Saubere Luft
Eine Klasse aus Obersiggenthal entwickelt ein CO2-Messgerät fürs Schulzimmer: Über ein halbes Jahr haben sie daran getüftelt

Das CO2-Messgerät Ososair zeigt an, wann gelüftet werden soll. Hersteller ist eine dritte Sekundarklasse am Oberstufenzentrum Obersiggenthal. Auch im Sitzungszimmer des Aargauer Regierungsrates wurde die Mini-Messstation getestet.

Zara Zatti
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Die S3a aus Obersiggenthal mit dem von ihnen entwickelten Ososair.

Die S3a aus Obersiggenthal mit dem von ihnen entwickelten Ososair.

Zvg / Aargauer Zeitung

Das Projekt der S3a aus dem Oberstufenzentrum Obersiggenthal könnte aktueller nicht sein. Seit die Schule nach den Sommerferien gestartet hat und die Fallzahlen wieder steigen, wird rege über die Luftqualität in Schulzimmern diskutiert. Der Schweizerische Lehrerverband und auch die SP-Aargau fordern CO2-Messgeräte in jedem Schulzimmer, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern. Genau an einem solchen Messgerät arbeitet die dritte Sekundarklasse S3a aus Obersiggenthal schon seit über einem halben Jahr.

Entstanden ist Ososair, eine handliche Messstation in der Grösse einer Mausefalle. Mit einem Sensor wird der CO2-Gehalt in der Luft gemessen und auf einem Display angezeigt. Anhand von vier farbigen Lämpchen sieht man ausserdem auf einen Blick, ob die Fenster geöffnet werden müssen. Die vier Stufen reichen von blau: sehr gut – frisch wie in Grönland bis rot: sehr schlecht – bloss raus hier!

Vier Monate tüftelte ein Programmiergenie am Code für das Gerät

Ursprünglich war die kleine Station für den Eigengebrauch gedacht. Ein 15-jähriger Programmierbegabter der Klasse S3a tüftelte vier Monate an einem Code und merkte bald: «Ja, das können wir schaffen.»

Schülerinnen und Schüler mit dem Ososair an der Primarschule Wünnewil im Kanton Freiburg.

Schülerinnen und Schüler mit dem Ososair an der Primarschule Wünnewil im Kanton Freiburg.

Zvg / Aargauer Zeitung

Erst später kam dann die Idee, dass man die Messgeräte auch an Büros verkaufen könnte: Denn auch dort ist Luftqualität ein grosses Thema. Damit Ososair auch wirklich funktioniert, wurde es von der Primarschule Obersiggenthal getestet. Fazit: Das Gerät ist alltagstauglich. Nun gingen die Schülerinnen und Schüler all-in und machten sich auf die Suche nach Aktionären für ihr Start-up. Eltern, Grosseltern und Freunde, die in das Projekt investieren wollten, waren schnell gefunden. Mittlerweile ist der Ososair schweizweit an zehn Schulen im Einsatz.

Auch an Büros in der Region wurde die Messstation verkauft

Ab diesem Zeitpunkt galt es ernst und alle waren mit vollem Einsatz dabei: «Die Schülerinnen und Schüler merkten plötzlich, dass sie ihren Investoren einen Haufen Elektroschrott präsentieren müssen, wenn es am Ende nicht funktioniert», sagt Beda Lanz, der zusammen mit dem Werklehrer Fabian Oechslin das Projekt betreut.

Schlussendlich sind zwei Versionen des Messgeräts entstanden: Der Ososair, welcher für Oberstufenzentrum Obersiggenthal steht, und der Ososair Enterprise, der speziell für das Gewerbe in der Region entwickelt wurde. Während beim klassischen Ososair lediglich der CO2-Wert angegeben wird, kann die Bürovariante auch als Uhr, Datumsanzeige, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser verwendet werden. Ausserdem zeigt sie den CO2-Gehalt der letzten vier Stunden in einer Kurve an.

Sogar im Bildungsdepartement des Kantons kommt der Ososair zum Einsatz

An einem Ososair Enterprise arbeitete die Klasse etwa fünf Stunden, hinzu kommt ein halbes Jahr Programmierarbeit. Insgesamt 25 Messgeräte fürs Büro stellte die Klasse her, dazu 100 normale Ososair. Die Ososair Enterprise wurden bereits fast alle verkauft.

Der Gewinn pro Messgerät beträgt nur einige Franken, dieser soll in die Abschlussreise im Sommer 2022 fliessen. Doch Lanz betont, der finanzielle Aspekt habe nie im Vordergrund gestanden: «Mit einem Kuchenverkauf hätten wir an einem Tag mehr eingenommen. Es ging viel mehr darum, dass die Klasse zusammenarbeitet und sieht, was ein solches Projekt alles beinhaltet.»

Die Klasse schickte einige Exemplare an das Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau. Und auch dort kommt das Gerät gut an: «Einerseits, weil dies eine tolle Initiative und ein gelungenes Projekt der Schule ist, andererseits tatsächlich, um Erfahrungswerte zu sammeln, wie lange es in einem Sitzungszimmer dauert, bis gelüftet werden sollte», schreibt das Departement auf Anfrage.

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