Hertenstein
«Schnee ist für uns das Schlimmste»

Das Christbaumgeschäft hält die Familie Schmid vom Eichmatthof auf dem Hertenstein auf Trab.

Leonie Voelkin
Merken
Drucken
Teilen
Hansueli Schmid und seine Tannen auf dem Eichmatthof auf dem Hertenstein zwischen Ennetbaden und Freienwil.

Hansueli Schmid und seine Tannen auf dem Eichmatthof auf dem Hertenstein zwischen Ennetbaden und Freienwil.

Jiri Reiner

Wer pflanzt eigentlich diese grünen Tannen, die über die Festtage die Stuben mit ihrem weihnachtlichen Glanz erfüllen? Hansueli Schmid ist ein Pionier in der Schweizer Christbaumzucht und verkauft jährlich eine Vielzahl von Bäumen. Vor 37 Jahren begann Schmid auf dem Eichmatthof seine Christbaumzucht aufzubauen.

Der Verkauf ging zwar erst am Freitag los, «doch viele Leute kommen schon im Voraus vorbei und suchen sich einen Baum aus», sagt Schmid. In der Kafistube bekommt jeder Christbaumkäufer ein heisses Getränk offeriert. Und im Hoflädeli können gleichzeitig noch kleine selbst gemachte Weihnachtspräsente erstanden werden.

Wie er zum Tannenbaumzüchter wurde? «Als ich 1966 im Ausland war, habe ich gesehen, dass es den Betrieben mit Nischenprodukten besser geht und sie mehr Erfolg haben», sagt Schmid, «sonst geht es der Landwirtschaft nicht allzu gut». Auch Schmid wollte Erfolg haben und begann als erster in der Schweiz mit dem Anbau von Nordmannstannen, in der Hoffnung, es funktioniere. Der Anfang sei schon sehr schwer gewesen. «Ich musste mir alles selbst aneignen und besuchte extra Kurse und Seminare in Deutschland.» Nach und nach stellte sich der Erfolg ein.

Blautannen sind nicht so beliebt

Um den 6. Dezember beginnt die Familie jedes Jahr mit der Unterstützung von Freunden und Helfern die Tannen zu schneiden. «Die Tannen müssen wir in den Hof tragen, wenn es Schnee hat, ist das ein noch viel grösserer Krampf», sagt er. «Schnee ist das Schlimmste, das uns passieren kann, weil die Tannen viel zu schwer werden und man nur schlecht vorankommt.»

Bei Weihnachtsbäumen kann man von Meterware sprechen: «Wir haben einen Preis pro Meter, der dann angepasst wird, je nachdem ob der Baum einen Fehler hat.» Wenn die Vögel auf die jungen Terminaltriebe (das ist der senkrechte Spitz) sitzen, brechen die Spitzen ab und wachsen nicht mehr nach, das sei ein Qualitätsverlust und würde den Preis senken. «90 Prozent unserer Bäume sind Nordmanntannen», sagt Hansueli Schmid. «Wir haben auch Blautannen. Aber die stechen; für Leute mit Kinder und Haustieren sind die weniger geeignet.» Die Coloradotannen mag Hansueli Schmid mehr: «Die haben längere Nadeln, einen schmaleren Wuchs und riechen sehr gut.»

Die Samen für die Nordmanntannen stammen aus dem Kaukasus, erzählt Hansueli Schmid: «Die werden dort von einheimischen Sammlern von den Bäumen geholt.» Die Samen werden dann in Dänemark zu kleinen Tännchen gezogen und als 3 bis 4-jährige Setzlinge auf dem Hertenstein gepflanzt. Nach acht Jahren sind sie dann etwa einen Meter hoch. «70 Zentimeter ist ungefähr die Mindestgrösse, die wir verkaufen, unsere grössten Bäume messen um die acht Meter», sagt Schmid. Er kennt seine Ware: «Jeden einzelnen Baum begutachte ich mindestens acht mal pro Jahr.» Die Leute sähen meist gar nicht, welche Arbeit dahintersteckt. «Man muss sie düngen und spritzen gegen Weisstannenläuse.» Und um zwischen den Reihen nicht auch noch gross mähen zu müssen, hält man auf dem Eichmatthof Shropshire Schafe. «Das spezielle an dieser Rasse ist, dass sie die Tannenspitzen nicht abfrisst», so Schmid. Im Sommer seien die Tiere lebende quasi Rasenmäher.