Baden
«Schnägglis» Rechtsberater ist Grossratspräsident Thierry Burkart

Nach der unsanften Verhaftung hat der Badener Wirt Markus Widmer eine Entschuldigung von der Polizei erhalten. Unterstützung hatte er von prominenter Seite – von Grossratspräsident Thierry Burkart. Und der ist froh um die Einigung.

Thomas Röthlin
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Markus Widmer und Thierry Burkart.

Markus Widmer und Thierry Burkart.

TeleM1/AZ-Archiv

Was für eine Woche für den Badener Markus Widmer: Dem «Rebstock»-Wirt brandete eine Welle von Sympathie und Mitleid entgegen, weil er letzten Sonntagabend von zwei Polizisten auf unsanfte Art vom Velo gezerrt, auf den Boden gedrückt und in Handschellen gelegt worden war. Dabei wollte Widmer doch nur den Sieg der Schweizer Nati gegen Ecuador an der Fussball-WM in Brasilien ausgelassen feiern.

Gestern nun erfuhr Widmer von den beiden Beamten jene Genugtuung, die er sich bereits am Dienstag gewünscht hatte, als der erste Schock verdaut war: eine Entschuldigung. Nach einer Aussprache am Morgen gelangte das offizielle Baden am Nachmittag an die Öffentlichkeit. Ja, in den «erheblichen Reaktionen in der Bevölkerung» sei insbesondere «der grobe körperliche Zugriff durch zwei Angehörige der Stadtpolizei» kritisiert worden. Und ja, beide hätten «unter dem Eindruck der Umstände eingeräumt, zu stark eingegriffen zu haben». Deshalb muss die Stadtpolizei bis im Herbst «einen Bericht mit möglichen Verbesserungsvorschlägen» verfassen und diesen dem Stadtrat vorlegen.

Noch nicht verarbeitet

In der Mitteilung steht aber auch, die «unübersichtliche und schwierige Situation» am Sonntagabend sei von allen Betroffenen anerkannt worden, «die Geschehnisse und die nachfolgenden Entwicklungen» würden von allen bedauert - also auch von Markus Widmer. Zudem habe dieser «eingestanden, sich im Strassenverkehr falsch verhalten zu haben». Sprich: Der Wirt war alkoholisiert, was dieser auf Anfrage nicht abstreitet.

Widmer könnte aus dem Schuldeingeständnis der Polizei nun Kapital schlagen und diese wegen Körperverletzung anzeigen - er musste sich notfallmässig im Kantonsspital Baden behandeln lassen. Doch von rechtlichen Schritten will Widmer absehen. «Mit der Entschuldigung ist die Sache für mich juristisch erledigt», sagt er. Er müsse sie jetzt nur noch persönlich verarbeiten. Als fast ebenso wichtig wie das «Sorry» empfindet Widmer den Auftrag an die Stadtpolizei Baden, über die Bücher zu gehen.

Prominenter Fürsprecher

Auch wenn er ihn jetzt nicht mehr braucht: Markus Widmer hätte einen prominenten Fürsprecher. Beim in der Medienmitteilung aufgeführten «Rechtsberater» handelt es sich um den derzeit höchsten Aargauer, den Grossratspräsidenten Thierry Burkart (FDP), wie dieser auf Anfrage der Aargauer Zeitung bestätigt.

Warum exponiert sich der umtriebige Politiker ausgerechnet in einem Fall, bei dem die Gegenpartei die Staatsgewalt ist? Er habe dieses Mandat nicht gesucht, lässt Rechtsanwalt Burkart durchblicken. Vielmehr sei er von einer gemeinsamen Bekannten angefragt worden, ob er Markus Widmer nicht unterstützen würde - und da habe er Ja gesagt. Burkart ist froh über die gütliche Einigung.

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