Baden

Seine Kunst verbindet den Iran mit der Schweiz

Skype verbindet über einen Perserteppich zwei Wohnzimmer – eines im Iran und eines in der Schweiz. Salomé Meier

Skype verbindet über einen Perserteppich zwei Wohnzimmer – eines im Iran und eines in der Schweiz. Salomé Meier

Der Künstler, Navid Sadrosadat Tschopp, reflektiert im Kunstraum Baden seine iranisch-schweizerischen Wurzeln. Dabei lässt er die beiden Kulturen auf verblüffende Weise verschmelzen.

Sadrosadat Tschopp: Das sind zwei Namen, zwei Familien, zwei Sprachen, zwei Länder, zwei Kulturen. Erst in den letzten fünf Jahren hat Navid angefangen, auch in der Schweiz wieder seinen iranischen Nachnamen zu verwenden. «Bis dahin verwendete ich in der Schweiz immer den Namen meiner Mutter und umgekehrt, wenn ich im Iran war den meines Vaters», erklärte der Konzeptkünstler. Dass er heute wieder seinen vollen Doppelnamen trägt, darf man als eine Rückbesinnung auf seine Herkunft und seine Identität verstehen. Und diese Rückbesinnung spiegelt sich auch in seiner aktuellen Ausstellung im Kunstraum Baden. Sich nicht für eine Herkunft entscheiden, nicht eine einzige Perspektive einnehmen: Tschopp geht es um das Verbinden, Verweben, Verschränken von Okzident und Orient, von Iran und Christentum. Und das mal ironisch, mal konzeptuell, häufig performativ.

An der gut besuchten Vernissage am Freitagabend nahm Sadrosadat Tschopp die Besucher auf eine Reise durch die (Bild-)Welt seines Lebens mit. Claudia Spinelli und Rolf Bismarck vom Kunstraum Baden gaben eine Einführung in die Ausstellung Navid Sadrosadat Tschopps. Die Ausstellung folgt chronologisch den Spuren durch die Bild- und Kunstwelt des Künstlers. So wird der Besucher in einem ersten Raum mit dem Stammbaum seiner Familie empfangen. Doch nicht die Konterfeis, sondern die Gemälde der Eltern, der Lebenspartnerin und deren Eltern, als auch eigene Arbeiten hängen an der Wand. Unterhalb dieses Stammbaums hängt eine weisse Leinwand, welche seinem Kind gewidmet ist und noch darauf wartet, bemalt zu werden. – Sadrosadat Tschopp wird Ende dieses Monats zum ersten Mal Vater.

Kitsch ist nicht gleich Kitsch

Im nächsten Raum hängen die Arbeiten seines Vaters. Bilder, die während des Krieges in den 80ern entstanden sind. In einer Garten-Installation nimmt Tschopp Elemente der iranischen Kunst auf und verhandelt darin auch die kulturellen Unterschiede im Kunstverständnis. «Kulturen bringen ein je eigenes ästhetisches Empfinden mit sich. Was hier als pathetisch und kitschig wahrgenommen wird, muss es im Iran nicht sein. Trauer wird im Iran durchaus inbrünstig zur Schau gestellt», erklärt Sadrosadat Tschopp.

Interkulturalität ist wohl eines der aktuellsten Themen der Zeit und Navid Sadrosadat Tschopp vermag es, diese zwei so unterschiedlichen Kulturen virtuos miteinander zu verbinden. Seine Ausstellung ist in ihrer Gesamtheit eben mehr als eine synoptische Collage, das eine geht in das andere über, die zwei verbinden sich und durch die weisse Leinwand im Stammbaum kommt diese ganz persönliche Verbindung ins tatsächliche Leben.

Ausstellung Navid Sadrosadat Tschopp bis am 1. Mai 2016 im Kunstraum Baden.

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