Das Meierhof-Quartier verläuft als einer der «Finger» des Badener Siedlungsgebiets ziemlich genau parallel zur Allmend und zum Kappelerhof von Osten nach Westen. Statistisch ist es eingeteilt in die Kreise Schadenmühle und Kehl. Diese beiden Pole zeigen auch die Ausdehnung des langgezogenen Stadtteils, der erst spät im Tal des Stadtbachs entstanden ist. Er beginnt bei der ehemaligen Schadenmühle (benannt nach der Müllersfamilie Schad), jenem gelben Haus in der Ecke, wo sich die Mellingerstrasse und die Nationalbahnlinie in einem X überkreuzen. Hier könnte dereinst ein Hochhaus für die Badener Verwaltung entstehen.

Gebaut wurde die Schadenmühle spätestens im 14. Jahrhundert. Der Mühlbetrieb wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingestellt. Geblieben ist der Name für den grossen, baumgesäumten Parkplatz dahinter, der bisweilen auch als Zirkuswiese dient. Die Badener Mühlen und Brunnen wurden im Mittelalter alle vom Stadtbach gespeist, der mit dem Dättwiler Weiher im Kehl das andere Ende des heutigen Quartiers markiert. Der Weiher, der eigentlich aus mehreren Wasserbecken besteht, gehört bis heute den Ortsbürgern. Die Teiche dienten über Jahrhunderte als Fischweiher, als Eisquelle für die Badener Bierbrauer – und natürlich als Schlittschuhbahn.

Fünf Höfe im Stadtbach-Tal

Seinen Namen hat das Quartier von einem Hof oberhalb der heutigen Sonnmattstrasse, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Meierhof von Dättwil. Im Stadtarchiv gibt es ein Dokument von 1417, in dem Hans Truchsess von Wolhusen den Meierhof zu Baden einem Hans Buri zum Lehen gibt. Noch auf der Siegfriedkarte von 1880 ist das ganze Tal des Stadtbachs unbebaut, bis auf fünf Gehöfte: die Innere und die Äussere Ziegelhütte, den Meierhof, die Sägemühle und die Schadenmühle. Oberhalb des Felsenwegs wuchsen damals noch Weinreben. Die beiden Ziegelhütten leben bis heute im Namen Ziegelhau fort.

1875 entstand dort, wo heute die Überbauung mit der Coop-Tankstelle an der Stadtbachstrasse steht, die «Parquet-Fabrik Thurnheer-Rohn». Sie stand lange Zeit allein auf weiter Flur, Wohnbauten gab es kaum im Meierhof. Sie wurde später zur Parkettfabrik Cioccarelli & Link. Diese wiederum wurde ab 1922 umgenutzt zur «Strick- und Wirkwaren-Fabrik Dr. Lahmann und Co. AG» – sprich zur legendären Bademodefirma Lahco. Die Fabrik wurde 1986 abgebrochen.

Geprägt von Loepfe-Architektur

Erst nach 1900 setzte an der Kreuzlibergstrasse und am Kreuzlibergsteig eine Bautätigkeit von grossbürgerlichen Villen ein. Eine dichtere Bebauung jenseits der Mellingerstrasse setzte sogar erst nach dem Ersten Weltkrieg ein. Vor allem der Badener Architekt Hans Loepfe (Wohnkolonie Sonnmatt, 1927) und sein Sohn Hansjörg Loepfe mit seinem Büropartner Emil Hitz prägten das Quartier mit ihrer Architektur – unter anderem mit mehreren Reihenhaussiedlungen und Mehrfamilienhäusern, oder dem KonHaus des Konsumvereins (heute Bäckerei Spitzbueb).

In den 1950er-Jahren entstanden die ersten Hochhäuser an der äusseren Mellingerstrasse, die Siedlung und der Kindergarten im Ziegelhau sowie der Kindergarten Sonnmatt, bevor 1969 schliesslich die Schulanlage am Stadtbach gebaut wurde.

Nach der Annahme des Altersheimgesetzes 1957 nahm die Stadt Baden zusammen mit Ennetbaden die Planung eines Alterszentrums auf. Hansjörg Loepfe und Emil Hitz gewannen auch diesen Planungswettbewerb, und nach drei Jahren Bauzeit zogen 1965 die ersten 120 betagten Bewohner aus Baden und Ennetbaden im «Kehl» ein. 2016 wurde das Alterszentrum erneuert und erweitert.