verbesserung des Finanzhaushalts.»

Wo ortet sie nebst den Finanzen den grössten Handlungsbedarf in der Stadt? «Baden hat das Selbstvertrauen verloren. Wir sollten wieder stolz darauf sein, wie viel Power und Kreativität in dieser Stadt steckt.» Es sei an der Zeit, aus dem bisherigen Trott auszubrechen. «Ich will mit viel Lebensfreude sowie unternehmerischem Denken und Handeln zur Vision einer stolzen, weltoffenen und fortschrittlichen Stadt beitragen.»

Willkommen im «Kafi Sandra»

Ein Unterstützungskomitee habe sie noch nicht um sich gescharrt. «Es gibt ein paar Eingeweihte, die mir bereits ihre Unterstützung zugesagt haben.» Darunter auch ihr Partner. Auf den Frauenbonus setze sie nicht: «Wenn ich aber aufgrund meines Alters und meines Geschlechts neue Wähler mobilisieren kann, freut mich das sehr.» Ab heute ist Kohler fast jeden Samstag im «Fiori» anzutreffen, wo sie dem Wirt «Kumi» unter die Arme greift. «Er zahlt mir nichts, im Gegenzug darf ich mir die Freiheit rausnehmen, im ‹Kafi Sandra› mit Badenerinnen und Badenern in den Dialog zu treten, damit diese mich besser kennenlernen», sagt Kohler mit einem Lachen. Sie habe schon während der Schulzeit und während des Studiums in Badener Restaurants gearbeitet. «Ich wusste immer haargenau, was die Leute beschäftigt.»

Natürlich habe sie auch Respekt vor dem Wahlkampf und der Wahl. «Ich werde ab heute eine öffentliche Person sein, wenn ich durch die Strassen von Baden gehe. Und natürlich frage ich mich, wie ich damit umgehen werde, wenn ich an der Urne chancenlos bleiben sollte.» Sie trete im Übrigen nur als Frau Stadtammann an; nur Stadträtin zu sein, sei keine Option. «Das entspricht meinem Naturell. Alles oder nichts.»

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