Baden
Schoggi aus Kinderarbeit: Neue Ausstellung zum nachhaltigen Einkaufen

Gütesiegel sollen den Konsumenten beim Einkauf helfen. Manchmal verführen sie aber nur. Die neue Sonderausstellung «Clever» im Kindermuseum Baden zeigt wie. Musiker Adrian Stern und Stadtammann Geri Müller eröffneten die Ausstellung.

David Egger
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Nachhaltiges Einkaufen: Ausstellung im Kindermuseum Baden
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Nach dem Auswählen scannt Adrian Stern seine Produkte ein, hier zum Beispiel eine Flasche Bio-Süssmost.
Nach dem Einscannen zeigt die Kasse an, wie ökologisch und sozialverträglich der Einkauf ist.
Stehen alle wichtigen Hinweise auf der Verpackung Zwei Schülerinnen schauen ganz genau hin.
Verpackungen, kleine Schriften und lauter Gütesiegel.
Musiker Adrian Stern und Stadtammann Geri Müller eröffnen die neue Sonderausstellung.
Sabine Lerch, Projektmanagerin bei Biovision, erklärt die vier ökologischen und zwei sozialen Kriterien, die beim Einkaufen wichtig sind.
Daniel Kaysel ist Leiter des Schweizer Kindermuseums in Baden.
Die Badener Stadträtin Ruth Müri ist Präsidentin des Fördervereins Schweizer Kindermuseum Baden.
Der Badener Stadtammann Geri Müller an der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Kindermuseum.
Fleisch schliesst bei ökologischen und sozialen Kriterien oftmals schlecht ab.
Die Auswahl ist gross, die Verpackungen bunt.
Welche Karotten sind ökologischer.
Welcher Handyhersteller hat die besten Arbeitsbedingungen.

Nachhaltiges Einkaufen: Ausstellung im Kindermuseum Baden

Sandra Ardizzone

Adrian Stern kauft Bio-Teigwaren. Ein grosses Schweizer Kreuz ziert die Vorderseite der Verpackung. Stern sieht genauer hin und sieht, dass der verwendete Weizen aus den USA stammt. Die elektronische Kasse gibt ihm dafür prompt die Quittung und macht den Badener Musiker auf die fürs Klima nachteilige Herkunft aufmerksam. Die Kasse ist Teil der Ausstellung «Clever» im Schweizer Kindermuseum in Baden.

Der Musiker Adrian Stern, Stadtammann Geri Müller und eine Klasse der Sekundarschule Pfaffechappe eröffneten am Mittwoch die Sonderausstellung und probten als erste den nachhaltigen Einkauf. Ahnhand einer Einkaufsliste müssen die Besucher einkaufen, wobei sie zwischen verschiedenen ähnlichen Produkten wählen müssen. Am Schluss der Sonderausstellung bewertet das Kassensystem den vollen Einkaufskorb nach vier ökologischen und zwei sozialen Kriterien. Alle Besucher können ihren Einkauf mit den Resultaten von Geri Müller und Adrian Stern vergleichen und erleben mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Überraschungen.

Geri Müller hat zum Beispiel normale Schokolade lieber als Bio-Schokolade. «Mein Schokoladeneinkauf ist eine Katastrophe», sagt er. Müller kaufte die Schoggi einer grossen Schweizer Marke. Darin steckt aber Kinderarbeit – «bei Schokolade ohne Fairtrade-Label ein verbreitetes Problem», sagt Sabine Lerch von der Stiftung Biovision.

Die Stiftung führt die Sonderausstellung «Clever» seit drei Jahren an wechselnden Orten durch. In langer Arbeit hat Biovision die Informationen über die Produkte bei «Clever» zusammengestellt: Verpackungshinweise, Studien und Nachfragen bei den Gütesiegeln flossen ins Kassensystem ein. «Ein gutes Label legt alles offen», sagt Lerch. «Die Klimafreundlichkeit eines Produkts ist nicht alles.»

Nicht nur bei den Lebensmitteln ist der richtige Einkauf schwierig. «Der Kleiderkauf ist am schwierigsten. Fair, biologisch und dann noch modisch, das klappt nur selten», sagt Adrian Stern. Auch bei Kosmetikprodukten hat es der Konsument schwierig. «Am meisten hat mich eine feste Handseife überrascht. Weil sie Palmöl enthält, schnitt sie ganz schlecht ab», sagt der Schüler Lukas Bösch.

Die Ausstellung «Clever» läuft neun Wochen und ergänzt die Ausstellung «Handel im Wandel», die die Geschichte vom Tauschhandel bis zum Online-Shopping zeigt.

Sonderausstellung «Clever» im Schweizer Kindermuseum Baden, bis 9. Juni 2014, Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 14 - 17 Uhr, So 10 - 17 Uhr.

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