Baden
Säulirennnen und Ponyreiten: Sind die Tiere auf dem Theaterplatz gestresst?

Hunderte Menschen besuchen am Samstag auf dem Theaterplatz in Baden Tiere im Gehege und frönen den Säulirennen. Die Menschen freut es – die Tiere auch? Das Aargauer Veterinäramt nimmt Stellung.

claudia laube
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Auch letztes Jahr fanden auf dem Theaterplatz in Baden Säulirennen statt.

Auch letztes Jahr fanden auf dem Theaterplatz in Baden Säulirennen statt.

zvg

Wenn es auf dem Theaterplatz in Baden muht und grunzt, dann ist der Bauernhof in der Stadt. Zum zweiten Mal findet heute der vom Bauernverband Aargau organisierte Anlass «Bauernhof kommt in die Stadt» in Baden statt. In Aarau war der Bauernhof bereits 19-mal, in Brugg feierte er dieses Jahr Premiere – laut Bauernverband immer mit grossem Erfolg.

Auch in Baden zog der Anlass letztes Jahr viele Menschen an und wird das wohl auch am Samstag tun. Marketinginstrumente, die vor allem viele Familien anlocken, sind dabei sicherlich der Streichelzoo, die Säulirennen und das Ponyreiten. Es werden Gross- und Kleintiere gezeigt; von der Mutterkuh mit Kalb über Schafe bis hin zu Schweinen und ihren Ferkelchen. Einige davon messen sich über den Tag verteilt in vier Säulirennen. Daneben gibt es auch noch andere Attraktionen, Oldtimer-Traktoren werden vorgeführt und ein Festzelt soll zum Verweilen einladen. Das alles bringt die Menschen in Kontakt mit regionalen Produzenten und deren Produkten – eines der erklärten Ziele des Anlasses.

Menschen gewohnt

Die gezeigten Tiere kommen von diversen Aargauer Bauernhöfen. Verantwortlich für sie sind die Lernenden des dritten Lehrjahres des landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg in Gränichen. Mit der Ausbildungsstätte für Landwirte arbeitet der Bauernverband für «Bauernhof kommt in die Stadt» zusammen. «Für die Lernenden ist es vor allem ein Marketingprojekt», sagt Fredi Siegrist, Projektleiter Öffentlichkeitsarbeit des Bauernverbandes. Sie könnten sich hier aktiv mit Öffentlichkeitsarbeit befassen und so erkennen, wie wichtig der Kontakt mit den Konsumenten sei.

«Ein Teil der Schüler ist für die Festwirtschaft verantwortlich, ein anderer für den Streichelzoo», erklärt Peter Estermann, Klassenlehrer der Schulklasse, die dieses Jahr an der Reihe ist. Die für die Tiere verantwortlichen Schüler bringen diese von den Bauernhöfen mit, bei denen sie ihre Ausbildung absolvieren.

Ist es nicht ein grosser Stress für die Tiere, für einen Tag hierhertransportiert zu werden und den ganzen Tag von unzähligen fremden Menschen bestaunt und gestreichelt zu werden? «Natürlich müssen wir schauen, dass wir die Tiere nicht überfordern», sagt Estermann. «Deshalb gibt es zeitweise Sperrstunden, in denen niemand ins Gehege darf, damit sich die Tiere ausruhen können.»

Tiere sind Menschen und Transport gewohnt

Es sei ganz klar nicht alltäglich für sie und das Interesse der Besucher sei jedes Mal sehr gross, ins Gehege zu gehen und die Tiere zu streicheln. «Deshalb ist uns auch Aufklärung sehr wichtig», so Estermann weiter. Die Schüler seien aber bei ihren Tieren und würden schauen, dass es ihnen gut geht. Sie beantworten Fragen oder greifen ein, wenn es den Tieren zu viel wird. «Ob Menschen oder Transport, es handelt sich hier um Tiere, die sich beides gewohnt sind», versichert Projektleiter Fredi Siegrist.

Für solche Anlässe braucht es eine Meldepflicht an das kantonale Veterinäramt. Nicht aus Tierschutzgründen, sondern aus seuchenpolizeilichen Gründen, sagt Kantonstierärztin Barbara Thür; falls die Tiere Krankheiten mit sich tragen würden. Streichelzoos würden sie zwar eher kritisch betrachten, «doch erst diesen Frühling wurde das Schweizer Tierschutzgesetz weiter verschärft, insbesondere in Sachen Streichelzoos», erklärt Thür.

Waren letztes Jahr noch Kaninchen Teil des Badener Streichelzoos, so ist das dieses Jahr nicht mehr erlaubt. «Die brauchen viel mehr Rückzugsmöglichkeiten und sind überfordert mit so vielen fremden Menschen», so Thür. Das Schweizer Bundesamt Lebensmittelsicherheit und Veterinäramt (BLV) schreibt auf seiner Website, dass es neu «verboten ist, Streichelgehege mit Kaninchen, Kleinnagern oder Küken im Rahmen von Veranstaltungen einzurichten.» Davon ausgenommen seien permanent eingerichtete Streichelgehege.

Gestresste Säuli?

Bei Schweinen, Rindern, Geissen und Schafen hingegen sieht Thür grundsätzlich kein Problem, «solange diese an Menschen gewohnt sind und von Fachleuten begleitet werden; und ihnen auch Rückzugsmöglichkeiten gewährt werden.» An den heutigen Anlass in Baden würden sie aber einen Kontrolleur schicken, der vor allem das Säulirennen kritisch beobachten und schauen wird, ob die Rennen ein zu grosser Stress für die Schweine sind.

Der Aargauer Tierschutzverein hat auf Anfrage keine Vorbehalte gegen solche Veranstaltungen, wenn die Vorschriften umgesetzt und kontrolliert würden, die das verschärfte Tierschutzgesetz seit 1. März vorschreibt.