Die Mitarbeiter der Kläranlage (ARA) Mellingen können seit Donnerstag endlich wieder durchatmen und mit ihnen die Bewohner in der näheren Umgebung. Die Schlammtrocknungsanlage wurde abgeschaltet. Sie hatte in den vergangenen zehn Jahren immer wieder einen beissenden Geruch in die Wohnquartiere verströmt und damit für zahlreiche Reklamationen gesorgt.

Bruno Gretener, Gemeindeammann und Präsident des Abwasserverbandes Region Mellingen, liess es sich denn auch nicht nehmen, zusammen mit ARA-Betriebsleiter Ruedi Bürki die Anlage abzuschalten. Damit zogen die beiden einen Schlussstrich unter die leidige Geschichte.

Die letzte Mulde mit Granulat verlässt die Kläranlage in Mellingen.

Die letzte Mulde mit Granulat verlässt die Kläranlage in Mellingen.

Bürki erinnerte sich: «In der Anfangszeit bekam ich täglich drei bis vier Anrufe von Anwohnern, die sich über den Gestank beklagten.» 2007 versuchten die Hersteller der Anlage, mit einem Abluftwäscher den Geruchsemissionen Herr zu werden. Der Gestank blieb.

2010 montierten sie zusätzlich einen Biofilter, der die Abluft vom Gestank befreien sollte. «Seit her ist es deutlich besser geworden», sagte Bürki. Doch je nach Wind und Wetter, zog immer noch ein ätzendes Lüftchen zu den Wohnquartieren. Immerhin: Die Zusatzkosten, gingen zulasten des Herstellers. Dieser hatte nämlich garantiert, dass die Emissionen unter dem erlaubten Grenzwert liegen würden. Nicht nur dies: Er prognostizierte für die Anlage auch eine Lebensdauer von 15 Jahren.

Am Gestank lag es nicht

Letztlich war der Gestank aber nicht der Grund, weshalb die Anlage nach zehn Jahren frühzeitig abgeschaltet worden ist. «Viele Komponenten sind in einem schlechten Zustand und müssten ersetzt werden», erklärte Gemeindeammann Gretener. Beim Schlamm handle es sich um sehr aggressives Material. Dieses verursachte Korrosionsschäden. Es würde sich aber nicht lohnen, erneut zu investieren, denn die Preise für die Klärschlamm-Entsorgung haben sich in den letzten Jahren beinahe halbiert», sagte Gretener.

Und weil die Entsorgung günstiger geworden ist, mache es mehr Sinn, den Klärschlamm künftig in die Trocknungsanlage in Würenlingen zu transportieren. Die ARA wird den Schlamm nur noch entwässern.

Bis die Trocknungsanlage 2006 in Betrieb ging, hatte man den Schlamm auf den Feldern ausgebracht. Doch auf das Jahr 2006 hin, hatte der Bund das Düngen mit Klärschlamm verboten.

Drei Millionen Franken hatten die Abwasserverbände Region Mellingen und Bremgarten-Mutschellen investiert. Obwohl man nun die Trocknungsanlage vorzeitig abgeschaltet hat, habe sich die Investition für die Abwasserverbände gelohnt, sagt Gretener. «Das Geld welches man in den zehn Jahren gespart hat, weil man die Entsorgung selber übernahm, wiegen die Investitions- und Betriebskosten auf.»

Einer hat das Nachsehen

Die ARA produzierte aus dem Schlamm jährlich 1350 Tonnen Granulat, das im Jura-Cementwerk Wildegg zum Heizen verbrannt wurde. Gestern liefert Transporteur Peter Jenni die letzte mit Granulat gefüllte Mulde ins Zementwerk. Weit über 1000 Fahrten hat Jenni in den zehn Jahren gemacht. Er war gestern der Einzige, für den das Abschalten der Anlage einen unerfreulichen Beigeschmack hatte. Ihm geht ein wichtiger Transportauftrag verloren.