Nachruf
Seine Spuren werden lange sichtbar bleiben

Zum Gedenken an Fredy Häusermann (1942–2016), der 41 Jahre für BBC/ABB/Alstom tätig und ehemals Gebenstorfer Gemeinderat war.

Roman Huber
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Fredy Häusermann

Fredy Häusermann

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Seine letzten Jahre genoss Fredy Häusermann nach einem erfolgreichen Berufsleben vor allem im Familienkreise, mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen, die ihm als Ingenieure auch beruflich nahestanden, und den fünf Enkelkindern. Insofern hat er auch hier bleibende Spuren hinterlassen. Häusermann gehörte zudem von 2002 bis 2009 dem Gebenstorfer Gemeinderat an. Dort betreute der gelernte Ingenieur unter anderem erfolgreich das Ressort der Finanzen.

Eine spezielle Würdigung erfuhr Fredy Häusermann im Februar 2015, als er für sein Lebenswerk im Dienst von BBC, ABB und Alstom und insbesondere im Turbinengeschäft geehrt wurde und zwar vom ehemaligen ABB-Schweiz-Chef Edwin Somm persönlich.

Häusermann startete 1966 seine technische Laufbahn als Konstrukteur im Zeichensaal des bekannten Turbinenkonstrukteurs Hans Bellati. Dieser Zeit folgten für den Ingenieur verantwortungsvolle Einsätze als Inbetriebsetzer im Dienste der BBC.

Nach den Jahren als Konstruktionschef für Industrieturbinen in Oerlikon wurde Häusermann in gleicher Funktion nach Baden geholt, wo er in die Fussstapfen seines ehemaligen Lehrmeisters Bellati trat. Er prägte massgebend die Konstruktionsweise der erfolgreichen grossen Dampfturbinen der BBC. In dieser Phase entstand die Dampfturbinenfamilie, die heute die Grundlage für das Dampfturbinengeschäft von General Electric ist.

Nach dem Merger von BBC und Asea wirkte Häusermann als Entwicklungschef für Gasturbinen. Mit der Entwicklung der neuen Gasturbine GT24/GT26 unter grösster Geheimhaltung erfolgte ein technologisch gewagter Schritt. Doch bei der zu raschen Markteinführung wurden zu grossen Risiken eingegangen.

Obschon Häusermann vehement auf die Probleme hingewiesen hatte, übernahm er einen Teil der Verantwortung für das Desaster. «Hätte ich die Entwicklung direkter und ausschliesslich geführt, wäre alles sicher vernünftiger abgelaufen», meinte er später selbstkritisch. Deutlicher wird er gegenüber dem damaligen Kraftwerkchef: «Ich hätte mehr Druck gegenüber Göran Lundberg aufbauen und aushalten sollen. Aber wahrscheinlich wär ich dann wie viele andere gestandene Männer auch entfernt worden.»

1995 wurde ihm die Leitung des Gas-Kombikraftwerkgeschäfts als Senior Vice President übertragen. Bis sich im Juli 1999 die Ereignisse überstürzten: Erst kam es zum Joint Venture zwischen ABB und Alstom, und nur knapp ein Jahr später übernahm Alstom von der angeschlagenen ABB das ganze Kraftwerkgeschäft.

In seinen 41 Jahren im harten Kraftwerkgeschäft erlebte Fredy Häusermann drei grosse Unternehmen und insgesamt zwölf verschiedene Chefs. Er selber galt als unerbittlicher Kämpfer, der aber auch eine sensible Seite hatte.

«Ich war nie der grosse Politiker und Taktierer, ich wollte stets die Probleme anpacken und lösen», sagte Häusermann am Ende seiner Karriere über sich. Und fügte gleich in seiner für ihn typischen Bescheidenheit an: «Ich hatte das grosse Glück, immer auf meine Mannschaft zählen zu können und hatte fast immer wohlwollende Chefs, die mir das Vertrauen geschenkt und die mich unterstützt haben.»

Die Zeit als Pensionär liess ihn nicht untätig werden: Mit seinem alten «Saurer», den er instand stellte, fand er zu seinen Wurzeln als Konstrukteur zurück. Er durfte die Familie geniessen, blieb unternehmungslustig und liebte es, Zeit auf dem Wasser zu verbringen. Völlig überraschend für alle seine Nächsten schlief er am Mittwoch, 16. November, nach einem reich erfüllten Leben friedlich für immer ein.