Baden
Schloss Stein: Bund hält nichts von einem Wiederaufbau

Pierre Mollet glaubt weiter an seine Idee, die Schlossruine wieder aufzubauen. Doch das Bundesamt für Kultur winkt ab: Eine Rekonstruktion mache wenig Sinn.

Martin Rupf
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Badener Schloss Stein soll wieder aufgebaut werden
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Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.
Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.

Badener Schloss Stein soll wieder aufgebaut werden

Elia Diehl

Ist es bloss eine Vor-Fasnachtsidee oder wirklich ein ernstzunehmender Gedanke? Ende letzten Jahres verkündete der Badener Pierre Mollet seine Idee eines Wiederaufbaus der Schlossruine Stein (az vom 27. Dezember). Eine Rekonstruktion des ehemals stolzen Schlosses Stein könnte zum Aushängeschild für die Stadt Baden werden und ihr helfen, aus der jetzigen Krise herauszufinden.

Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.

Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.

Elia Diehl

Doch wie haben offizielle Kreise die Idee aufgenommen? «Ich finde die Idee von Pierre Mollet interessant», sagt Stadtammann Geri Müller. Sie werde aber wohl kaum an einer der nächsten Stadtratssitzungen besprochen. «Wir haben sehr viele kreative Menschen in Baden; müssten wir jede originelle Idee im Stadtrat besprechen, hätten wir jeden Tag eine Sitzung.»

So interessant Müller die Idee auch findet, für ihn gibt es auch gute Gründe für die Beibehaltung der Schlossruine Stein: «Das Schloss Stein mit seiner Geschichte sehe ich auch als Mahnmal, was passieren kann, wenn eine Religion einer anderen den Kampf ansagt oder wenn verschiedene Glaubensrichtungen gegeneinander ausgespielt werden.» Eine Thematik, die gerade wieder in der heutigen Zeit aktueller denn je sei, so Müller.

«Machbar, aber nicht bezahlbar»

Ebenfalls angetan von der Idee ist Rainer Kaufmann, Geschäftsleiter der Ingenieurfirma Kaufmann und Partner AG in Rupperswil. Sein Büro war um die Jahrtausendwende massgeblich an der grossen Sanierung der Schlossruine Stein beteiligt. «Eine Rekonstruktion wäre sicher machbar und ich bin mir auch sicher, dass man bei solchen Arbeiten noch viel Spannendes entdecken würde.» Natürlich würde sein Büro eine solche Rekonstruktion gerne realisieren. Und doch gibt Kaufmann zu bedenken: «Ein solches Projekt würde mehrere Jahre in Anspruch nehmen und wäre fast nicht bezahlbar.»

Bund: «Keine historische Substanz»

Mollet selber schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass seine «identitätsstiftende Idee» dereinst umgesetzt wird, mit «fifty-fifty» ein. Einen argen Dämpfer erteilt ihm aber auf Anfrage das Bundesamt für Kultur. «Historische Rekonstruktionen sind immer bedenklich und nur in ganz besonderen Fällen eine gute Lösung», sagt Oliver Martin, Leiter Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege beim Bundesamt für Kultur. So sei zum Beispiel die Kapellbrücke in Luzern unmittelbar nach dem Brand im Sinne einer Reparatur teilrekonstruiert worden.

Von der Idee eines Wiederaufbaus der Schlossruine Stein in Baden hält Martin wenig. «Das hätte nichts mit Denkmalschutz zu tun. Überhaupt macht es wenig Sinn, nach Jahrhunderten ein historisches Objekt in einem völlig anderen zeitlichen Kontext wiederherstellen zu wollen», so Martin. Denn dabei käme nicht viel mehr als eine bildhafte Kopie ohne Authentizität zustande.

«Selbst wenn man sich an alten Plänen, Modellen oder Überlieferungen orientiert: Es entsteht ein Objekt ohne historische Substanz und ohne grossen Zeugniswert – ein einmal zerstörtes Denkmal kann man nicht wiederherstellen», hält Martin fest.

Ideengeber Pierre Mollet lässt sich weder von diesen Worten entmutigen noch von der angespannten Finanzlage der Stadt Baden: Er habe sich von vielen Seiten anhören müssen, das gehe nicht. «Doch ich lasse nicht locker, ich glaube weiter an diese Idee.»