«Gruusig guet» betitelte der Wettinger Gemeinderat Philippe Rey seine Rede zur Vernissage der aktuellen Doppelausstellung im Gluri-Suter-Huus und betrieb mit dem zahlreich erschienen Publikum etwas Namensforschung. «Gluri» kommt von «Gluurig», was in altem Dialekt so viel wie «gruusig» bedeutet. Bevor das markante Fachwerkhaus 1965 von der Gemeinde Wettingen gekauft wurde, stand es im Besitz von Arnold Suter. Der Sonderling brannte in seinen Räumen Schnaps und war wenig beliebt. Das Gerücht kursierte, in seiner Bleibe sei es überall klebrig und schmutzig, eben «gruusig». Aus dem «gluurigen Huus» von Suter wurde das Gluri-Suter-Huus. Heute sind die Räume einladend und bieten einem Kindergarten, dem Figurentheater und der Galerie Platz, in der in den vergangenen 46 Jahren über 200 Ausstellungen stattgefunden haben. Und wie das Kunstzentrum früher der unbekannten Wettinger Malerin Ilse Weber zu Ruhm verhalf, katapultiert es jetzt dank der Initiative von Galerieleiter Rudolf Velhagen wiederum einen ortsansässigen Kreativschaffenden in die Öffentlichkeit. Unter dem Motto «Soweit ich kam» bespielt Tomaž Gnus mit seiner ersten grossen Ausstellung einen ganzen Raum mit eigenen Werken. Den Berg Triglav in Slowenien wollte er zweimal besteigen. Erfolglos. Aus dieser Erfahrung resultieren eine naturalistische Acryl-Malerei sowie ein digitales Rendering, das er am Computer erstellt und auf halbtransparenten Stoff gedruckt hat. Mit seinen Exponaten zeigt der Künstler mit einem Master in Fine Arts, dass Scheitern für ihn keine Option ist, sondern zu neuen und bereichernden Perspektiven führt. Blickfang ist die grossformatige Leinwand, die er zusammengefaltet mit dem Lasercutter bearbeitet hat. Das fragile perforierte Gebilde gerät gerade darum zu eigenwilliger Schönheit, weil es verschiedene Brennspuren hat.

Verblüffende Wirkung

Die zweite aktuelle Ausstellung im Gluri-Suter-Huus heisst «Körpergeschichten» und löst beim Besucher sehr direkt unterschiedlichste physische Befindlichkeiten aus. Elisabetha Bleisch aus Zürich bespielt mit ihren archaischen Meteoriten aus pigmentgefärbtem Kunststoff einen halben Raum. Deren Wirkung ist verblüffend ambivalent. Aus der Distanz wirken sie ästhetisch und wohltuend, doch je näher man ihnen kommt, desto bedrohlicher erscheinen sie. Grosser Traum von Ausstellerin Mette Stausland war es, Tänzerin zu werden. Ein schwerer Unfall machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Jetzt bringt die Finnin ihre Choreografien zu Papier statt auf die Bühne. Mit unzähligen Bleistiftstrichen realisiert sie abstrakte Zeichnungen, die ihr fast so viel Energie abfordern wie das Tanzen. Stausland lebte lange in Wettingen und hat dem Aargau viel zu verdanken.

Zufällig verbunden und beobachtet

Angelina Burri aus Luzern zeigt sich per Videoeinspielung live auf Chatroulette, einer Social-Plattform, die zwei zufällige Nutzer miteinander verbindet. Meistens geht es dabei um Sex. Während Burri kocht, wird sie von verschiedenen Chatpartnern beobachtet. Mit teilweise sehr anzüglichen Reaktionen. «Mir geht es darum, mit meiner intermedialen Performance einen Geschlechterdiskurs anzuregen», sagt sie dazu, «wer ist Subjekt, wer ist Objekt?»

Galerie Gluri-Suter-Huus Bifangstrasse 1, Wettingen. Die Ausstellung von Tomaž Gnus «Soweit ich kam 1» läuft noch bis 29. April. Die Folgeausstellung «Soweit ich kam 2» dauert vom 27. Mai bis 1. Juli. Die Ausstellung «Körpergeschichten» mit Werken von Elisabetha Bleisch, Mette Stausland und Angelina Burri kann ebenfalls bis zum 29. April besucht werden. Öffnungszeiten: Mi. bis Sa., 15 bis 18 Uhr, So., 11 bis 17 Uhr.