Killwangen

Schliessung des Doppelkindergartens: Ex-Gemeinderat erhebt Vorwürfe

Ausser Betrieb – der neue Doppelkindergarten. Patrick Bellini wirft dem Gemeinderat vor, zu spät gehandelt zu haben.

Ausser Betrieb – der neue Doppelkindergarten. Patrick Bellini wirft dem Gemeinderat vor, zu spät gehandelt zu haben.

Die Schliessung des neuen Doppelkindergartens ruft den früheren Gemeinderat Patrick Bellini auf den Plan. Er wirft dem Gemeinderat vor, zu spät gehandelt zu haben.

Wegen Baumängeln, die zu Folgeschäden führten, wurde der 2014 eröffnete Doppelkindergarten in Killwangen vorübergehend geschlossen (die AZ berichtete). Weil die zuständige Spenglerfirma die Abdichtungen unfachgemäss ausgeführt hatte, war Wasser durch die Bodenplatten in den Kindergarten eingedrungen. Trotz diverser Sanierungsmassnahmen griff die entstandene Feuchtigkeit die Holzkon-struktion so stark an, dass der Gemeinde nichts anderes übrig geblieben war, als den Kindergarten vorübergehend zu schliessen. Mit einem Bauphysiker wird nun abgeklärt, was alles gemacht werden muss, um den Kindergarten wieder nutzen zu können.

Doch: «Von einer vorübergehenden Schliessung kann keine Rede sein», ist sich der ehemalige Gemeinderat Patrick Bellini sicher, der bis Ende 2017 in der Killwangener Exekutive tätig war. Für Wirbel sorgte der frühere Leiter der Baukommission, als er kurz vor den Wahlen die Partei wechselte, um nur eine Woche später wegen mangelnder Unterstützung wieder aus der neuen Partei auszutreten.

Bellini sass noch im Gemeinderat, als 2015 erste Schäden beim Doppelkindergarten auftraten: «Und vier Jahre danach ist es nur noch schlimmer geworden», sagt er und tritt nach: «Mit der Schliessung des Doppelkindergartens hat sich der Gemeinderat ein Kabinettstückchen sondergleichen geleistet.» Laut Bellini habe dieser zwar früh erkannt, dass man etwas tun müsste, doch «statt nachhaltige Lösungen umzusetzen, wie die einer Sickerleitung, wurden Sumpfpflanzen um den Kindergarten angelegt.» Es sei über Jahre ausser Acht gelassen worden, dass die Feuchtigkeit bereits in die Holzkonstruktion eingedrungen sei, «die sich nun als Schimmelpilz manifestiert hat.»

Verletzung des Amtsgeheimnisses?

Bellini holt aus: «Hätte die Gemeinde die Zuständigkeiten klar geregelt, den Mut gehabt, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und diese entschlossen umgesetzt, hätte das Schadensausmass bei weitem vermindert werden können.» Er unterstellt dem Gemeinderat, zu spät gehandelt zu haben. So hätte sich die Mehrheit der Gemeinderäte zum Beispiel geweigert, eine Sickerleitung zu installieren, um die Staunässe abzuleiten, schrieb er in einem Online-Kommentar zum BT-Artikel von letzter Woche. Einen Tag später habe er ein Telefonat von Gemeindeammann Werner Scherer erhalten, der ihm mitteilte, dass er, Patrick Bellini, damit das Amtsgeheimnis verletze und mit rechtlichen Schritten rechnen müsse. «Das ist doch die Härte», findet Bellini.

Es gehe ihm hier überhaupt nicht darum, Geheimnisse auszuplaudern oder eine Revanche zu fahren, sondern um die Sicherstellung von Transparenz und die sofortige Umsetzung von Massnahmen: «Der Gemeinderat hat zu lange nichts unternommen, um das Problem des Wasserlecks nachhaltig zu beheben.» Als Killwangener möchte er einfach wissen, was hier genau geht und was das alles kosten wird.

Option Abbruch

Gemeindeammann Werner Scherer (SVP) will keine Stellung zu den Anschuldigungen von Patrick Bellini nehmen: «Es handelt sich hier um ein laufendes Verfahren. Wir kommunizieren, wenn alles abgeschlossen ist.» Eine Rechtsberatung ist involviert. «Diese wird nun alles analysieren», sagte der zuständige Gemeinderat Hanspeter Schmid (parteilos) letzte Woche. Er sagte auch, dass inzwischen eine Sickerleitung installiert worden ist.

In ihrer Mitteilung letzte Woche schrieb die Gemeinde, dass in Schulferien und an Wochenenden diverse Arbeiten ausgeführt worden waren, um den Kindergarten wieder instandzustellen. Nach einer längeren Austrocknungsphase war geplant, in diesen Skiferien Abschlussarbeiten im Innern des Gebäudes vorzunehmen. Doch bei der Entfernung einzelner Wandplatten zeigte sich, wie stark ein Teil der Holzkonstruktion gelitten habe und eine grössere Sanierung unumgänglich sei.

«Die Zukunft von Killwangen», so nannte der früher zuständige Gemeinderat Jürg Lienberger (SVP) 2013 an der Gemeindeversammlung den Kindergarten, als es um die Genehmigung des Kreditbegehrens von 1,733 Millionen Franken ging. Doch die Zukunft sieht düster aus. Im schlimmsten Fall müsste der Kindergarten wieder abgerissen werden, wenn man Lienbergers Worten an einem Polit-Infoabend im letzten Jahr Glauben schenkt: «Zwei Bauexperten, Handwerker aus dem Dorf, haben uns gesagt, der Kindergarten sei abbruchreif.» Er sagte auch, dass das Holzgebäude in einem bedenklichen Zustand sei. Bellini war ebenfalls an diesem Info-Abend: «Etwas erschrocken über die eigene Pointiertheit widersprach sich der Gemeinderat an derselben Veranstaltung selbst und wiegelte die Aussagen Lienbergers wieder ab.»

An der Veranstaltung gingen ausserdem Gerüchte um, dass die Gemeinde von der Generalunternehmerin, der Holzbaufirma Häring AG, welche die Spenglerarbeiten an Dritte ausgelagert hatte, 2018 bereits eine Abfindung erhalten habe. «Das weiss ich auch aus gut informierten Quellen», so Bellini. «Nur: Was bedeutet das nun für die Behebung der weiteren Schäden und überhaupt für den Finanzplan?» Er ist sich sicher: «Der Killwangener Steuerzahler darf blechen!»

Das für den Bau verantwortliche Generalunternehmen selbst will offenbar nichts mehr vom Doppelkindergarten wissen. Wer auf deren Website nach dem Bauprojekt sucht, wird nicht mehr fündig: Es erscheint eine Fehlermeldung.

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