Baden
Sanierung des Schulhausplatzes hat sein erstes «Opfer»

Die meist befahrenste Kreuzung des Kanton Aargaus wird zwei Jahre lang saniert. Was hat das für Folgen für die anliegenden Geschäfte?

Martin Rupf (Text und Foto)
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Vor knapp vier Jahren eröffnete das Haushaltswarengeschäft Karpf im Falkengebäude. Die Betreiber: «Wir spürten je länger, je mehr einen Standortnachteil.»

Vor knapp vier Jahren eröffnete das Haushaltswarengeschäft Karpf im Falkengebäude. Die Betreiber: «Wir spürten je länger, je mehr einen Standortnachteil.»

Noch laufen erst Vorbereitungsarbeiten für die Schulhausplatzsanierung. Doch schon bald fahren die Bagger auf. Lärm, Staub und Erschütterungen gehören dann für rund zwei Jahre zum ständigen Erscheinungsbild rund um den Schulhausplatz. Geduld und Nerven sind dabei nicht nur von den Verkehrsteilnehmern gefragt, sondern auch von den Gewerbetreibenden an der meistbefahrenen Kreuzung des Kantons. Nicht wenige von ihnen fürchten aufgrund der Bautätigkeit Umsatzeinbussen.

Ein Geschäft macht die Läden gar dicht, ehe das schwere Geschütz aufgefahren ist. «Total Ausverkauf; wir schliessen diesen Standort» steht unübersehbar auf einer grossen Plastikblache am Falkengebäude. «Wir schliessen auf Ende Oktober die Filiale in Baden», bestätigt Esther Karpf, Inhaberin des Haushaltswaren-Fachgeschäfts.

Leere Flächen im Falken-Gebäude

Vor knapp vier Jahren habe man mit grossen Erwartungen und viel Optimismus hier im Falkengebäude eröffnet. «Doch dann fingen neben und um die Filiale diverse Bauarbeiten an, die eine Weiterentwicklung behinderten», so Karpf. «Zusätzlich spürten wir je länger, je schmerzlicher einen Standortnachteil.» Standortortnachteil? Karpf spricht damit die leerstehenden Flächen im Falken-Parterre an, die nicht wie erhofft mit anderen attraktiven Geschäften hatten besetzt werden können. «Dadurch hatten wir auch weniger Laufkundschaft als erhofft», so Karpf.

Dass die Flächen leer stehen, verwundert sie indes nicht: «Generell wird es für uns ‹Lädeler› immer schwieriger, an Standorten wie etwa Baden die Mietzinse zu stemmen.» Immerhin sei die Eigentümerin bei den Mietzinsen noch etwas entgegengekommen. «Und doch mussten wir uns eingestehen, dass in naher Zukunft die Entwicklungschancen hier zu gering sind.» Dies umso mehr, als sich mit der jetzt beginnenden Sanierung die Situation eher noch verschärfen dürfte und mit empfindlichen Umsatzeinbussen zu rechnen sei. «Schweren Herzens haben wir uns deshalb zur Schliessung entschieden», so Karpf, die sich nun auf die Standorte in Wohlen und Bremgarten konzentrieren will.

Ist die Lage trotzdem attraktiv?

Das Falkengebäude gehört der Publica, der Pensionskasse des Bundes. Für die Vermietung zuständig ist die Firma SPG Intercity in Zürich. Zurzeit prangt ein grosses Plakat an der Wand, das die drei Ladenflächen anpreist. «Wir erhalten viele Anfragen und sind optimistisch, die Flächen trotz der Sanierung vermieten zu können», sagt Gabriela Brandenberg. Dies umso mehr, als die Mietzinsen im schweizweiten Vergleich sehr human seien. «Es muss auch nicht zwingend ein Detaillist sein. Vielmehr ist die Lage auch für Dienstleister attraktiv», so Brandenberg.

In einem Ladenlokal, das im Falkengebäude noch vermietet ist, befindet sich das Coiffeur- und Nagelpflegegeschäft «Butterfly». «Wir haben ja schon etwas Erfahrung mit Bautätigkeiten vor unserer Türe», sagt Inhaberin Carmen Rütti. Die ganze Sanierung betrachtet sie auch als eine Chance, vor allem wenn sie an die neue Begegnungszone mit Geschäften denkt. «So lange natürlich kein zweites Coiffeur-Geschäft kommt», so Rütti lachend. Generell beurteilt sie die Lage im Falkengebäude – anders als Esther Karpf – als attraktiv.

Neugestalrtung: So wird der Schulhausplatz in Baden
8 Bilder
Schulhausplatz beim Falken-Aufgang
Übersicht über den Schulhausplatz nach der Neugestaltung
Blick vom Cordulaplatz Richtung Fussgänger- und Veloebene.
«Untergeschoss» in der Übersicht
Fussgängerebene Richtung Hochbrücke
Schulhausplatz-Unterführung

Neugestalrtung: So wird der Schulhausplatz in Baden

Aargauer Zeitung

Vertrauen auf Stammkundschaft

Grundsätzlich entspannt blicken auch andere Gewerbetreibende rund um den Schulhausplatz der Bauerei entgegen. Martin Buner, Geschäftsführer des Uhren- und Juwelengeschäfts Rietz: «Ich freue mich vor allem darauf, wenn das Ganze in rund zwei Jahren fertig ist.» Buner ist überzeugt, dass dank der neuen Begegnungszone und der Platzgestaltung das ganze Gebiet eine Aufwertung erfahren werde. «Und vor allem weiss ich dann, dass ich bis zu meiner Pensionierung von weiteren Bautätigkeiten verschont werde», so Buner lachend.

Nicht zum Lachen war es ihm während der Sanierung der Weiten Gasse vor zwei Jahren. «Während der rund sieben Wochen, an denen direkt vor unserem Geschäft gebaut wurde, hat sich unser Umsatz halbiert.» Ganz so arg werde es bei der Schulhausplatzsanierung wohl kaum. «Klar, es wird Einschränkungen geben. Doch wir können auf eine treue Stammkundschaft vertrauen, die wir zudem mit vereinzelten Sonderangeboten ins Geschäft locken wollen.»

Folgen für Coiffeur und Sport-Geschäft?

Ebenfalls auf seine Stammkundschaft hofft Beat Uboldi, Inhaber des Coiffeur-Geschäfts «Abschnittuboldi». Er habe als Kind schon die letzte grosse Sanierung vor rund 50 Jahren miterlebt. «Natürlich wird der Lärm unangenehm sein, aber man kann es ja doch nicht ändern.» Doch dank treuen Kunden würden sich die Umsatzeinbussen wohl in Rahmen halten, so Beat Uboldi.

Etwas weiter entfernt liegt das Sportgeschäft «Grieder Sport», wo vor rund drei Monaten ein grösser Umbau erfolgte. «Wir wollten unserem Lokal ohnehin ein neues Gesicht geben», sagt Co-Geschäftsführerin Nicole De Jonge. Man habe den Umbau bewusst vor die grosse Sanierung verlegt, «damit man so dem Baustellenstress in den das neu gestaltete Geschäft entfliehen kann.» Natürlich sei dieses während der Umbauarbeiten nicht ganz so gut erreichbar. «Aber viele Stammkunden suchen uns ganz gezielt auf.»

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