Mammutmuseum

Sedimente erzählen von der Vergangenheit

Das Mammutmuseum präsentiert die Klimageschichte der vergangenen 300 000 Jahre.

«Wir sind stolz auf die neuen Ergebnisse», sagt Rudolf Hauser von der Stiftung Mammutmuseum Niederweningen. Der Stolz ist berechtigt, denn erstmals werden in der Schweiz solch umfangreiche Forschungsergebnisse zur Klimageschichte präsentiert. Vor 5 Jahren als kleines Museum für die Mammuts eröffnet, wurde es inzwischen zu einem bedeutenden, wenn nicht zum bedeutendsten Ort der Klimaforschung in der Schweiz.

Vor rund 300000 Jahren breiteten sich die Gletscher fast über die ganze Schweiz aus. Der Rheingletscher stiess bis weit in das heute Mittelland genannte Gebiet vor. Dabei hat ein Seitenarm das heute Wehntal genannte Gebiet zwischen Lägern und Egg ausgehobelt. Die Eismassen dürften sich bis zu 200 Meter über das heutige Niveau des Wehntales erhoben haben. Die Egg war ebenfalls unter den Eismassen verschwunden. In den darauffolgenden Jahren füllten verschiedenste Sedimente das tiefe Tal wieder auf. Wie das geschehen ist und womit das teilweise über 100 Meter tiefe Tal aufgefüllt ist, haben die wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre ergeben. «Im Frühjahr 2011 werden wir die wissenschaftlichen Ergebnisse publizieren können», sagt Heinz Furrer vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich.

Drei Jahre lang geforscht

Das Mammutmuseum eröffnet nun einen neuen Ausstellungsteil zum Thema «Eiszeiten und Klimawandel im Wehntal der vergangenen 300000 Jahre». Er ist das Ergebnis des dreijährigen Forschungsprojekts. Die Ablagerungen im ehemaligen Gletschersee bilden ein intaktes Klimaarchiv der vergangenen rund 300000 Jahre, seit der Linth-Walensee-Rhein-Gletscher die Molassefelsrinne des Wehntals geschaffen hat. Um die Form und Tiefe der alten Felsrinne sowie deren sedimentäre Füllung zu erkunden, initiierte die Stiftung Mammutmuseum 2007 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt.

Die seismischen Untersuchungen von 2008 ergaben erstmals eine Übersicht über die eiszeitliche Rinne im Molassefels und deren Füllung mit Ablagerungen. Die Erkundungsbohrungen und die Kernbohrung, bis in den Molassefels, von 2007 bis 2009 brachten Ablagerungsmaterial an den Tag, aus dem eine interdisziplinäre Auswertung nach sedimentologischen, chemischen, botanischen, zoologischen, klimatischen und altersmässigen Gesichtspunkten zu einem erstmaligen Gesamtbild der Eiszeiten- und Klimageschichte führte.

Die Geschichte des Klimas

Zu den bisherigen Darstellungen der Kultur- und Naturgeschichte kommt nun die Klimageschichte der vergangenen 300 000 Jahre. Auf 4 zusätzlichen Ausstellungstafeln, davon 2 mit Touch-Screen-Monitoren, gliedert sich der neue Ausstellungsteil harmonisch ins Museum ein. Auf
den Monitoren werden Bildserien gezeigt von den sich verändernden Eisbedeckungen in Europa und der Nordschweiz sowie Grafiken der Ablagerungsprofile im ehemaligen Gletscherbecken. Etwas Besonderes ist die Bildserie, die die Landschaft des Wehntales in verschiedenen Phasen zeigt. Sie ist eine prägnante Zusammenfassung des Forschungsprojekts.

Die Erkundung der tieferen Ablagerungsschichten im Wehntal ist eine konsequente Weiterentwicklung des Mammutprojektes. «Wir nehmen an, dass wir in Niederweningen bisher 10 verschiedene Mammuts gefunden haben», sagt Furrer.

Interdisziplinäre Forschung

Unter der Trägerschaft der Stiftung Mammutmuseum Niederweningen ist es gelungen, die Rahmenbedingungen für die Organisation und Finanzierung des Forschungsprojekts zu schaffen. Am interdisziplinären Projektteam unter der Gesamtleitung von Heinz Furrer, Paläontologisches Institut und Museum der Universität Zürich, wirkten Fachleute der Universitäten Zürich, Bern und Graz, der Eawag und ETH sowie weiterer Institutionen mit. Sie ermöglichten eine Interpretation der gesammelten Erkenntnisse, die nun im Mammutmuseum der Öffentlichkeit sehr anschaulich präsentiert werden kann. Voraussichtlich im kommenden Jahr werden Publikationen zum Projekt erscheinen.

Das Gesamtbudget von rund 700000 Franken ist durch über 100 Sponsoren finanziert worden. Unter diesen sind der Schweizerische Ntionalfonds, die Universitäten Zürich und Bern, die ETH, die Eawag, der Lotteriefonds des Kantons Zürich, der Förderverein Mammutmuseum, die Gemeinde Niederweningen sowie verschiedene private Stiftungen.

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