Baden/Wettingen
Schneepflüge vermiesen Kindern den Schlittelspass im Quartier

Endlich ist wieder einmal genug Schnee gefallen, dass die Quartierstrasse zu einer Schlittelpartie einlädt. Doch die Sicherheit hat für die Werkhöfe oberste Priorität – egal, wie traumhaft die weisse Pracht ist.

Stefanie Suter und Sabina Galbiati
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Von der Oberen Halde schlittelt definitiv keiner mehr zur Holzbrücke hinunter.

Von der Oberen Halde schlittelt definitiv keiner mehr zur Holzbrücke hinunter.

Stefanie Suter

Seit Tagen schon schneit es in der Region fast ununterbrochen – so viel wie in den letzten fünf Jahren nicht mehr. «2010 fiel das letzte Mal mit 18 Zentimetern gerade mal halb so viel Schnee über die Festtage», sagt Xaver Willi, der in Ehrendingen eine Wetterstation betreibt. Beste Voraussetzungen also, um Schneemänner zu bauen, Schneeballschlachten zu schlagen oder die Hänge hinunterzuschlitteln.

Doch das eine oder andere Kind dürfte jeweils am Morgen schwer enttäuscht sein: Das Weiss, das sich über Nacht auf der Strasse vor dem Haus angesammelt hat, haben eifrige Werkhofmitarbeiter schon in der Früh mit Pflug und Salz verschwinden lassen.

«Neben den Hauptverkehrsachsen und Buslinien räumen wir auch einige Quartierstrassen schwarz», bestätigt der Badener Werkhofleiter Thomas Stirnemann. «Ansteigende Strassen können gefährlich sein, wenn sie Schnee bedeckt sind.» Denn abwärts könnten die Autofahrer beim Bremsen ins Rutschen geraten, während sie hangaufwärts kaum vorwärtskämen.

«Aus diesem Grund salzen unsere Mitarbeiter Strassen mit einem Gefälle über 5 Prozent.» Damit die Fussgänger nicht stürzen, werden Wege in der Innenstadt ganz freigeräumt, insbesondere die Treppen und Rampen bei den Unterführungen. «Wir müssen eine gewisse Grundsicherheit bieten», sagt Stirnemann. «Verletzt sich ein Fussgänger oder Autofahrer, ist die Stadt wegen grober Fahrlässigkeit haftbar.»

Im Nachbardorf Wettingen zeigt sich das gleiche Bild. Auch hier räumt der Werkhof nicht nur die Hauptverkehrsachsen, Busslinien und Trottoirs, sondern auch Hangstrassen. Die übrigen Quartierstrassen werden weiss geräumt.

«Wir halten uns bei der Schneeräumung an die Winterdienstnormen des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute», sagt Werkhofleiter Luca Cioni. «Dass wir die steilen Quartierstrassen ganz vom Schnee befreien, ist nicht gegen die Kinder gerichtet», ergänzt er. «Aber durch die Räumung leisten wir den geforderten Beitrag zur Sicherheit des Fuss- und Fahrzeugverkehrs.» Auf schneebedeckten, steilen Strassen könnten Lastwagen, Autos, Velos und Fussgänger schnell ins Rutschen geraten. «Das wäre sehr gefährlich.»

Strassen mit Kieselsteinen zu splitten sei ökologisch weniger sinnvoll, sagt Cioni. «Auf den Splitt bleiben Pneuabrieb und andere Schadstoffe zurück.» Seien die Strassen wieder vom Schnee und Eis befreit, müsse der Split wieder eingesammelt und speziell entsorgt werden. «Andererseits bringt es nichts, wenn die Temperaturen nicht konstant tief sind», ergänzt er. «Taut das Eis auf, sinken die Steinchen ab. Gefriert das Eis in der Nacht wieder, sind die Steinchen nicht mehr an der Oberfläche, sondern im Eis eingeschlossen.»

Dass in Baden nicht alle glücklich darüber sind, dass die Strassen schwarz geräumt werden, versteht Stirnemann. «Wenn möglich verzichten wir auf das Salzen, um Kosten zu sparen und die Umwelt nicht allzu sehr zu belasten», erklärt er. «Aber letztlich hat die Sicherheit für uns oberste Priorität.» Die Kinder müssten halt auf die Wiesen ausweichen. Denn: «Die Strasse ist kein Spielplatz.»

Zu kalt für Schneemänner

Auf den Wiesen gibt es derzeit mehr als genug Schnee. Doch Eltern und Kinder, die warm eingepackt in der eisigen Kälte einen Schneemann bauen wollen, könnten enttäuscht werden. «Weil die Temperaturen so tief sind, bleibt der Schnee zwar in seiner vollen Pracht liegen, aber er ist trocken und leicht», erklärt Stephan Bader von Meteo Schweiz.

Da fallen die Schneemänner quasi in sich zusammen und der Schneeball zerbröselt in den Händen. «Wer einen Schneehaufen findet, den der Schneepflug zurückgelassen hat, kann versuchen eine Schneerutschbahn zu bauen oder eine Schneehöhle», sagt Bader. Allerdings ist auch da der Schnee sehr empfindlich und es gibt schnell Dellen. «Ein Trick ist, den Schnee leicht zu nässen», damit er schwerer wird und besser hält», sagt er. «Dann klappt es auch mit dem Schneemann oder der Schneefrau.»

Auch für Schlitteln auf der Strasse seien die Bedingungen ideal. «Wenn der Schnee schon leicht angedrückt ist, dann bleibt er lange so und ergäbe eine gute Schlittelpiste», sagt Bader. Es sei aber klar, dass die Sicherheit Vorrang habe und die Strassen deshalb geräumt werden müssten.