Vogelsang

Schlachthof wird zum Ski- und Snowboardshop

Sandro Schibli (l.) und Denis Cremer führen neu das Ski- und Snowboardgeschäft Aloha in Vogelsang. Sandra Ardizzone

Sandro Schibli (l.) und Denis Cremer führen neu das Ski- und Snowboardgeschäft Aloha in Vogelsang. Sandra Ardizzone

Der Inhaber von Aloha Boards&Style ist ausgewandert – jetzt übernehmen zwei Jugendfreunde das Geschäft. Der Verkauf von Ski und Snowboards ist für sie aber nur zweitrangig.

17 Jahre lang war das Fachgeschäft Aloha Boards & Style in Vogelsang ein beliebter Treffpunkt – aber nicht nur für Ski und Snowboardfans. Mit einem Gartentrampolin und einer Seilwinde, um auf der Limmat Wakeboard zu fahren, lockte der Laden junge und alte Sportbegeisterte aus der ganzen Region an. Seit August sind die Schaufenster an der Limmatstrasse 29 jedoch leer. Die Tür ist verriegelt.

Ist etwa ein weiteres Geschäft der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen? «Nein», sagt Denis Cremer und fügt an: «Besitzer Stefan Toni ist im Sommer nach Thailand ausgewandert. Seither führen wir das ‹Aloha› weiter, einfach in einem kleineren Rahmen.» Der 25-Jährige sitzt mit seinem Jugendfreund Sandro Schibli (24) in einem kleinen Häuschen, das direkt an der Limmat und gegenüber dem ehemaligen «Aloha»-Standort liegt. Früher wurde es von Stefan Toni als Materiallager benutzt, heute wird dort das «Aloha» weitergeführt. Mithilfe von Kollegen haben die beiden das Häuschen umgebaut. Das war auch nötig: «Früher wurden hier Tiere geschlachtet. Von der Decke hängt sogar noch ein Fleischhaken», sagt Schibli mit einem Schmunzeln und blickt nach oben. In aufwendiger Handarbeit haben sie die Plättchen an den Wänden entfernt, die Böden herausgeputzt und Platz für Ski und Snowboards geschaffen. Rund 200 Stück sind nun fein säuberlich in der Werkstatt ausgestellt. Ebenso viele Paar Schuhe stehen in Reih und Glied in den Regalen.

Jeweils am Samstag von 10 bis 16 Uhr bedienen Denis Cremer und Sandro Schibli hier die Kunden. Dabei steht nicht mehr wie einst der Verkauf von Ski und Snowboards sowie Kleider im Fokus. «In Zeiten des Onlinehandels wird es immer schwieriger, ein Fachgeschäft zu betreiben», sagt Cremer. «Vor allem, weil wir das ‹Aloha› nur nebenbei führen». Cremer selber besucht die Pädagogische Hochschule Zürich, Schibli arbeitet als Spengler und besucht berufsbegleitend die Polierschule. «Wir konzentrieren uns vielmehr auf die Vermietung und die Materialtests. Darin sehen wir grosses Potenzial», sagt der angehende Lehrer. Bei Bedarf könne man Termine für Vermietungen auch telefonisch vereinbaren. Zudem planen die beiden, im Winter regelmässig Ski- und Snowboardweekends durchzuführen. «Unser Ziel ist es, dass die Kunden Spass haben», sagt Cremer. Auf den Verkauf verzichten die Jungs dennoch nicht. «Wenn den Kunden ein Board passt, dann können sie es selbstverständlich kaufen.»

Werkstatt ist gut angelaufen

Die Kontakte zu Lieferanten und Kunden haben die neuen «Aloha»-Geschäftsführer von Stefan Toni übernehmen können. Die meisten von diesen kennen Cremer und Schibli persönlich – über zehn Jahre haben sie im Fachgeschäft ausgeholfen. Dabei betreuten sie Kunden, gaben Bestellungen auf, warteten Ski und Snowboards. «Vielleicht werden jetzt einige Kunden abspringen, denn viele kamen auch wegen Stefan ins ‹Aloha›», sagt Cremer. Doch die leidenschaftlichen Snowboardfahrer sind überzeugt, dass auch neue hinzukommen werden. Der Betrieb der Werkstatt sei jedenfalls gut angelaufen. «Als die Temperaturen zu sinken begannen, kamen gleich die ersten Kunden», sagt Schibli. Darunter waren auch viele Eltern, welche die Ski und Snowboards ihrer Kinder für die Wintersaison parat machen liessen.

Aus Leidenschaft den Shop führen

«Den Service an Ski und Snowboards führen wir von Hand durch», sagt Cremer. Einzig für das Schleifen der Kanten benutzen sie eine Maschine. In dieser Hinsicht bezeichnen sich die Jungs als old school. Das Handwerk lernten sie bei ihrem ehemaligen Chef. Obwohl dieser heute rund 9000 Kilometer vom «Aloha» entfernt wohnt, ist er dem Laden verbunden geblieben. So gibt Stefan Toni ihnen noch heute Tipps und Tricks. «Wir sind fast täglich in Kontakt», sagt Cremer.

Das Inventar und die Miete für die Werkstatt bezahlen die beiden aus eigener Tasche. «Uns geht es nicht ums Geldverdienen. Wir führen den Laden aus Leidenschaft weiter. Und weil wir Sport lieben», sagt Schibli. Solange man die Nebenkosten bezahlen könne, sei man zufrieden, fügt Cremer an. Jetzt werden sie erst einmal abwarten, wie die Wintersaison läuft. Dann werden sie entscheiden, in welchem Umfang sie die Werkstatt weiterbetreiben wollen. Sicher ist: Das Gartentrampolin und die Seilwinde werden sie – sobald es die Temperaturen erlauben – im nächsten Jahr wieder montieren. «So bleibt das ‹Aloha› auch nach 17 Jahren weiterhin ein beliebter Treffpunkt», sagt Cremer.

«Aloha»-Saisoneröffnung: Mit Rabatten, Bar und Tombola. Heute von 10 bis 18 Uhr, Limmatstrasse, Vogelsang.

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