Seit 40 Jahren ist er die Nummer zwei in Niederrohrdorf – heute feiert der stellvertretende Gemeindeschreiber Erich Keller sein Jubiläum.

Kam nie der Wunsch auf, das Amt des Gemeindeschreibers zu übernehmen? «Nein», sagt Keller. Er hätte zwar die Ausbildung zum Gemeindeschreiber gemacht und sei auch schon angefragt worden. Doch der Sport hatte immer einen grösseren Stellenwert im Leben des heute 59-Jährigen: Er engagierte sich jahrelang in Sportvereinen sowie dem Badener Kreisturnverband und trat an 100-Meter-Sprints und Weitsprung-Wettkämpfen an.

Heute ist er noch jede Woche mit dem Bike unterwegs, geht oft mit seiner Ehefrau in den Bergen wandern oder joggt am Niederrohrdorfer Clauslauf mit. Als aktiver Sportler hatte er keine Zeit für das zeitintensive Amt des Gemeindeschreibers: «Wenn ich etwas mache, dann richtig», erklärt er.

Genau heute vor 40 Jahren hatte Keller seinen ersten Arbeitstag. Daran kann er sich noch gut erinnern: «Die beiden Lehrlinge waren mein Empfangskomitee», sagt er schmunzelnd. Es war seine erste Arbeitsstelle nach der Lehre. «Ich hatte ein Kribbeln im Bauch – und keine Ahnung, was auf mich zukommen würde.»

Seit Kellers erstem Tag 1974 veränderte sich einiges im Büro: Damals schrieben die Mitarbeiter noch auf Hermes-Schreibmaschinen, wenige Jahre später auf IBM-Kugelkopfschreibmaschinen. In den 90er-Jahren wurden die alten Geräte durch moderne Speicherschreibmaschinen mit Floppy-Disketten ersetzt. «Ein solches Gerät kostete damals 10 000 Franken.»

Gelangweilt habe er sich nie bei seiner Arbeit. «Der Job ist sehr vielseitig.» So gehörte es bis vor wenigen Jahren zu seinen Aufgaben, als Eismeister im Winter die Eisdicke im Weiher im Moos zu kontrollieren.

Bis 2003 war er der Leiter des Zivilstandsamtes. «Paare zu trauen ist eine schöne Aufgabe.» Deshalb sei er schon etwas traurig gewesen, als die Ämter in Mellingen zentralisiert wurden. Spass mache ihm auch die Betreuung der Lehrlinge: «Schliesslich ist das unser Nachwuchs.»

In den ganzen Jahren auf der Gemeinde Niederrohrdorf hatte Keller nur zwei Vorgesetzte: Jörg Sandmeier, der bis 2009 Gemeindeschreiber war, und sein Nachfolger Hugo Kreyenbühl. In ein paar Jahren wird Keller pensioniert. Ideen, wie er die freie Zeit nutzen wird, hat der umtriebige Untersiggenthaler bereits: «Ich möchte auf eine grössere Velotour gehen», verrät er. «Und ich kann mich vermehrt einem weiteren Hobby widmen – dem Gärtnern.»