Baden
Sein zweiter Coiffeur-Salon beinhaltet auch eine Boutique

Coiffeur Giorgio Inguscio verschönert gerne Menschen und Räume: Mit der Eröffnung eines weiteren Coiffeursalons mit Boutique, der seine ganz eigene Handschrift trägt, hat er sich einen weiteren Traum erfüllt.

Carolin Frei
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Giorgio Inguscio hat in seinem zweiten Salon nichts dem Zufall überlassen.

Giorgio Inguscio hat in seinem zweiten Salon nichts dem Zufall überlassen.

Giorgio Inguscio hat sich mit der Eröffnung von Da Giò in Baden, seinem zweiten Coiffeursalon, einen Traum erfüllt. Ein weiterer Wunsch – eine Boutique mit ausgewählten Trouvaillen – ging in einer Ecke des Salons ebenfalls in Erfüllung.

«In diesem Salon konnte ich mich verwirklichen», sagt der 56-Jährige, der die ersten Lebensjahre in Apulien verbrachte. Den Holzboden hat er selbst verlegt, den Empfangstresen mit Holz und Glas aufgewertet und das Regal für die Haarprodukte selbst konstruiert. Vor dem Frisierstuhl hat er nicht eine normale Platte an die Wand montiert, sondern ausgediente Bahnschwellen zur Ablage umfunktioniert.

«Ich wäre gerne Innendekorateur geworden», sagt er. Doch sein Vater habe es nicht gutgeheissen, die Lehrstelle, die erst in zwölf Monaten frei geworden wäre, anzunehmen. «Ein Jahr lang nichts zu tun, kein Geld zu verdienen, kam für ihn, den italienischen Gastarbeiter nicht infrage.» So habe er sich auf Anraten des Berufsberaters für eine Ausbildung zum Coiffeur entschieden. Was er bis heute nicht bereut, auf diese Weise kann er seine kreative Ader ausleben. Das Kreative wurde ihm wohl in die Wiege gelegt, war doch seine Mutter Schneiderin, die ihn schon als Bub zum Nähen und «Dinge aus Stoff» schaffen ermunterte. «Diese Liebe, Schönes zu schaffen, Dinge zweckentfremdet einzusetzen, ist bis heute geblieben», sagt Inguscio, der damals mit 23 Jahren als einer der Jüngsten in der Schweiz die Coiffeur-Meisterprüfung bestand.

Als sein Vater 1959 von einem Schweizer Bauunternehmen als Gastarbeiter in die Schweiz geholt wurde, musste er seine Frau und sein damals ungeborenes Kind Giorgio in Italien zurücklassen.

In der Schule nur «de Tschingg»

Erst zwei Jahre später folgte ihm seine Frau nach und drei Jahre später Giorgio. «Ich sprach kein Wort Deutsch, fühlte mich in meiner neuen Heimat nicht wohl und bin deshalb im Kindergarten immer wieder abgehauen.» Schöne Erinnerungen an seine Schulzeit gibt es wenige, war er doch einfach nur «de Tschingg».

Zudem ist seine Familie des Öfteren umgezogen, was es unmöglich machte, wirkliche Freundschaften zu schliessen. «Wenn mein Vater 50 Rappen mehr Stundenlohn bekam, nahm er die Stelle an und wir mussten eine neue Bleibe suchen.» Eines Tages überraschte der Vater die Familie mit der Tatsache, dass er in Belgien einen Blumenladen gekauft habe. Worauf erneut die Koffer gepackt wurden. Allerdings nicht für allzu lange. Die Arbeit sei extrem zeitintensiv und die Friedhofumgebung alles andere als aufbauend gewesen. Der nächste Umzug, zurück in die Schweiz, stand an.

Dies alles ist tiefe Vergangenheit, die jedoch, durch die aktuelle Flüchtlingswelle, Erinnerungen bei Giorgio Inguscio hervorruft. «Ich hatte es wirklich schwer, meinen Weg hier in der Schweiz zu finden. Auch wenn es nicht immer leicht ist, man muss an sich und seine Träume glauben.»

Inzwischen ist er längst angekommen, hat sich mit der Eröffnung eines weiteren Coiffeursalons mit Boutique, der seine ganz eigene Handschrift trägt, einen weiteren Traum erfüllt. «Mein Ziel ist, mit 60 Jahren nur noch ab und zu im Salon zu arbeiten, mit meiner Frau herumzureisen und Trouvaillen für meine Boutique zu suchen. » Seine beiden Kinder hat er darin ermuntert und unterstützt, den Berufsweg einzuschlagen, der ihren Neigungen und Wünschen entspricht.