Budgetpläne

Schock in Baden: Wettingen zahlt nur noch die Hälfte an das Kurtheater

Wettingen kürzt die Beiträge für das grösste Aargauer Theater – und brüskiert damit die Nachbarstadt Baden.

Wettingen kürzt die Beiträge für das grösste Aargauer Theater – und brüskiert damit die Nachbarstadt Baden.

Die Beiträge für das Badener Kurtheater werden zusammengestrichen. Stadtrat Erich Obrist ist «schockiert» über die Vorgehensweise der Nachbarn.

Badens Stadtammann Markus Schneider (CVP) spricht von einem «schwierigen Zeichen». Und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) von einer «unschönen Situation». Wettingen, das wird aus dem Budgetvorschlag deutlich, will den Beitrag an die Theaterstiftung Baden, also an das Kurtheater, nächstes Jahr reduzieren. Von bisher 95'000 auf neu 50'000 Franken. «Mit Überraschung» habe der Stadtrat Baden von der geplanten Kürzung Kenntnis nehmen müssen, sagt Erich Obrist.

Dass es um die nachbarschaftlichen Beziehungen schon besser bestellt war, ist längst kein Geheimnis mehr: Die 21'000-Einwohner-Gemeinde Wettingen positioniert sich als «Leuchtturm im Limmattal», wie Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) in einem Interview sagte, und distanziert sich damit auch verbal von der selbst ernannten «Zentrumsstadt». Schon 2018 hatte Wettingen dem Nachbarn bei der Kulturförderung die kalte Schulter gezeigt und Beiträge gekürzt.

«Wir sind von Wettingen nicht kontaktiert worden»

Doch diesmal ist die Verärgerung in Baden ungleich höher, auch wenn sich die Stadträte betont diplomatisch geben, um nicht noch mehr Geschirr zu zerschlagen. Man will nicht auch noch die restlichen 50'000 Franken oder gar Beiträge für weitere Institutionen aufs Spiel setzen. «Schockiert sind wir über die Art und Weise, wie Wettingen vorgegangen ist», findet Erich Obrist dennoch klare Worte. «Wir haben von der geplanten Kürzung nicht vom Gemeinderat direkt erfahren, sind nicht kontaktiert worden. Wir haben es aus dem Budget auf der Website der Gemeinde Wettingen herauslesen müssen.»

Stadtammann Markus Schneider ergänzt: «Ich habe Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster kontaktiert und erstens zum Ausdruck gebracht, dass wir überrascht sind von ihrem Entscheid und darüber, wie wir davon haben erfahren müssen. Und zweitens sagte ich ihm, dass der Zeitpunkt für das Kurtheater ungünstig sei.»

«Das ist viel Geld»

Denn das Saison-Programm des grössten Theaters im Aargau stehe fest, die 95'000 Franken aus Wettingen seien ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Budgets. Wettingen wolle den Beitrag nun quasi halbieren, so Schneider. «Das ist viel Geld. Es handelt sich um einen Betrag, der nicht einfach so wettgemacht werden kann.» Als Kulturinstitution plane man die Saison nicht einen Monat, bevor es losgeht.

«Wir in Baden informieren Institutionen jeweils rund ein Jahr vorher, wenn wir vorhaben, die Höhe der Beiträge zu verändern. So bleibt ihnen genügend Zeit, darauf zu reagieren.» So sei dies beispielsweise stadtintern beim Nordportal geschehen, erklärt Schneider.

Das Foyer des Kurtheaters.

Das Foyer des Kurtheaters.

Wie kam der Entscheid zu Stande? Warum kürzt Wettingen ausgerechnet den Beitrag für einen der kulturellen Leuchttürme der Region?

«Wir sind heute den ganzen Tag ausser Haus und können die Fragen erst über das Wochenende beantworten», liess der Gemeinderat gestern via Gemeindeschreiber ausrichten. Klar ist: Wettingen ist finanziell unter Druck, rechnet kommendes Jahr mit einem Defizit von 4,4 Millionen Franken.

Und wie reagiert das Kurtheater? Kulturvorsteher Obrist: «Erst gilt es jetzt, den definitiven Entscheid aus Wettingen abzuwarten. Der Einwohnerrat könnte den Budgetvorschlag rückgängig machen.»

Lara Albanesi, Verwaltungsdirektorin des Kurtheaters: «Wir versuchen, jetzt die Nerven nicht zu verlieren. Wegen Corona ist die Unsicherheit bereits gross. Und nun drohen 45000 Franken beziehungsweise fünf Prozent der Subventionen wegzufallen.» Gespräche mit weiteren Gemeinden, die in die Bresche springen könnten, seien bereits aufgegleist. «Enttäuscht sind wir, weil Wettingen Trägergemeinde der Theaterstiftung Region Baden-Wettingen ist.»

Macht Baden jetzt eine Drohung wahr?

2018, als Wettingen Beiträge an Badener Kulturinstitutionen kürzte, sagte Obrist: «Baden ist sich seiner Aufgabe bewusst, als Zentrumsstadt auch im Kulturbereich besondere Leistungen erbringen zu müssen. Allerdings ist die Geduld und Grosszügigkeit auf Badener Seite nicht unendlich gross.»

Als kleingeistige Konsequenz könnten, je nach Herkunft der Besucher, verschiedene Eintrittspreise für kulturelle Veranstaltungen erhoben werden, sagte er damals. Macht Baden nun die Drohung wahr, falls Wettingen die Beiträge fürs Kurtheater tatsächlich kürzt? «Das kann es nicht sein, und ich hoffe, dass es nie so weit kommen wird», sagt Obrist.

Das Kurtheater nach der grossen Sanierung in Bildern:

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