Baden-Dättwil

Schleichwege statt Grossbaustelle: Autofahrer missachten Fahrverbot

Nur der RVBW-Bus, Anwohner und Befugte dürfen – hier bei der Einmündung Sommerhaldenstrasse – durch die Pilgerstrasse fahren.

Nur der RVBW-Bus, Anwohner und Befugte dürfen – hier bei der Einmündung Sommerhaldenstrasse – durch die Pilgerstrasse fahren.

An der Pilgerstrasse in Baden sind der Stadtpolizei reihenweise Schleichwegfahrer in die Fänge geraten, obwohl dort seit 1992 ein Fahrverbot herrscht. Doch nicht nur diese Strasse wird seit dem Schulhausplatz als Schleichweg missachtet.

Der Verkehr funktioniert wie das Wasser: Er fliesst dort durch, wo der Widerstand am geringsten ist, wo es am schnellsten geht. Das Schleichwegfahren durch Badener Aussenquartiere ist darum schon lange für manche Autofahrer zur Normalität geworden. Die Ordnungsbusse von 100 Franken ist im Strassenverkehrsgesetz festgesetzt und schreckt offenbar nicht ab.

Pilgerstrasse ist «beliebt»

Dass die Ausbeute einer Verkehrskontrolle an der Pilgerstrasse besonders gross ausgefallen ist, überrascht Max Romann, stellvertretender Chef Stadtpolizei, keineswegs: «Es ist bekanntermassen die Abkürzung aus Richtung Mellingen und Rohrdorferberg, die direkt zur Autobahnauffahrt führt», sagt Romann.

Seit die Bauarbeiten am Schulhausplatz und diejenigen für den Birmenstorfer Kreisel beim Knoten Chrüz begonnen haben, dürfte sich die Zahl der Schleichwegfahrer noch erhöht haben, meint Romann.

Die Anwohner an der Pilgerstrasse können ein Lied davon singen. Erst kämpfte man während Jahren um Verkehrsbeschränkungen (siehe kleine Textbox). Zeitweise wurden schon in den 80er-Jahren über 2000 Autodurchfahrten auf der Pilgerstrasse gezählt.

Erst mit dem Fahrverbot «ausgenommen Bus und Zubringerdienst» hatte sich die Situation beruhigt. Dennoch hat der Dorfverein den Stadtrat schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass das Fahrverbot auf der Pilgerstrasse, aber auch dasjenige auf der Dorfstrasse, um den Stau auf der Mellingerstrasse zu umfahren, wiederholt missachtet würde.

Es wird nun öfter kontrolliert

Wer unbefugterweise diese Abkürzungen benutzt und das Fahrverbot missachtet, geht in nächster Zeit ein höheres Risiko ein, dabei erwischt zu werden. Das gilt ebenso für die Route zwischen Burghalden- und Rütistrasse, auf der von Mellingen oder von der Bruggerstrasse her der Schulhausplatz umfahren wird, wie für die Zürcherstrasse, die von Mellingen herkommend dazu verleitet, vor dem Schulhausplatz Richtung Neuenhof abzubiegen.

«Wir führen an diesen neuralgischen Stellen regelmässig Kontrollen durch», kündigt Romann an. Es gehe dabei aber nicht darum, das Bussenbudget aufzupolieren. Vielmehr will man die Quartiere vor unbefugter Durchfahrt und damit zusätzlichen Immissionen schützen.

Für Romann ist nämlich klar: «Fahrverbote allein nützen leider manchenorts wenig, wenn keine Kontrollen stattfinden.» Wer erwischt wird, bezahlt eine Busse von 100 Franken. «Wir gehen davon aus, dass es Autofahrer gibt, die regelmässig das Verbot missachten und eine solche Busse sogar in Kauf nehmen», fügt Romann an.

Bussenkonto dürfte wieder steigen

Die Busseneinnahmen der Stadt Baden dürften mit diesen zusätzlichen Kontrollen zweifelsohne wieder ansteigen. Dies entgegen der Prognose, die der Stadtrat bereits für das Budget 2015 abgegeben hat. Er war aufgrund des geringeren Verkehrsumfangs durch die Baustelle am Schulhausplatz der Meinung, die Zahl der Ordnungsbussen würde sinken.

Über Jahre hinweg stellten die Schiefe Brücke und die teilweise gesperrte Schartenstrasse dank Videoüberwachung oder Kontrollen lukrative Einnahmequellen dar. Im Jahr 2011 beliefen sich die Bussenerträge der Stadt Baden noch auf einem Total von 2,845 Millionen Franken, sind dann auf 2,5 Millionen (2013) gesunken.

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