Seit Ende 2017 steht das Bauvorhaben «Jim Knopf» als Sieger des Projektwettbewerbs fest. Konkret: Der Neubau soll das Platzproblem der Primarschule Niederrohrdorf lösen. Ist «Jim Knopf» einmal realisiert, werden die Schulpavillons, die vor vier Jahren auf dem Schulareal aufgestellt wurden, rückgebaut. Doch davon ist man weit entfernt. Ende letzten Jahres teilte der Gemeinderat mit, dass er neben «Jim Knopf» gleichzeitig auch eine im Raumprogramm reduzierte Variante des Siegerprojekts weiterverfolgt.

Dieses Vorgehen wirft bei der Bevölkerung Fragen auf. So schreibt eine Bewohnerin aus Niederrohrdorf in einem Leserbrief in der «Berg-Post»: «Es ist bedauernswert, dass für alle anderen geprüften Varianten gegenüber einem Neubau nur Nachteile gefunden worden und diese daher im Auswahlverfahren chancenlos geblieben sind.» Sie bemängelt, dass «der rote Allwetterplatz, der auch als Pausenplatz genutzt wird und gleichzeitig ein kleines, aber lohnenwertes Naherholungsgebiet ist, definitiv geopfert werden» soll. Sie wünsche sich, dass mit den noch freien Landressourcen sparsam umgegangen werde. Zudem erwartet sie von den Behörden mehr Informationen über die Gründe für die Ausarbeitung beider «Jim Knopf»-Varianten.

Zwei Schulzimmer weniger nötig

Zur Erinnerung: Der Gemeinderat und die Schulpflege überarbeiteten in den letzten Monaten die Schülerprognosen und legten die Zahlen neu fest. Dies, nachdem bei einer Infoveranstaltung Kritik an der Dimension des Siegerprojekts laut wurde. Infolge dessen wurde das Raumprogramm von «Jim Knopf» hinterfragt, ebenso die Möglichkeit der Umnutzung und Erweiterung bestehender Gebäude analysiert. Gemeinderat und Schulpflege kamen zum Schluss, dass nur die Umsetzung von «Jim Knopf» den Bedarf der Primarschule decken könne.

Weil die überarbeitete Bevölkerungsprognose eine gewisse Unsicherheit beinhaltet und man nun mit einem Bedarf von 16 statt 18 Schulzimmern ab Schuljahr 2021/2022 rechnet, wurde beschlossen, eine volle und eine Variante light von «Jim Knopf» weiterzuverfolgen.

Umnutzung wäre nicht nachhaltig

Mit den Bedenken der Leserbriefschreiberin konfrontiert, sagt Gemeinderätin und Bildungsvorsteherin Martina Egger (SVP): «Wir wissen, dass wir mit ‹Jim Knopf› nicht nur auf Gegenliebe stossen.» Doch andere Erweiterungsvarianten, etwa eine Umnutzung des Primarschulhauses mit den Schulpavillons und in Kombination mit Räumen des Oberstufenzentrums, sei nicht nachhaltig. «Es wäre wiederum eine Kompromisslösung, die der Primarschule keinen Spielraum lässt, weil nur so viel Räume geschaffen werden wie nötig.» Die Primarschule habe lange genug mit einer Kompromisslösung leben müssen. «Jetzt ist es an der Zeit, dass die Schule in der Raumgestaltung flexibel wird.» Ausserdem, so Egger, «sind und bleiben die Pavillons ein Provisorium».

Zur Kritik, dass der rote Platz durch den Neubau wegfällt, sagt Egger: «Für den Projektwettbewerb haben wir den Architekten jedes Landstück der Schule für die Planung freigegeben, darunter auch den roten Platz.» Dies unter anderem mit der Vorgabe, dass möglichst wenig in den Bestand und in die Natur eingegriffen werden soll. «Und das hat das Projekt ‹Jim Knopf› am besten umgesetzt.» Es sei nun mal so, dass die Gremien stellvertretend für die Stimmbürger die Entscheide treffen. «Das bedingt auch ein gewisses Vertrauen vonseiten der Bevölkerung in die Handlungen des Gemeinderats.»

Zudem erinnere sie daran, dass der Gemeinderat das Primarschulhaus ursprünglich aufstocken wollte. «Die Gemeindeversammlung hat sich jedoch dagegen entschieden und einen Projektwettbewerb verlangt.» Der Gemeinderat habe den Beschluss zu befolgen, er müsse einen Entscheid fällen und auch umsetzen.

Wie Martina Egger sagt, stehe das Jahr 2019 im Fokus der Ausarbeitung eines baureifen Neubauprojekts. «Über die Vorgänge werden wir an einer oder mehreren Infoveranstaltungen informieren.» Wann diese stattfinden werden, ist noch unklar. Den Baukredit legt der Gemeinderat frühestens 2020 vor. «Dank den Schulpavillons stehen wir nicht unter Zeitdruck.»