«Eigentlich handelte es sich in der Nacht auf den ersten Blick um einen Routineeinsatz», sagt der Sprecher der Kantonspolizei, Bernhard Graser. Wegen einer Streiterei in einem Mehrfamilienhaus in Wettingen rückten zwei Beamten der Regionalpolizei aus.

Dort kam es zu einem Handgemenge zwischen einer psychisch angeschlagenen Frau und der Polizei, wobei sich aus der Dienstwaffe des einen Beamten plötzlich ein Schuss löste und diesen schwer verletzte. Nach der Erstbetreuung vor Ort wurde der Verletzte ins Spital gebracht.

«Er muss sich aufgrund der Wucht der Kugel voraussichtlich einer komplizierten Operation unterziehen», sagt Graser, «diese ist sicherlich mit einer längeren Heilungszeit und der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit verbunden.» Bei der Regionalpolizei reagierte man betroffen auf den tragischen Vorfall.

«Man fragt sich in solchen Situationen natürlich, was man anders hätte machen können», sagt Graser, es zeige aber auch, dass der Polizeiberuf nicht ungefährlich sei. «Glücklicherweise kommen solche Vorfälle aber nicht allzu oft vor.»

Pistolen sind bei Regionalpolizei durchgeladen

Die Regionalpolizei rückte wie bei jedem Routineeinsatz mit zwei Beamten aus. Der zweite Polizist nahm nach dem Zwischenfall in der engen Wohnung drei Personen fest. Dabei handelt es sich um eine 33-jährige Schweizerin und den 26-jährigen Bewohner der Wohnung.

Auch ein weiterer Mitbewohner wurde vorläufig festgenommen. Die Frau wurde einem Amtsarzt vorgeführt und befindet sich inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. Die Angehörigen des Polizisten und sein Dienstkollege wurden noch in der Nacht vom Polizeipsychologen betreut.

Bernhard Graser geht davon aus, dass der Polizist seine Waffe im Holster bei sich hatte. Es wird vermutet, dass die Frau im Handgemenge absichtlich oder unabsichtlich den Abzug der Pistole betätigte.

Die Polizei würde ihren Dienst laut Graser immer mit durchgeladenen Pistolen leisten. «Sie sind so gebaut, dass beim Betätigen des Auslösers sofort auch der Schuss ausgelöst wird.» Einen Sicherungshebel haben sie nicht, sind aber gegen Erschütterung geschützt. «Im Ernstfall fehlt die Zeit, um die Waffe zu laden oder zu entsichern», sagt Graser.