In Würenlos geht seit einigen Jahren der Sparteufel um, denn die 6000-Einwohner-Gemeinde hat die höchste Verschuldungsrate im Bezirk Baden. Per Ende 2014 liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 3804 Franken – «gesund» wären maximal 2500 Franken.

Die gesamte Schuldenlast drückt schwer und ist mittlerweile auf über 23 Millionen Franken angewachsen. Deswegen beantragt der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom nächsten Dienstag zum dritten Mal innert vier Jahren eine Steuerfusserhöhung.

Letztmals wurde dieser per 2012 um fünf Prozentpunkte auf 104 Prozent erhöht. 2015 möchte man die Schuldenlast dank einem Steuersatz von 109 Prozent auf rund 21 Millionen bzw. 3318 Franken pro Kopf senken. Dies hatte der Gemeinderat bereits für 2014 beabsichtigt, wurde aber exakt vor einem Jahr von den Stimmbürgern zurückgepfiffen, da sich die bürgerlichen Ortsparteien dagegenstellten. Würenlos habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem, hiess es, und das Sparpotenzial sei nicht ausgeschöpft. Eine zukünftige Steuererhöhung schloss man zwar nicht aus, erwartete aber zuerst andere Sparvorschläge. So präsentierte der Gemeinderat an der Sommergmeind im Juli ein Sparpaket, dass die Nettoausgaben um acht Prozent senkte und rund 500 000 Franken einsparte.

Dennoch haben die Würenloser nun wieder über einen erhöhten Steuerfuss zu befinden. «Ohne können wir unser Hauptziel, die Schuldenreduktion, nicht erreichen», sagt Gemeindeammann Hans Ulrich Reber. Die Folge eines Neins wären starke Kürzungen «wertvoller Leistungen und Angebote, die der Schule, Jugend und Familie zu Gute kommen». Nach Gesprächen mit den bürgerlichen Ortsparteien ist der SVP-Gemeindeammann zuversichtlich und fügt an: «Die Steuererhöhung tut zwar etwas weh, ohne würde wir es aber alle viel deutlicher spüren.»

Langfristig sieht die Aufgaben- und Finanzplanung 2015–2022 eine Reduktion des Schuldenbergs innert acht Jahren auf 12,3 Mio. Franken vor. Mit einem prognostizierten Bevölkerungswachstum um 1000 Personen hiesse das etwa 1700 Franken pro Kopf. Um diese Vorgabe zu erreichen braucht die Gemeinde Würenlos einen jährlichen Cashflow (Ertragsüberschuss inkl. Abschreibungen) von mindestens 2,6 Millionen. Das Budget 2015 sieht einen Cashflow von 2,79 Mio. vor. Dadurch könnte die Verschuldung erstmals seit Jahren sinken, auf 21 Millionen. Auch die Investitionskosten gehen nächstes Jahr auf ein Rekordtief von 761 000 Franken zurück, die hauptsächlich für Sanierungsarbeiten an Strassen und Werkleitungen ausgegeben werden.

«2015 ist diesbezüglich nicht mehr als ein Durchschnaufen, gewisse Investitionen können künftig nicht verhindert werden», sagt der Gemeindeammann des stark wachsenden Dorfs. So könnten die Kosten ab 2016 bereits wieder auf 4 Mio. Franken steigen, vor allem wegen allfälliger Grossprojekte wie Tagesstrukturen, Sportplatzsanierung, Schulraumerweiterung oder Furtbach-Sanierung. Das Schwimmbad wird hingegen vorläufig keine teure Gesamtsanierung brauchen. «Jährlichen Tranchen von 100 000 Franken reichen vorerst für den technischen Unterhalt und kleine ästhetische Verbesserungen», sagt Reber. Der Gemeinderat begründet die Steuerfusserhöhung auch damit, dass die noch beeinflussbaren Kosten bei wenigen hunderttausend Franken liegen – zu wenig, um die Investitionen verdauen zu können. Hans Ulrich Reber betont jedoch: «Würenlos ist leider ein Vorreiter, den meisten wachsenden Gemeinden in der Region geht es ähnlich. Entweder man macht Schulden oder Abstriche – so wie nun wir.»

Gemeindeversammlung: 9. Dezember, 20 Uhr, Mehrzweckhalle