Ende Oktober ging die Weltausstellung, die Expo Milano 2015, zu Ende. Nicht einmal vierzig Kilometer von unserer südlichen Landesgrenze entfernt, im Nordwesten von Mailand, fand sie statt. Auf einer Länge von über zwei Kilometern und einer Breite bis zu siebenhundert Metern gab es weit über hundert Länderpavillons und Themenausstellungen zu besichtigen. Ein gigantisches Programm, wer mehr als eine Übersicht gewinnen wollte, musste mehrere Tage einsetzen. Also der Gesamteindruck war grossartig. Die Expo war offensichtlich auch sehr gut besucht, und die Menschenmenge wurde für das Individuum zum Stresstest. 

Schon bei den Eingängen, durch die Leibesvisitation wie in einer Abflughalle braucht es Zeit, die erste halbe Stunde kann da schon draufgehen. Wenn man dann auf der breiten Hauptpassage die Länge abschreitet, ist man zwar gut begleitet, etwa vergleichbar mit einem Gang durch die Weite Gasse an einer Badenfahrt. Will man aber einen Pavillon von innen sehen, wird’s kritisch. Wartezeiten bis zu mehreren Stunden müssen bei besonders begehrten – und über die von Mund zu Mund hochgelobten – Länderpräsentationen in Kauf genommen werden. Nicht für jedermann. Es ist mir schleierhaft, dass die Ausstellungsmacher nicht lernfähiger sind. Die Erfahrung aus vergleichbaren Veranstaltungen hat doch gezeigt, dass Engpässe und die «Stop-and-go-Methode» eine reine Besucherqual ist. Dies kann nur mit einem Fliessprinzip gelöst werden. Weshalb bringen die riesigen Komitees mit erprobten Fachkräften keine besucherfreundlichen Lösungen zustande?

Okay, andere zu kritisieren, ist eine Sache; schauen wir bei uns nach, beim Schweizer Beitrag. Aufgrund der vielen zu erwartenden Besucher aus der Schweiz galt es denn auch dieser Gruppe zu zeigen, wozu ihr Land in der Lage ist, und deren Stolz zu nähren. Im Rahmen einer Expertentagung war ich vor gut zwei Jahren dabei, als das Siegerprojekt der zwei jungen Brugger Architekten in Bern vorgestellt wurde. Idee, Pläne und auch das Modell machten einen echt guten Eindruck. Die klare Botschaft, dass sich die Menschen mit dem Verbrauch, der Verschwendung, der gerechten Verteilung der Nahrungsmittel und der Nachhaltigkeit bei der Gewinnung auseinandersetzen sollten, ist angekommen. Die Institution Präsenz Schweiz – dem Eidgenössischen Departement für äussere Angelegenheiten angehörend – ist für die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland zuständig und schreibt in ihrer Botschaft zum Schweizer Pavillon: Die Schweiz will sich in Mailand als attraktives und solidarisches Land zeigen, das sich seiner Verantwortung in den Bereichen der Ernährung und nachhaltiger Entwicklung bewusst ist. Inhaltlich hat der Auftritt überzeugt, ja er wurde sogar mit dem Expo Award in der Kategorie «Beste Interpretation» ausgezeichnet.

Aber die äussere Erscheinung. Was ist denn hier passiert? Eine starke architektonische Idee ist zum Bünzliauftritt ersten Ranges verkommen. Natürlich gibt es bei der Umsetzung eines Projekts immer Hindernisse und bürokratische Hürden. Was da entstanden ist, darf aber nicht herauskommen. Nichts gegen Schlichtheit, im Gegenteil, raffinierte Einfachheit kann zu bestechenden Resultaten führen. Was die Schweiz an Architektur in Mailand zeigt, ist einfach nur banal. Ein Freund aus der Designszene meinte, er habe geglaubt, es handle sich um die zentrale WC-Anlage der Messe, ein anderer bezeichnete es als Transformatorenhaus aus den Fünfzigerjahren. Ich habe mich geschämt, und andere taten es auch. Haben wir doch in der Schweiz landesweit tätige Gestaltungsgrössen und international renommierte Architekturfirmen. Auch Architektur ist ein Exportartikel, der beworben werden muss. Die ist hier eindrücklich misslungen.