Gemeinsames Wahlplakat
«Schulterschluss zweier Freunde» – das sagen ihre Parteipräsidenten dazu

Zu zweit liessen sich die Badener Grossratskandidaten Reto Schmid (CVP) und Philippe Ramseier (FDP) für ein Wahlplakat ablichten. Nun melden sich ihre Parteipräsidenten zum gemeinsamen Auftritt zu Wort.

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Grossratswahlen 2016: Philippe Ramseier und Reto Schmid
3 Bilder
«Fakt ist, dass die FDP im Einwohnerrat die grösste Fraktion stellt und dass wir deshalb dafür kämpfen werden, den zweiten Sitz wieder zurückzuerobern.» Philippe Ramseier FDP-Einwohnerrat und Grossratskandidat
«In Baden traut man den Bürgerlichen bis heute noch nicht zu, dass sie sich in einem Jahr auf einen Stadtammann-Kandidaten werden einigen können.» Reto Schmid CVP-Grossratskandidat

Grossratswahlen 2016: Philippe Ramseier und Reto Schmid

Zur Verfügung gestellt

Ganz so einmalig wie Reto Schmid die Aktion pries, war sie dann doch nicht. Gemeinsam mit Philippe Ramseier von der FDP ist der CVP-Grossratskandidat Schmid auf einem Wahlplakat zu sehen. Bereits bei den Grossratswahlen 2009 posierten Stephan Attiger (FDP) und Markus Dieth (CVP) gemeinsam auf einem Plakat.

Und doch hat es das Plakat mit den beiden Badenern in sich. Auf Facebook ist denn auch zu lesen: «Das Plakat steht symbolisch für die Aufbruchstimmung zweier Familienväter, welche sich für die Zukunft wieder ein lebensfrohes Baden wünschen und bereit sind, dafür Verantwortung zu übernehmen.»

Grossratswahlen 2016: Philippe Ramseier und Reto Schmid

Grossratswahlen 2016: Philippe Ramseier und Reto Schmid

Zur Verfügung gestellt

Auf Nachfrage erklärte der Badener Alt-Stadtrat Schmid diese Woche gegenüber dem «Badener Tagblatt», es handle sich beim Plakat nicht um eine Jux-Aktion. «Wir glauben an unsere Chancen.» Man habe den gemeinsamen Auftritt auch parteiintern kommuniziert.

«Der gemeinsame Auftritt soll auch ein Signal nach aussen sein, dass wir Bürgerlichen im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen in Baden im Herbst 2017 wieder zusammenspannen und alte Gräben zuschütten können», betont Schmid.

Neue oder «neu-alte» Köpfe

Tatsächlich: Im Stadtammann-Wahlkampf im Frühjahr 2013 kühlten sich die Beziehungen zwischen FDP und CVP merklich ab. Dies nachdem die FDP den «Deal vom Roten Turm» publik gemacht hatte, bei dem die bürgerlichen Stadtammann-Kandidaten Roger Huber (FDP) und Markus Schneider (CVP) vor den Wahlen im Restaurant Roter Turm eine Absprache trafen.

Der Deal vom «Roten Turm»

So lautete der «Deal vom Roten Turm», den die beiden Stadtammann-Kandidaten Markus Schneider (CVP) und Roger Huber (FDP) im Wahlkampf 2013 abgeschlossen hatten: Wer im 1. Wahlgang weniger Stimmen erhalte, werde auf den 2. Wahlgang verzichten.

Das Ziel: Die Bürgerlichen wollten so den Sitz, den sie seit 1948 innehatten, gegen Geri Müller (Grüne/team baden) verteidigen. Obwohl der schlechter klassierte Markus Schneider Wort hielt und auf eine Teilnahme am 2. Wahlgang verzichtete, wurde Geri Müller zum Stadtammann gewählt. (sas)

«In Baden traut man den Bürgerlichen bis heute noch nicht zu, dass sie sich in einem Jahr auf einen Stadtammann-Kandidaten werden einigen können», sagt Schmid. Wer übrigens frühere Aussagen von Schmid genau liest, kann sich gut vorstellen, dass er auch an seine Person denkt, wenn er «von einem bürgerlichen Ammann-Kandidaten» spricht.

Schmid, der von 2009 bis 2013 Badener Stadtrat war, sagt, er höre oft, dass es jetzt neue oder «neu-alte» Köpfe brauche, um das Vertrauen zwischen Exekutive, Einwohnerrat und Verwaltung wieder herzustellen.

Wir waren beim Rennen der Parteien um die besten Plakatstandorte dabei:

Küttigen: Daniel Wehrli (SVP) in seiner Schreinerei, wo die SVP-Wahlplakate gelagert sind.
15 Bilder
Daniel Wehrli (SVP) beim Anbringen der SVP-Wahlplakate.
Daniel Wehrli (SVP) beim Anbringen der SVP-Wahlplakate.
Daniel Wehrli (SVP) beim Anbringen der SVP-Wahlplakate.
Grüne, GLP, CVP.
Wahlplakate aufstellen
Werben für die Regierung.
Susanne Voser (CVP) beim Anbringen der CVP-Wahlplakate.
Brugg: Dieter Egli (SP) beim Anbringen der SP-Wahlplakate.
Wahlplakate Aargau Brugg: Franziska Liechti und Dieter Egli (SP) beim Anbringen der SP-Wahlplakate.
Die Grünen.
Dieter Egli (SP) beim Anbringen der SP-Wahlplakate.
Andreas Schmid (links) und Kaspar Schoch (rechts) (FDP) beim Anbringen der FDP-Wahlplakate.
Kaspar Schoch (links) und Andreas Schmid (rechts) (FDP) beim Anbringen der FDP-Wahlplakate.
Dieter Egli (SP) beim Anbringen der SP-Wahlplakate.

Küttigen: Daniel Wehrli (SVP) in seiner Schreinerei, wo die SVP-Wahlplakate gelagert sind.

André Albrecht

FDP-Einwohnerrat Philippe Ramseier stützt Schmids Aussagen: «Mit der Kandidatur ist es mir wie auch Reto Schmid absolut ernst», betont der 41-jährige Geschäftsinhaber des IT-Unternehmens Autexis. Und ja, mit dem gemeinsamen Plakat wolle man signalisieren, dass man gemeinsam eine Brücke schlagen könne. Ob diese Brücke für ihn gar selber in den Badener Stadtrat führen könnte, will der vierfache Familienvater derzeit noch nicht beantworten.

«Fakt ist, dass die FDP im Einwohnerrat die grösste Fraktion stellt und dass wir deshalb dafür kämpfen werden, den zweiten Sitz wieder zurückzuerobern.» Wer für die Liberalen im Wahlherbst 2017 ins Rennen steigen wird, sei aber noch offen. «Es laufen derzeit Gespräche mit potenziellen Kandidaten», sagt Ramseier.

Ein bürgerlicher Kandidat?

Doch was halten die Parteipräsidenten von diesem «Schulterschluss zweier Freunde»? Sind die Wunden aus dem letzten Wahlkampf tatsächlich wieder verheilt und wird man sich im Wahlherbst 2017 gar auf einen Stadtammannkandidaten einigen können? «Die Zusammenarbeit unter den Bürgerlichen – insbesondere zwischen der FDP und der CVP – ist wieder besser geworden», bestätigt FDP-Co-Präsident Oliver Steger.

So würden die Parteipräsidenten einen guten Austausch pflegen und auch die Zusammenarbeit der beiden Fraktionen funktioniere sehr gut. «Die FDP verfolgt bei den Gesamterneuerungswahlen zwei Ziele: Erstens wieder eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat und zweitens einen bürgerlichen Stadtammann», so Steger. Diese Ziele würden sich mit den Zielen der anderen bürgerlichen Parteien in Baden decken.

«Dass wir uns im Herbst 2017 zusammen mit der CVP auf einen bürgerlichen Stadtammann-Kandidaten einigen, ist nicht ausgeschlossen.» Denn man müsse sich bewusst sein, dass das Ziel eines bürgerlichen Ammanns schwierig zu erreichen sei, wenn man nicht zusammenspanne.

Zu Ramseiers möglichen Ambitionen möchte sich Steger nicht äussern. Nur so viel: «Als grösste Einwohnerratsfraktion und Stadtpartei sind wir bestrebt, wieder mit zwei Stadträten in der Exekutive vertreten zu sein.»

Eine Frage, die es in sich hat

Auch CVP-Co-Präsident Simon Binder sagt, es sei denkbar, dass sich die Bürgerlichen im Herbst 2017 auf einen Kandidaten werden einigen können. Denn er könne nur bestätigen: Die Zusammenarbeit mit der FDP habe sich stark verbessert und funktioniere in der Tat sehr gut.

Auf die Frage, was er zu möglichen Ambitionen Reto Schmids auf das Stadtammann-Amt sagt, lässt sich Binder nicht auf die Äste hinaus. Die Frage hat es insofern in sich, als die CVP mit Vizeammann Markus Schneider und Matthias Gotter bereits über zwei Stadträte in der Exekutive verfügt und viele mit einer Kandidatur Schneiders rechnen.

«Es ist super für die CVP, dass Reto Schmid im Grossratswahlkampf so viel Gas gibt», sagt Binder. Zudem stehe es jedem frei, allfällige Ambitionen für das Stadtammann-Amt anzumelden. Die Situation zeige auch klar, dass die CVP alles andere als ein Personalproblem habe. «Und Fakt ist auch, dass unser Vizeammann Markus Schneider einen sehr guten Job macht und sein Ressort im Griff hat», betont Binder.

Aktuelle Nachrichten