Stadtfest
Selbstexperiment beweist: Getränke-Depot ist eine Goldgrube

Schafft man es am Stadtfest, sich einen tollen Abend zu finanzieren, ohne ins eigene Portemonnaie zu greifen, das heisst nur mit dem Depot von 2 Franken pro Getränk? Die az hat das Selbstexperiment gewagt und ist dabei auf Erstaunliches gekommen.

Katja Ramseier
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In einer Stunde 20 Becher gesammelt

In einer Stunde 20 Becher gesammelt

Katja Ramseier

Um 21.30 Uhr startet das Experiment. Ich spaziere die Weite Gasse hinunter, Richtung Manor und schaue mich dabei immer nach herrenlosen Bechern um. Da jedoch in der Weiten Gasse so gut wie keine Becher verteilt werden, sondern die Verkaufsstände lieber auf PET-Flaschen setzen, habe ich keinen Erfolg.

Erst beim Café Mosers fallen mir zwei einsame Becher auf. Freundlich wie ich nun mal bin, gehe ich hin und frage eine Person, die etwa einen Meter neben den Bechern steht, ob die Becher ihre seien. Als sie diese Frage mit nein beantwortet, schnappt ich zu. Meine ersten vier Franken! Damit kann man sich am Stadtfest noch nicht wirklich viel leisten (höchstens ein Soft-Getränk), aber es ist immerhin schon mal ein Anfang.

Als ich bei „Herr Kubus" im Graben ankomme, habe ich ganze vier Bechern zusammen. Mit acht Franken lässt sich schon gehörig mehr kaufen als mit vier, trotzdem reicht mir das noch nicht. Mit diesem Geld lässt sich höchstens etwas Bescheidenes zu Essen (zum Beispiel Hot Dog) kaufen. Doch ich will mehr.

Während ich im Graben runterlaufe, schaffe ich es immerhin noch einen weiteren herrenlosen Becher vom Boden aufzuheben. Doch da hatte mein Freund die entscheidende Idee: Warum schauen wir nicht mal beim Mülleimer neben den Toiletten? Viele schmeissen ihre Getränke vermutlich vor dem Toilettengang in den Müll.

Daher gingen wir zu den Toiletten im Graben und ich wagte einen Blick in den grossen „Dräcksack". Und tatsächlich: Die Bechern stapeln sich nur so in dem Mülleimer! Auch wenn viele Personen herumstehen, lasse ich es mir nicht nehmen und fange an im Dreck zu wühlen. Zum Glück hat es im Eimer ausser den Bechern nur Bierdosen, da braucht es keine grosse Überwindung zum reingreifen. Fazit des Mülldurchsuchens: Ich habe nun ganze 16 Bechern! Das heisst ich habe mich von einer Sekunde auf die andere um ganze 22 Franken reicher gemacht.

Um 22.30 Uhr beende ich dann das Experiment. Nach einer Stunde suchen habe ich nun 20 Becher zusammengetrieben. Damit habe ich inert einer Stunde ganze 40 Franken gesammelt. Kein schlechter Stundenlohn. Die meisten der Becher (über die Hälfte) fand ich im Graben.

Mein Schlussfazit: Man kann locker einen Abend mit dem Geld aus dem Depot durchkommen. Man muss sich einfach überwinden, vor all den Leuten im Müll zu graben.

Nun habe ich 40 Franken und werde mir einen schönen Abend machen, inklusive Getränke und Essen und eine gratis Runde für meine Freunde, die mir beim Suchen geholfen haben.

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