Leuthard

Schüler hautnah bei den Reichen und Mächtigen

Wirtschafts-Schüler der Kanti Baden besuchten das Weltwirtschaftsforum (WEF) und trafen Bundesrätin Doris Leuthard.

Treffpunkt 7 Uhr, Kantonsschule Baden. Es geht los: Wollerau, Sargans, Raststätte Heidiland Maienfeld, Landquart. Auf der Autobahn gleicht der Car einem Schlafwagen. Mit Kopfhörern im Ohr, offenem Mund und Halstuch über den Augen holen die Schüler den verpassten Schlaf nach. Schon nach der Autobahnausfahrt kommen dem Car Polizeiautos entgegen – die Schüler erwachen.

Der Car schlängelt sich in Richtung Davos. Der wolkenlose Himmel, die kräftigen Sonnenstrahlen und die verschneite Landschaft lassen Lust auf einen Skitag aufkommen. Doch die Schüler der Kantonsschule Baden erwartet in Davos weitaus mehr: Sie haben die Möglichkeit, zwei Open-Forum-Anlässe am Weltwirtschaftsforum zu besuchen und Bundesrätin Doris Leuthard zu treffen. Im Car gibt Lehrer Michael Stutz das Wichtigste per Mikrofon durch: «Es ist ein absolutes Privileg, dass wir ans WEF nach Davos gehen können, wir wollen heute positiv auffallen.»

Scharfschützen und teure Autos

In Fideris Station befindet sich der erste Sicherheits-Checkpoint. Der Car wird vom Polizisten ohne Verzögerung durchgewinkt. Die zweite Kontrolle passiert er ebenfalls ohne Probleme. Und bald ist das Ziel erreicht. Fast jedes dritte Fahrzeug in Davos ist ein Polizei- oder Armeeauto, die anderen Autos sind meist schwarz und sehr teuer, auf dem Dach des Kongresszentrums stehen vermummte Scharfschützen und an jeder Ecke mindestens zwei Polizisten. Ein Armee-Helikopter fliegt über die Köpfe der Schüler hinweg.

Michael Stutz, Brigitte Marti, Willi Däpp, Susanne Gall, Caroline Streif und Ursula Nohl, die sechs Lehrer der Fachschaft Wirtschaft der Kantonsschule Baden, haben die dritte Reise ans WEF nach Davos geplant. Zwei Tage bleiben sie mit ihren Schülern am WEF. Übernachten werden sie aber in Klosters in einer Jugendherberge.

Polizeihunde im Kofferraum

Nach der Ankunft geht es ans erste Open Forum zum Thema «Euro Grounding?». Bereits vor der Aula der Schweizerischen Alpinen Mittelschule warten Polizisten, die Polizeihunde liegen im Kofferraum. Die Aula ist schon ziemlich voll und die Schüler suchen sich noch die letzten freien Stühle. Sie müssen sich konzentrieren, denn der Inhalt des Besuchs am WEF ist unter anderem Prüfungsstoff für den Test am kommenden Freitag.

Nach dem eineinhalbstündigen Forum trennen sich die Wege, es gibt eine lange Mittagspause. In den Strassen von Davos herrscht reges Treiben: Männer mit schwarzen Anzügen und WEF-Ausweisen, Sicherheitsleute mit Funkgeräten und Männer asiatischer Herkunft mit iPads.

Die Mittagspause ist vorbei und alle versammeln sich in der Mensa der Schweizerischen Alpinen Mittelschule. Hier treffen sie in einer Stunde Bundesrätin Doris Leuthard. Mit ihr werden sie die Themen Energie und Klima besprechen. Darauf können sie sich in der verbleibenden Stunde vorbereiten.

Auf Augenhöhe mit Doris Leuthard

Die Schüler rücken die Stühle zusammen, die Tische brauchen sie nicht mehr. Und schon ist sie da: Bundesrätin Doris Leuthard schreitet durch den Mittelgang. Nach einer kurzen Rede beantwortet sie alle Fragen der Schüler. «Warum werden die Zugbillette teurer? Befürchten Sie dann nicht noch mehr Autofahrer? Warum bauen wir keine Solaranlage in der Wüste?»

Am Schluss wendet sich Doris Leuthard nochmals an die Schüler: «Jeder kann zu Hause bei sich im Zimmer beginnen und die Geräte im Standby-Modus ganz abschalten. Wir leben in einer komplexen Welt, stellen Sie sich dieser Komplexität und schauen Sie genau hin – wenn Sie das erreichen, haben Sie meinen höchsten Respekt verdient.»

Länger als vorgesehen bleibt die Bundesrätin bei den Schülern, sie nimmt sich Zeit für jede Frage. Die Aargauer müssen nur über die Strasse in die Aula sprinten, um das zweite Open Forum zum Thema «Ist der Westen in Afghanistan gescheitert?» zu verfolgen. Um 21 Uhr fahren sie nach Klosters – ein langer Tag mit vielen Eindrücken geht zu Ende.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1