Die Abstimmungsunterlagen für den 26. November sind verteilt. Die Finanzen bleiben das meistdiskutierte Thema beim Baukredit für das Sekundarstufenzentrum Burghalde. Was niemand bestreitet: Die 98,5 Mio. Franken brutto bedeuten viel Geld für die Stadt Baden in der jetzigen Finanzsituation. Zwar sollen davon 39 Mio. über die Schulgelder der angeschlossenen Gemeinden Birmenstorf, Ehrendingen und Ennetbaden abgegolten werden, und 6,5 Mio. steuert der Kanton an Subventionen bei. Im selben Zug muss angefügt werden, dass weitere Kosten anfallen, so 8,1 Mio. für die Sanierung des Schulhauses Burghalde 1 (darüber wird ebenfalls abgestimmt) und 1,65 Mio. Franken für die Turnhalle 3.

Die Frage, die darum besonders interessiert, lautet: Welches wären die Konsequenzen, wenn das Stimmvolk Nein sagen würde? Und die Anschlussfrage: Hat der Stadtrat einen Plan B? Vizeammann und Bauvorsteher Markus Schneider weist auf die finanziellen Konsequenzen hin: «Bei einem Nein müssen wir gemäss Vorschrift des Kantons die bisher eingesetzten 8,8 Mio. Franken für Wettbewerb und Projektierung im nächsten Jahr abschreiben.» Im Klartext: Der Betrag würde die Rechnung 2018 zusätzlich belasten.

Alle Sanierungen anpacken

Nach der klaren Annahme des Projektierungskredits durch das Stimmvolk und das deutliche Ja des Einwohnerrates im Herbst geht der Stadtrat nicht von einer Ablehnung aus. Einen Plan B im eigentlichen Sinne gebe es nicht, macht Schneider klar. «Bei einem Nein müssten wir zuerst einen neuen Standort für ein Primarschulhaus in der Innenstadt suchen, weil das Schulhaus Pfaffechappe weiter durch die Sekundar- und Realschule belegt würde.» Bis in fünf Jahren müsste es erstellt sein, denn zu diesem Zeitpunkt würden Klassenzimmer für sechs zusätzliche Abteilungen benötigt. Die Frage lautet jedoch: Wo?

Bei einem Nein müssten nebst der Burghalde 1 auch der Südanbau (inkl. Turnhalle 2) sowie die Burghalde 2 (ehemals Gewerbeschulhaus) saniert werden. «Wir sprechen da von Kosten um 30 Mio. Franken, ohne dass wir damit den benötigten neuen Schulraum erhalten würden.» Beide Gebäude würden bei einem Ja abgebrochen.

Ein Nein zum Sekundarstufenzentrum würde darum laut Schneider «zurück auf Feld 1» bedeuten, mit den Szenarien: Neuplanung, Reduktion oder Verzicht. «Wenn wir von Grund auf inklusive Standortevaluation neu planen müssten, würden wir um sechs Jahre zurückgeworfen», so Schneider. «Nebst den Projektierungskosten von 8,8 Mio. Franken, dem verfallenen Kantonsbeitrag von 6,5 Mio. und 30 Mio. Franken Sanierungskosten würden neue Planungskosten auf uns zukommen.»

Aufstockungen bestehender Gebäude sind laut den Baufachleuten nicht möglich. Trotz eines Neubaus für die Primarschule müsste die Infrastruktur für die Oberstufe folglich reduziert werden. «Damit wären wir gezwungen, die Schulverträge mit den Gemeinden Birmenstorf, Ehrendingen und Ennetbaden aufzulösen, womit Investitionsbeiträge wegfallen, die über deren Schulgelder eingehen», so Schneider. Laut ihm würde Baden damit im Hinblick auf Kooperationen oder Zusammenschlüsse ein schlechtes Zeichen setzen.

Das Szenario einer «Oberstufe nicht unter einem Dach» wäre wohl die Konsequenz eines Neins, was für Schneider wie auch für Schulvorsteherin Ruth Müri gegen die Tendenzen in der heutigen Schullandschaft sprechen würde: «Sämtliche Entwicklungen wie die Ausbildung der Lehrpersonen und der Lehrplan 21 laufen auf eine gemeinsame Oberstufe und einen zentralen Ort für grosse Schulen hin.»

Einsparungen und Reduktionen sind laut Schneider bereits gemacht worden, weitere strebe man bei der Haustechnik an. Sparen an der Bausubstanz würde über die Jahre hinweg die Unterhaltskosten belasten. Keine grossen Abstriche lasse das Raumangebot zu. Müri weist auf die Notwendigkeit von Gruppenräumen für die heutigen Lehr- und Lernformen hin. Der Verzicht auf eine Mensa sei aus gesellschaftlicher Sicht nicht verantwortbar und würde dem Auftrag des Einwohnerrates widersprechen – und dem Wirtschaftsstandort schaden. «Wenn wir investieren, müssen wir eine Schule bauen, die noch in 40 Jahren zu genügen vermag», fasst Müri aus pädagogischer und schulorganisatorischer Sicht zusammen.