Baden
Sechs Minuten unter Wasser sind für Claudia wie zwei Wochen Ferien

Mit einem Atemzug sechs Minuten unter Wasser bleiben: Claudia Lukaschek taucht, ohne Luft zu holen. «Wenn ich wieder auftauche, fühlt es sich an, wie nach zwei Wochen Ferien», sagt Lukaschek.

Andrea Ebneter
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Claudia Lukaschek, Schweizer Meisterin im Apnoe-Tauchen. zvg

Claudia Lukaschek, Schweizer Meisterin im Apnoe-Tauchen. zvg

Sie hat eine ganz spezielle Art, sich zu entspannen: Sie taucht. Und zwar so lange wie möglich. Sie ist Apnoe-Taucherin und kann über sechs Minuten ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben.

Nebst der totalen Entspannung für Lukaschek ist das Apnoe-Tauchen auch ein Sport, ein Wettkampf. Beim Apnoe-Tauchen wird vor dem Abtauchen nur einmal eingeatmet, während der gesamten Zeit unter Wasser hat man keine Sauerstoffzufuhr.

Mit nur wenigen Unterbrüchen ist sie seit Jahren Schweizer Meisterin. Statisches, Strecken- und Tiefentauchen – Lukaschek macht alle drei Disziplinen. Wenn sie bei einer nicht weiterkommt, übt sie an einer anderen weiter. Denn: «Einen Rekord erzwingen kann man nicht. Je entspannter man beim Tauchen ist, desto besser wird man», schildert Lukaschek. Deshalb spiele Zeit in diesem Sport eine so wichtige Rolle. Man müsse sich darauf einlassen, es sei ein Gefühl der absoluten Loslösung; man konzentriere sich nur auf sich, beschreibt Lukaschek.

Auf die Übung kommt es an

Dass Lukaschek so lange die Luft anhalten kann, liegt keineswegs an der Grösse ihrer Lunge. «Es ist Übungssache. Bei ‹normalen› Menschen setzt schon nach 30 Sekunden der Atemreiz ein. Wenn ich die Luft anhalte, spüre ich fast vier Minuten nichts. Es ist wie schlafen. Ich bin tatsächlich auch schon während des Tauchens eingeschlafen», sagt sie und lacht. Erst nach dieser Phase setze der Atemreiz ein: «Wir Apnoe-Taucher üben, dass wir diesen Reiz nicht als unangenehm empfinden. Es fühlt sich an, wie Schluckauf, der immer stärker wird.» Am Schluss kommt dann die Kampfphase: «Etwa eine halbe Minute lang ist das Durchhalten nicht mehr schön. Ich muss dann entscheiden, wann ich auftauche.»

Die Badenerin hat vor elf Jahren durch einen Flaschen-Tauchkurs zum Apnoe-Tauchen gefunden. Sie trainiert zweimal pro Woche – im See und im Hallenbad. Kurz vor einem Wettkampf auch öfter. Die Schweizermeisterschaften finden zwei Mal im Jahr statt. Konkurrenz besteht – in der Schweiz gibt es rund 60 Apnoe-Taucherinnen und -Taucher. Die Weltmeisterschaft findet meist im Meer statt, wie letztes Jahr in Griechenland. «Mein momentanes Ziel ist die Weltmeisterschaft nächstes Jahr. Ausserdem möchte ich meinen Rekord im Streckentauchen von 154 Metern knacken», sagt Lukaschek.

Ein bisschen Angst am Anfang

Angst zu haben gehört am Anfang dazu. Es ist kein ungefährlicher Sport. Ein Taucher geht nie alleine ins Wasser, sie sind immer zu zweit. Sollte einem während des Tiefentauchens etwas passieren, kann man an dem Seil ziehen, an dem man heruntertaucht. So merkt der Partner, dass etwas nicht stimmt, und kann zu Hilfe schwimmen. «Das ist eine Sicherheitsmassnahme und hilft, die Angst zu überwinden», sagt die Taucherin.

Bei Claudia Lukaschek ist noch nie etwas schief gegangen. «Ich riskiere mein Leben nicht. Ich lebe nicht nur, um zu tauchen, aber ich tauche, um zu leben.»

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