Auf die kommende Legislatur gilt es in Mellingen nach wie vor einen der beiden freiwerdenden Gemeinderatsitze neu zu besetzen. Vizeammann Werner Stoller (parteilos) und Gemeinderätin Mirjam Egloff (FDP) stehen für die nächste Legislatur nicht mehr zur Verfügung.

Im ersten Wahlgang wurden die drei bisherigen Gemeinderäte und mit Roger Fessler (SVP) ein neuer Gemeinderat gewählt. Nun kämpfen die beiden parteilosen Kandidierenden Yvette Nick und Beat Gomes um den fünften Sitz. Yvette Nick ist verheiratet und lebt seit vier Jahren im Reussstädtchen.

Als selbstständige Treuhänderin kandidierte sie im ersten Wahlgang bereits für die Finanzkommission, verpasste jedoch das absolute Mehr von 383 Stimmen. Ihr Kontrahent ist «Reussbote»-Redaktor Beat Gomes, der seit April im Städtchen wohnt. Gomes kündigte bereits an, dass er seine redaktionelle und journalistische Tätigkeit beim «Reussbote» wegen des Pensionsalters auf eine freie Mitarbeit reduzieren werde.

Gegenüber dem «Badener Tagblatt» sagen die Kandidierenden, wofür sie sich als Gemeinderäte besonders einsetzen möchten und wie sie sich die Gemeinde in zehn Jahren vorstellen. Beat Gomes hat bereits mehrfach betont, dass er die Kommunikationspolitik zwischen Rathaus und Bevölkerung verbessern will und das Thema Umfahrung stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen möchte. Yvette Nick fragt sich, ob Mellingen in Sachen Energiewende à jour ist.

Yvette Nick, parteilos

1. Wofür werden Sie sich als Gemeinderat besonders einsetzen?

Da dies sehr vom Ressort und von den anstehenden Themen abhängt, möchte ich dazu ohne vertiefte Dossierkenntnis keine Aussage machen. Persönlich interessieren mich folgende Fragen: Wo steht Mellingen in der Energiewende? Kann man auf Gemeindeebene die familieninterne und familienintegrierte Kinderbetreuung interessanter machen oder besser organisieren?

2. Warum wollen Sie Gemeinderat werden?

Ich suche eine neue berufliche Herausforderung neben meinem Geschäft für die nächsten 10 bis 15 Jahre.

3. Warum sollen die Mellinger Sie wählen statt Ihren Kontrahenten, was machen Sie besser?

Ob ich etwas besser mache, weiss ich nicht, aber ich bin jünger und könnte daher für mehrere Amtsperioden zur Verfügung stehen. Zudem bin ich eine Frau, bei der Wahl von Herrn Gomes würde nur noch eine Frau im Mellinger Gemeinderat sitzen.

4. Wie stellen Sie sich Mellingen in zehn Jahren vor?

Als eine zeitgemässe Kleinststadt, die noch genügend Natur- und Erholungsraum hat.

5. Wo hat die Gemeinde noch Verbesserungspotenzial?

Man hat immer Verbesserungspotenzial, aber auch diese Frage möchte ich nicht ohne vertiefte Dossierkenntnisse beantworten. 

6. Welche politische Erfahrung bringen Sie mit?

Keine, aber der Gemeinderat ist meiner Meinung nach auch mehr der Geschäftsleitung als der Politik zuzuordnen. Da ich seit 1991 selbstständige Treuhänderin bin, bringe ich dafür sehr gute Voraussetzungen mit.

Beat Gomes, parteilos

1. Wofür werden Sie sich als Gemeinderat besonders einsetzen?

Zuerst einmal für eine verbesserte Kommunikationskultur zwischen dem Rathaus und der Bevölkerung.

2. Warum wollen Sie Gemeinderat werden?

Weil ich unzufrieden bin, wie wenig volksnah die Politik im Rathaus in den vergangenen Jahren daherkam. Es fehlt das Selbstverständnis für eine offene, transparente und kontinuierliche Information der Bevölkerung.

3. Warum sollen die Mellinger Sie wählen statt Ihren Kontrahenten, was machen Sie besser?

Weil ich mich nicht verbiegen lasse, kreativ und kommunikativ bin. Und weil ich eine Menge Erfahrung in kommunalpolitischen Fragen mitbringe.

4. Wie stellen Sie sich Mellingen in zehn Jahren vor?

Als historisches, kulturell lebhaftes Städtchen, das den Moloch des Schwerverkehrs dank der Umfahrung losgeworden ist. Das wird aber mit Däumchen drehen im Rathaus nicht zu haben sein. Wir müssen das Thema Umfahrung neu anstossen und dauerhaft ins öffentliche Bewusstsein ausserhalb Mellingens tragen.

5. Wo hat die Gemeinde noch Verbesserungspotenzial?

Wie gesagt, ganz klar in der Kommunikation. Das Littering wird nur ungenügend bekämpft und ist ein ernsthaftes Problem. Der Gemeinderat sollte sich um die Förderung des Gewerbes kümmern und keine Einschränkungen erlassen, wie das gerade aktuell in der BNO festgeschrieben worden ist und über welche die Mellinger an der Wintergmeind abstimmen.

6. Welche politische Erfahrung bringen Sie mit?

Ich war 1991 treibende Kraft bei der Gründung der SVP Basel-Stadt. Das war damals ein historischer Schritt, weil in der Vergangenheit immer wieder Versuche gescheitert sind, die SVP in Basel zu etablieren. Ich bin ein halbes Jahr nach der Gründung wieder ausgestiegen, weil die Parteizugehörigkeit mit dem Beruf des Journalisten nicht vereinbar war.