Der Unterricht beginnt mit einem Zückerchen. Die Schüler sitzen im Kreis und nippen an ihren Orangensaft-Gläsern. Als sie ausgetrunken haben, stellen sie die Gläser unter ihre Stühle. Sarah Knecht von der Stadtökologie Baden sagt: «So, jetzt haben wir die Erde belastet, das Wasser belastet und die Luft haben wir auch belastet.» Ganz so süss schmeckt den Schülern der Orangensaft jetzt nicht mehr.

Die Schüler beschäftigen sich mit der Frage, woher der Orangensaft kommt, den sie gerade getrunken haben. Dazu legt Sarah Knecht laminierte Fototafeln auf den Boden. Ein Foto zeigt den Orangenpflücker, ein Foto die Sortiermaschine, eines die Lagerhallen. Die Schüler lernen, dass den Orangen das Wasser entzogen wird, dann wird das Konzentrat in Containerschiffen wegtransportiert und schliesslich am Zielort wieder mit Wasser verdünnt. Knecht: «Jeder dieser Schritte belastet die Umwelt.»

Verzicht ist die beste Strategie

Viel besser für die Umwelt wäre es, den Orangensaft gar nicht zu trinken. Sarah Knechts Anliegen: «Ich will den Jugendlichen zeigen, dass man sich überlegen soll, ob man etwas wirklich braucht.» Als Biologin und Umweltwissenschaftlerin weiss Knecht, dass ein billiger Pullover von H&M zwar das Budget schont, aber nicht die Umwelt. «Ich kaufe wenig Kleider - oft tausche ich meine Kleider auch unter Freundinnen aus», sagt Knecht.

Vollkommen verzichten könne man auf die Grossverteiler natürlich nicht. Das sei auch nicht der Sinn der Umweltbildung. «Aber wir sollten mehr darauf achten, was wir in den Einkaufswagen legen.» Als Beispiel dafür zeigt Knecht den Schülern drei verschiedene Packungen Kartoffelchips. Sie fragt in die Runde: «Welche sollten wir nicht kaufen?» Die Schüler lesen auf den Verpackungen nach und bemerken, dass es Chips aus der Schweiz gibt, die nicht weit transportiert werden mussten, dass andere Chips aber aus Belgien oder Malaysia kommen.

Praktischer Unterricht bei Migros

Seit eineinhalb Jahren unterrichtet Sarah Knecht Kinder und Jugendliche in Umweltbildung. «Besonders die Jüngeren schätzen dieses Thema», sagt Knecht. Ihnen sei bewusst, dass die Umwelt wichtig ist. Sie würden lernen, dass man für kluges Einkaufen nur die Augen offenhalten müsse.

Die Bezirksschüler gehen als Nächstes zur Migros, mit einem Einkaufszettel in der Hand. Ein Junge, der bei den Früchten steht, sagt: «Die Pflaumen kommen ja aus Afrika.» Ein anderer Junge: «Und die Trauben aus Peru.» Auch bei den Orangen ist der Fall mittlerweile klar. «Wir sollten wohl eher Äpfel aus der Schweiz kaufen», sagt ein Mädchen.

Umweltbildung Baden 2

Umweltbildung in Baden