Wettingen
«Seit wir an der Zentralstrasse sind, haben wir mehr Kunden»

In den Fünfzigern bestanden Pläne, das Wettinger Zentrum an die Zentralstrasse zu verlegen. Von den früheren Absichten ist nicht mehr viel zu spüren. Mit der heutigen Situation der Strasse sind nicht alle zufrieden.

Erina Allmendinger
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Der Veloweg beim Trottoir wird laut Steinmann nur selten genutzt.ABU

Der Veloweg beim Trottoir wird laut Steinmann nur selten genutzt.ABU

Annika Buetschi / AZ

Heute erfüllt die Zentralstrasse vor allem die Funktion einer Sammelstrasse: Durch sie fliesst der Verkehr zu den Hauptverkehrsachsen wie der Alberich-Zwyssig-Strasse. Doch obwohl das eigentliche Zentrum heute an der Landstrasse liegt, können auch an der Zentralstrasse einige Geschäfte überleben. «Ich habe mein Restaurant gerne hier», sagt Silvestro Solazzo, Wirt vom «Cuore Latino». «Es gibt etwas Verkehr, der Kunden bringt und trotzdem ist es angenehm ruhig.» Solazzo ist mit seinem Restaurant seit bald 22 Jahren an der Zentralstrasse. Die in den letzten Jahren durchgeführten Sanierungsarbeiten seien für das Geschäft nicht gerade förderlich gewesen. «Alle Geschäfte hier haben schwierige Zeiten durchgemacht, da in dieser Zeit weniger Autos vorbeigefahren sind», sagt er. Auch sonst sei das Überleben an der Zentralstrasse für die Geschäfte nicht einfach.

Das Zentrum an der Zentralstrasse hätte er sich gut vorstellen können. Heute gäbe es in Wettingen kein richtiges Zentrum, da der Coop im Tägi und die anderen grossen Geschäfte an der Landstrasse seien. «Ich glaube, das Einkaufszentrum an der Zentralstrasse wäre besser gelaufen, als es die Center-Passage heute tut», so Solazzo. Die Lage gleich neben dem Kreisel und nahe des Gemeindehauses wäre vorteilhaft gewesen. Auch Platz für Parkplätze würde es noch genug geben. Diese These kann Melanie Stadler, Angestellte im Lebensmittelmarkt «Alan Grossmarkt», bestätigen. «Früher war unser Geschäft in der Center-Passage», sagt sie. «Seit wir an der Zentralstrasse sind, haben wir mehr Kunden.»

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite hat Michael Steinmann seit 14 Jahren sein Geschäft «PTS» (Prävention Therapie, Sport). Dementsprechend hat er sich mit dieser Strasse auseinandergesetzt. «Ich finde es bescheuert, eine so breite Strasse mitten durch das Quartier zu bauen», sagt er. Er könne sich zwar vorstellen, dass sich das Zentrum an der Zentralstrasse gut gemacht hätte. Doch heute könnte man seiner Meinung nach etwas Besseres aus dieser Strasse machen. «Sie ist weder Fisch noch Vogel, die sollen sich entscheiden, was sie aus dieser Strasse machen wollen», sagt er. Die neue Insel beim Fussgängerstreifen und den Veloweg findet er unnötig: «Für mich sind das alles Möchtegernmassnahmen.» Er sei wahrscheinlich der Einzige, der den Veloweg nutze und die Verkehrsinsel werde beim Ausparken regelmässig überfahren. Sinnvoll wäre für ihn das Einführen einer Tempo-30-Zone. «Ich sehe regelmässig, dass Junge diese Strasse für Autowettrennen nutzen», erzählt Steinmann.

«Wir lassen zwar die Möglichkeit, die Limmattalbahn einst über die Zentralstrasse durch Wettingen zu leiten, offen», sagt Urs Heimgartner, Leiter Bau und Planung in Wettingen. «In den nächsten 20 Jahren wird es aber keine grossen Veränderungen an der Strasse geben.»