Gross war der Aufschrei vor einem Jahr in der Badener Kulturszene, als bekannt wurde, dass die Stadt Baden den Leistungsvertrag mit dem Event- und Konzertlokal Nordportal auf Ende 2017 nicht zu erneuern beabsichtige. Das hätte gleichzeitig das Aus des «Nordportals» bedeutet. Denn damit hätten ihm nicht nur 60'000 Franken Förderbeiträge gefehlt, sondern auch die Mietkosten inklusive Nebenkosten in Höhe von jährlich 180'000 Franken wären durch die Stadt nicht mehr gedeckt gewesen.

In der Folge zeigten sich die Kulturschaffenden in Baden solidarisch und bekundeten den Willen, gemeinsam Sparopfer zu erbringen, damit dem «Nordportal» künftig wenigstens die Mietkosten erlassen werden können. Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser Solidarität entschied sich der Stadtrat, die Subventionen (abzüglich der Förderbeiträge) noch bis Ende Juni 2018 zu leisten, «damit die Betreiber sich auf den Wegfall der städtischen Fördergelder einstellen und Alternativen finden können». Wurden diese Alternativen inzwischen gefunden? Fakt ist, das «Nordportal» besteht noch immer. Und nicht nur das: Auf der Website sind Konzerte und Events bis Endes dieses Jahres aufgeführt. Bedeutet das die Rettung des Eventlokals?

Stadt hat nicht kommuniziert

Seitens Stadt wurde bis heute nichts kommuniziert. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagt «Nordportal»-Geschäftsführer Clive Hupf, man habe sich bis Ende Jahr auf einen Zwischennutzungsvertrag einigen können. Mit diesem übernehme die Stadt zwar bis Ende Jahr die Mietkosten. «Doch die Nebenkosten in Höhe von rund 20'000 Franken tragen neu wir.» Zusammen mit dem Wegfall der städtischen Fördergelder (60'000 Franken) und der Beiträge des Kantons (zuletzt 30'000 Franken pro Jahr) stünden deutlich weniger Mittel zur Verfügung. «Das hat zur Folge, dass wir beim Programm absolut keine Risiken eingehen können und eher kommerziell ausgerichtete Konzerte und Veranstaltungen durchführen», sagt Hupf. «Wir sind aber sehr froh und dankbar, dass es mit der Zwischennutzung geklappt hat.»

In den nächsten Wochen stünden nun intensive Verhandlungen an. «Unser Ziel ist ganz klar, dass wir auch 2019 weitermachen können und irgendeinen Weg finden, auch ohne Förderbeiträge und Mieterlass weiterbestehen zu können», blickt Clive Hupf voraus.

Politisch zuständig für das Geschäft ist nicht mehr Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos), sondern Philippe Ramseier (FDP), Ressortvorsteher Immobilien und Infrastruktur und somit Chef der Abteilung Liegenschaften, die auch künftig auf die Mieteinnahmen für die Liegenschaft angewiesen ist. Ramseier bestätigt den Zwischennutzungsvertrag. «Dieser ermöglicht zumindest einen Weiterbetrieb bis zu einer Nachfolgelösung und verhindert einen Leerstand», so Ramseier. Bis Ende Jahr bleibe somit alles beim Alten, die Betreiberin müsse keine Miete bezahlen.

Obwohl die Stadt dem «Nordportal» bis Ende Jahr somit weitere Mietkosten von rund 80'000 Franken erlässt, kommt das Geschäft nicht vor den Einwohnerrat. «Es ist vom Stadtrat so abgesegnet worden», sagt Ramseier.

«Wir sind mit Hochdruck daran, auf eine neue Lösung hinzuarbeiten, die für alle Beteiligten gut ist», hält sich Ramseier noch etwas bedeckt. Die Stadt setze alles daran, dass es das «Nordportal» auch künftig noch geben wird. «Wir haben einen kulturellen Auftrag, den wir erfüllen wollen.» Gleichzeitig müsse aber eine Lösung gefunden werden, die betriebswirtschaftlich Sinn macht. «Wir wollen und können als Stadt keine subventionierte Lösung mehr anbieten. Das künftige Konzept muss selbsttragend sein», hält Ramseier fest. Denkbar seien deshalb auch Mix-Nutzungen; dass sich also das «Nordportal» von einem reinen Event- und Konzertlokal zu einem Mix-Lokal zum Beispiel auch für Business-Aktivitäten öffne.