Sie haben das, was 98 Prozent der Bevölkerung vielleicht gerne hätten, einen Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130. Dennoch, stolz darauf sind sie nicht, die Mitglieder des Vereins «Mensa». Für sie geht es um Spass unter Freunden und anregende Diskussionen. Eine Philosophie, die dem Verein am 1. Oktober 2011, dem «Internationen Tag der Intelligenz», seinen 65. Geburtstag beschert.

Gemeinsame Eigenschaft

«Man fühlt sich auf der gleichen Wellenlänge», schwärmt Mark Dettinger (40). Der Informatiker trat vor drei Jahren der «Mensa Schweiz» bei und steht ihm heute als Präsident vor. Neben gemeinschaftlichen Reisen nach Prag, Paris oder Passau, Schlitteltouren, Spieleabenden oder Vortragsreihen hat er dem Verein besonders eines zu verdanken, seine grosse Liebe. Seine Freundin ist ebenfalls Mensanerin.

Auch wenn es in den meisten Fällen bei einer Freundschaft bleibt, ist es genau das, worum es geht: Interessante Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Was man beruflich macht, in welchen finanziellen Verhältnissen man lebt, wie man politisch orientiert oder wie alt man ist, spielt keine Rolle. Die einzige Hürde, die es zu meistern gilt, ist ein IQ-Test. So sind ihre 850 Mitglieder in der Schweiz und ihre über 100000 Kollegen weltweit ein bunt gemischter Haufen, von 17 bis 70 Jahren, vom Handwerker bis zum Akademiker. «Das einzige, was uns eint, ist eine Eigenschaft und kein Interesse», bringt es der Gebenstorfer Stephan Langenbach (38) auf den Punkt.

Viele fühlen sich unverstanden

Denn Intelligenz ist für sie viel mehr als gute Schulnoten, eine breite Allgemeinbildung oder eine steile Karriere. Es geht darum, dieselbe Sprache zu sprechen. Hitzig diskutieren zu können, ohne Sätze vollenden zu müssen. Von Politik auf Kinofilme umschwenken zu können und wieder zurück. Einfach den Verstand machen zu lassen, auch wenn er dabei schneller arbeitet als der Mund. Konträre Meinungen zu tolerieren, ohne sie teilen zu müssen. «Liberalismus neben Bauchtanz eben», schmunzelt Silvia Ackermann (48). Das sei mit anderen Leuten manchmal schwierig, weiss die sympathische Geschäftsfrau. Ausserhalb ihrer Vereinswelt fühlen sich die Mensianer daher oft unverstanden, werden zum Teil als Besserwisser abgestempelt und gemieden. Ein Grund, warum viele ihre Mitgliedschaft für sich behalten.

Klavierlehrer Stephan Langenbach geht offen damit um. Erzählt, dass er schon früh gemerkt habe, dass er ein wenig anders sei. Als Kind spielte er etwa Melodien, die er im Radio hörte, einfach nach und heute hat er sein Klavierrepertoire komplett im Kopf. Dennoch – genau wie jeder andere – klagt auch er über Schwächen. In seinem Fall ist es unter anderem der fehlende Orientierungssinn.

Ein Kind des Zufalls

So ungewöhnlich wie die Gemeinschaft selbst, so zufällig ist sie auch entstanden. Auf einer Zugfahrt im Jahr 1946. Während zwei völlig Fremde die zerbombten Vororte Londons passierten, kam ihnen eine Idee. Warum nicht die Intelligenz für den Frieden und zum Wohle der Menschheit einsetzen? Der Club war gegründet. Und welcher Name wäre da besser geeignet als das lateinische Wort «Mensa», das nicht nur Tisch bedeutet, um den die beiden Gründer die Menschen versammeln wollten. Es beinhaltet auch «mens», zu Deutsch Geist oder Verstand.

Wettbewerbsfrage: www.mensa.ch/wettbewerb/oktaeder